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"Nightlife": Die deutsche Standard-Komödie! (REVIEW)

Da haben wir sie wieder! Den gängigen Standard des deutschen Mainstream-Kinos. Was kann man heute auch schon anderes erwarten, wenn man bspw. den Namen Elyas M´Barek und Frederick Lau hört. In ihren Filmographien hat sich auch schon die ein oder andere Perle eingegliedert. Die meisten Titel allerdings sind Durchschnittsware. Komödien, die eben nicht viel mehr anbieten als planlos ihr Publikum zu unterhalten. Auch wenn es bisweilen die Rechnung stets aufgegangen ist, langsam aber sicher nervt es...

Die Standard-Elite Deutschlands

Wir kennen sie mittlerweile alle! Elyas M´Barek, Frederick Lau und Palina Rojinski. Aus zahlreichen deutschen Produktionen, hauptsächlich Komödien, sind sie bekannt geworden. Mit Sicherheit gehören sie zeitgleich auch zu den sympathischsten Schauspielern aus unserer Heimat. Ganz gleich was man von den Filmen halten mag. Dennoch wird es wohl die meisten Cineasten gehörig auf die Nerven gehen, dass sich der deutsche Mainstream Film nur noch aus vielleicht zehn großen Darstellern (Schweiger, Schweighöfer, ihr könnt es euch ja denken...) definiert. Zumindest an den Erfolgszahlen, wie Zuschauer und Einspielergebnis gemessen. Interessante Indie-Perlen, die es hierzulande zu Genüge gibt, geraten leider nach und nach ins Hintertreffen. Was äußerst Schade ist. Stattdessen bekommen wir eine Komödie nach der anderen, ohne das sie sich qualitativ weiterentwickeln. Leider fehlt es da an einem abwechslungsreichen Aufbau, sowie einigermaßen interessante Figuren, die auch bei Nightlife nicht vorhanden sind. Das mag zwar nur eine Nebensache ein, aber vergleicht man die letzten deutschen Komödien aus Deutschland, so erhält man zweifellos immer dasselbe durchschnittliche Ergebnis. Wenig Mut zum Neuem, lieber schräger Humor, den jeder versteht, teilweise weit unter der Gürtellinie und Figuren, die sich mit verrückten Einfällen von einer Misere in die Nächste stürzt. Da kommt am Ende leider nicht mehr rüber als ein seichtes Nachmittagsprogramm, wenn einem mal wieder wenig Auswahl zur Verfügung steht. Man kann ein paar mal mit den Figuren lachen und sich zu einem Drittel gut unterhalten fühlen. Wenn die anderen zwei Drittel aber mehr Kopfschütteln beinhalten, weiß man was hierbei am Ende rauskommt: Nicht wirklich viel!  

Warum immer mit dem Kopf durch die Wand?

Häufig, ja beinahe in fast jeder Komödie mit der Elitegarde deutscher Filme, besitzen einen zarten Krimi-Plot. Auch beim aktuellen Beispiel ist das der Fall. Bereits im Trailer macht man darauf aufmerksam. Selbst hier verfahrt wieder mal recht schlicht. Fiese Drogen-Dealer aus dem Osten, sowie es häufig und meines Erachtens auch gerne in deutschen Produktionen gehandhabt wird. Natürlich will man dadurch niemanden einen Stempel aufdrücken. Aber die Tatsache, dass Männer mit russischem oder anderem osteuropäischen Hintergrund, wiederkehrend als die mächtigen kriminellen Organisationen porträtiert werden, nervt doch einfach nur noch. Immerhin hebt Tatort-Kommissar Nicholas Ofczarek so ein bisschen das Niveau an, wenn er als Oberhaupt dieses Drogenrings, mit seinem österreichischen Akzent die ganze Szenerie wieder etwas humorvoller gestaltet. Eine kleine Ausnahme im sonst so durchschnittlichen Cast, dem es nur selten gelingt mit einem flotten Spruch zu überzeugen. Vor allem die Figur von Frederick Lau sorgt für jede Menge Kopfschütteln. Absolut unlustig und viel zu überdreht, sodass er spätestens nach der Anfangsviertelstunde einfach nur anstrengend für alle Beteiligten ist. Damit meine ich nicht nur die Filmfiguren an sich, die das eine oder mal ihn direkt darauf ansprechen, sondern auch den geplagten Zuschauer, der sich dieses "Spektakel" antut. Letztlich ist es auch seiner Figur geschuldet, dass wir die Partyszene schnell verlassen und diesen unüberlegten Krimi-Plot präsentiert bekommen. Warum diese ganze Situation ausbricht und wie diese zum Schluss aufgelöst wird, fasst zudem den ganzen Film in einer Szene gut zusammen: Planlos, überdreht, vielleicht an manchen Stellen deswegen auch komisch, aber auch das gängige Standard-Design einer deutschen Komödie.

Nightlife Filmbild
Bild: Kurzweilig mit Augenklappe. Palina Rojinski und Elyas M´Barek. | Warner Bros.

Wenig "Nachtleben" dafür mehr Chaos

Sein wir doch mal ehrlich. Wer spricht heutzutage noch von "Nachtleben", wenn er einen drauf machen will. Dieses Wort hört sich im Film, sowie auch in der Wirklichkeit ein wenig outdated an. Wir verweilen zwar an einigen Stellen in Partylocations, aber auch nur deswegen, weil die Charakter Milo (Elyas M´Barek) und Renzo (Frederick Lau) als Barkeeper ihre Brötchen verdienen. Bedeutet, dieser Szenerie kann man zu Beginn, wegen dem Berufszweig der beiden männlichen Hauptfiguren, sowieso nicht entgehen. Dennoch sieht es nach knapp zwei Stunden so aus, als hätte man die großen Partys schlicht beiseite gelassen. Wir sehen also vom angekündigten "Nachtleben" herzlich wenig, außer die Großstadt Berlin in dunkle Nacht getaucht. Mehr allerdings nicht. Bis auf einzelne Ausschnitte bleiben die ausgelassenen Festigkeiten in dieser Form aus. Dafür bekommen wir aber einige sehr absurde Momente aufgetischt, die durch diesen klischeehaften Kriminal-Plot beigefügt werden. Für sich genommen ist der Filmtitel somit schon vollkommen falsch gewählt, da schlichtweg nicht zutreffend. Leider setzt man, wie so häufig bei deutschen Komödien, auf eine zusammenhangslose Story mit dem Hang zur Übertriebenheit. Und wenn sich das Nachtleben von Berlin im Film so definiert, dass man planlos durch die Straßen läuft, auf der Flucht von stereotypischen Gaunern und das Date mit in dieses Chaos zieht, dann aber gute Nacht! So etwas findet man nur im Film, zumal die endgültige Auflösung nicht einmal im Ansatz einfallsreich erscheint. Da reicht es tatsächlich schon aus wenn Palina Rojinskis Charakter Sunny eine brenzlige Situation mit ein wenig russisch entschärft. Da wollte man wohl schnell zum Ende kommen mit Nightlife.

Fazit:

Am Ende landet Nightlife doch eher unter dem Durchschnitt. Leider ist ja schon der Filmtitel, einer mit wenig Aussagekraft. Und wenn man den Film gesehen hat, will am liebsten den Regisseur Simon Verhoeven damit konfrontieren, was er unter "Nachtleben" in Berlin so versteht. Und stellt euch mal selbst die Frage: Wer redet heutzutage noch von "Nachtleben"? Und wieviel sehen wir tatsächlich davon im Film? Aber naja. Weiter im Text. Diese Komödie ist wieder so ein Beispiel eines mittlerweile gut eingespielten Standard-Konzepts aus Deutschland. Viel Chaos, wenig frische Ideen und simpler Humor. Das stört uns zwar erstmal nicht, ist aber auf Dauer nicht wirklich etwas was die meisten noch gut unterhält. Zumindest auf langfristiger Sicht. Der Film passt in ein gutes Nachmittagsprogramm, wenn einem nichts besseres einfällt. Ansonsten hat Nightlife nicht wirklich viel zu bieten. Eine Komödie die man anschaut, ein paar mal lacht oder gar nur schmunzelt und die sich dann in der langen Liste von Durchschnittsfilmen einreiht.

MCG-Raiting

★★★★★

4.0 Punkte

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