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"Once Upon A Time In Hollywood": DiCaprio und Pitt laufen zur Höchstform auf (REVIEW)

Quentin Tarantinos vorletzter Film. Once Upon A Time In Hollywood vermischt, gemäß dem Stil seines mittlerweile ikonischen Regisseurs, eine fiktive Geschichte mit einer realen. Und hierbei liefen nicht nur er selbst, sondern auch der komplette Cast zur Höchstform auf.

Hollywood in den 60er

Es war das "Goldene Zeitalter" für Hollywood: Die 60er. Kaum ein Jahrzehnt prägte den Los Angeles Star-Bezirk so sehr, wie dieses. Doch selbst jedes Goldene Zeitalter findet sein Ende. Doch das soll zunächst nicht Thema dieses Abschnitts sein. Was Once Upon A Time In Hollywood wirklich gut in Szene rücken konnte ist der Style der 60er. Nahezu perfekt eingefangen, egal ob die unendlich vielen Diesel-Schleudern, wie der Cadillac Coupe de Ville mit dem wir fast die gesamte Filmzeit durch die Straßen mitfahren dürfen, oder die auffälligen Hippie-Outfits der Manson-Family. Diese für uns schon lang vergangene Zeit wurde für den Film mit äußerst tiefer Detailtreue umgesetzt. Man hat sich tatsächlich so viel Mühe damit gegeben, dass man für diesen Film sogar über 2.000 Oldtimer eingesetzt hatte. Das wird vor allem in einer Szene relativ deutlich. In dieser fahren die Hauptakteure Cliff (Brad Pitt) und Rick (Leonardo DiCaprio) auf der Autobahn ans andere Ende von Los Angeles. Was das Merkmal Darstellung und Details angeht, gibt es somit schon einmal einen großen Pluspunkt für den neuen Tarantino-Streifen. Vor allem weil die Kamera dies auch mit abwechselnden breiten, sowie nahen Aufnahmen öfters sehr günstig in Szene setzt.

Ein unschlagbarer Cast

Eine große Elite-Truppe an Schauspielern versammelte sich für den neuen Tarantino-Film. Darunter der vielleicht beste Schauspieler aktuell, Leonardo Di Caprio. Er bekam sogar die Möglichkeit seinen Job in einer Rolle wiederzuspiegeln. Rick Dalton, eine der beiden Hauptfiguren im Film, ist wie es in Hollywood sehr schnell passieren kann, auf dem absteigenden Ast und sucht verzweifelt nach einer Rolle die ihm wieder mehr Selbstvertrauen gibt. Sein bester Freund und Stunt-Double Cliff Booth ist für den zu Beginn sehr traurigen Rick der wichtigste Eckpfeiler in seinem Leben. Der Fokus liegt zum ersten Drittel so sehr auf den Beiden, dass Once Upon A Time In Hollywood schon gar als ein reines Buddy-Movie durchgehen kann, wenn da nicht noch weitere Story-Elemente eingeflossen wären. Die Beziehung zwischen diesen beiden Figuren ist eine wunderbare Darstellung einer großartigen Freundschaft, die zwar zum Teil auf einem Arbeitsvertrag gebaut ist, aber dennoch recht kumpelhaften Charme enthält. Sowohl DiCaprio, als auch Pitt liefern hierzu einen großen Beitrag, da sie auch im echten Leben sehr aufgeschlossen miteinander interagieren. Beide Schauspieler hatten zusammen äußerst viel Spaß bei den Dreharbeiten und dies merkt man wahrlich auch in jeder Szene, in der die beiden auftauchen. Doch nicht nur die beiden passen wunderbar ins Bild. Auch eine Margot Robbie, die ihrer Figur Sharon Tate zudem verdammt ähnlich sieht, taucht wiedermal hervorragend in ihre Rolle ein. Hinzu kommen ein überaus heißblütiger Kurt Russel, ein unscheinbarer Damon Herriman als Charles Manson und die allseits coolste Socke von allen Al Pacino. Besser hätte man die Besetzung nicht festlegen können.

Manchmal übertrieben, aber dennoch urkomisch

Ja, es brauchte selbstverständlich ein R-Raiting. Kein Wunder, denn die Dialoge in Tarantinos Filmen sind stets äußerst vulgär und für manche Ohren dann doch etwas geschmacklos. Dennoch sind sie für diese Art von Film absolut notwendig und passend. Vor allem Brad Pitt trägt maßgeblich dazu bei die Zuschauer mit seinen platten Sprüchen und der Sturheit seiner Figur bestens zu unterhalten. Der gut trainierte, und Meister seines Handwerks als Stunt-Double, Cliff Booth mausert sich von mal zu mal zum heimlichen Star des Films. Eine Szene mit dem verstorbenen Bruce Lee (dargestellt von Mike Moh), die im Vorfeld bereits für viel negativen Gesprächsstoff sorgte, hat einen enormen Anteil daran. Es ist eine große Freude zwei waschechte Machos, vor Drehstart aufeinander treffen zu lassen. Und das was sie anbieten macht wahnsinnig viel Spaß (sie ist wahrscheinlich sogar die lustigste Szene im Film). Once Upon A Time In Hollywood gleicht im Laufe seiner Geschichte mehr einer überdrehten Komödie, denn einem einflussreichen Drama, dass alle Pros und Contras im Film-Business hinterfragt und beleuchtet. Es will so lustig wie möglich, aber auch so nah wie möglich an der Realität eines typischen Schauspieler-Daseins agieren.

Hollywoods Geschichte trifft auf Fiktion

Quentin Tarantino weiß es am Besten, wie man eine Geschichte geschickt mit der Fiktion verschmelzen lässt. Once Upon A Time In Hollywood bedient sich am Ende des "Goldenen Zeitalters" von Hollywood, dass mit den Morden der Manson-Family seinen blutigen Schlusspunkt fand. Es treffen Menschen aus der Vergangenheit, wie Sharon Tate, Bruce Lee und Steve McQueen, auf rein fiktional geschriebene Charaktere aufeinander, was die ganze Geschichte an sich schon interessant gestaltet. Es ist somit dasselbe Prinzip wie in Tarantinos Inglorious Bastards aus 2009, welcher ebenfalls ein sehr starker Film geworden ist. Damit wird ein Ausgang dieser Filmgeschichte nahezu unvorhersehbar. Auch bei Once Upon A Time In Hollywood solltet ihr stets mit einem Ende rechnen, dass euch überraschen kann. Das Ende wird sich gewiss nicht 1:1 wie im dargestellten 1969 abspielen. In gewissem Maße übertreibt es Tarantino in der Folge ein wenig und zieht die Story mit weit ausgedehnten Dialogen und Einstellungen zu sehr in die Länge. Wer dies allerdings schon aus Tarantinos Vorgängern kennt, sollte damit keinerlei Probleme haben. Es sind 160 Minuten feinste Unterhaltung, bei der es das ein oder andere Mal auch sehr blutig wird. Eben gemäß den Charakterzügen seines Regisseurs gerecht.

Once Upon A Time In Hollywood Szenenbild: Für beste Unterhaltung ist gesorgt. Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) bei einem Werbespot.
Bild: Für beste Unterhaltung ist gesorgt. Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) bei einem Werbespot. | © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Fazit:

Quentin Tarantino zeigt erneut was ihn ausmacht. Erzähle die Vergangenheit einfach neu und erhalte ein ganz eigene filmische Geschichte, deren Ende kaum auszumachen ist. Vielleicht ist es Tarantinos lustigstes Werk, mit einem starken Leonardo DiCaprio, einer wahnsinnig talentierten Margot Robbie und einem überragenden Brad Pitt, der alles und jeden in diesem Film in den Schatten stellt. Selbst wenn die Geschichte an manchen Stellen etwas zu ruhig voran schreitet, hat sie ein erstaunlich gut funktionierendes Erzähltempo, welches mit einer Vielzahl an starken Dialogen und Kamerafahrten ergänzt wird. Es mag zwar nicht die zugänglichste Form für jeden Zuschauer sein, aber definitiv der große Höhepunkt in diesem Kino-Sommer.

MCG-Raiting

★★★★★★★★★

9.0 Punkte

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