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"Out Of Play": So stark wie ein Dreipunktewurf! (REVIEW)

Ben Affleck ist mit Sicherheit kein Heiliger. Viel zu häufig hat er hauptsächlich mit negativen Schlagzeilen abseits seiner Schauspiel-Karriere von sich reden gemacht. Da kommt ein neuer Film doch ziemlich gelegen, vor allem wenn er eine Art Comeback vermittelt, indem auch seine eigenen Probleme eine nicht unwesentliche Rolle einnehmen.

Out Of Play Filmbild
Bild: Jack Cunningham (Ben Affleck) wird nach zahlreichen Rückschlägen Coach eines Basketballteams. | Warner Bros.

So sollte ein Sportlerdrama ausschauen

Die Hauptfigur des Films Jack Cunningham (Ben Affleck) hat seine besten Jahre in beispiellosen Alkoholexzessen verspielt. Eine gescheiterte Ehe, ein verworfenes Stipendium und im Grunde seine ganze Zukunft hat diese Figur beinahe schon aufgegeben. Da flattert plötzlich ein unerwartetes Angebot rein: Ein Job als Trainer seiner heimischen High School Basketballmannschaft. Nach anfänglichem Zögern nimmt die ehemalige Basketball-Legende seiner High School dieses an. Bis auf die Komponente mit dem Alkoholmissbrauch ist der Inhalt weiß Gott nichts neues, aber in Betracht auf dessen Hauptdarsteller, der sich in den letzten Jahren auf ähnlichen Gefilden befand, ein durchaus spannendes Filmerlebnis. Und häufig spielen sich Sportlerdramen doch eher im Profibereich ab. Bei Out Of Play bleiben wir, wortwörtlich, auf den Boden der Tatsachen. Denn was hat schon ein alkoholsüchtiger Trainer in einer Profimannschaft verloren? Es ist die High School, welche die Weichen für große Karrieren legt. Was dazu kommt, ist ein unerwartetes filmisches Interesse an taktischen Spielereien, wie man es bei solchen Filmen häufig verzweifelt sucht. Oftmals bekommen wir elementar wichtige Insider-Begriffe vor den Latz geknallt, wodurch auch dem Zuschauer die Abläufe des Spiels minutiös veranschaulicht werden. Der Film zieht dadurch förmlich die Aufmerksamkeit auf sich und das ganz ohne gängige Floskeln wie "Wir schaffen das schon!" oder "Ihr braucht nur den Willen zum Sieg!". Anders als bei den Profis wird hier der jungen, noch recht unerfahrenen Truppe, alles von Grund auf beigebracht bzw. aufgewertet und verfeinert. Eine Eigenschaft die Out Of Play von anderen Sportlerdramen, in denen ausschließlich auf Kampf und Wille gilt, deutlich hervorhebt.

Der Weg zurück! Auch für Ben Affleck?

Er ist natürlich kein unbekannter Name mehr! Ben Affleck. Von Good Will Hunting über Pearl Habour bis hin zu seiner Batman-Verkörperung im DCEU. Das der 48-jährige Amerikaner schauspielern kann, wissen wir aus zahllosen Beispielen seiner Filmographie. Und es mag womöglich auch kein Zufall sein, dass gerade er, der ja die letzten Jahre eher mit Skandalen in den Fokus rückte, die Hauptrolle in Out Of Play spielen durfte. Die Figur passt für die aktuelle Zeit, wo wir auch mehr über die Person des Ben Afflecks erfahren haben, wie die Faust aufs Auge. Man kann sich vielleicht nun weit aus dem Fenster lehnen, wenn man behauptet, dass dieser Film eine Art Aufarbeitung seiner persönlichen Schwächen, und dazu gehören bspw. die Alkoholexzesse, gesehen werden kann. Da er hierdurch vielmehr Bezug auf seinen filmischen Charakter besitzt, macht es seine Performance umso stärker. Seine Leistung im Film trägt maßgeblich zu dessen Erfolg bei. Er ist tatsächlich eine Verkörperung von Licht und Schatten, von Sieg und Niederlage. Während er, nach zunächst unglücklichen Start seines Teams später nur noch Erfolge feiert, muss er sich privat vielen Rückschlägen stellen. Was zusätzlich mitwirkt ist eine familiäre Tragödie, die die Figur des Jack Cunningham nachhaltig prägte und wahrscheinlich auch auf dessen selbstzerstörerischen Pfad geleitet hat. Und wenn eine so mitreißende (fiktive) Geschichte am Ende dazu verhilft, dass auch der Real Life Ben Affleck seine Karriere und sein Leben wieder in geregelte Bahnen lenkt, dann ist dieser Film ein einziger großer Siegeszug für den Schauspieler!

Out Of Play Filmbild
Bild: Jacks Basketball-Jünglinge feiern einen wichtigen Sieg im Meisterschaftsrennen. | Warner Bros.

Zwischen Erfolg und Rückschlag liegt ein Basketballkorb

In Out Of Play erleben wir nicht nur die vielmals erzählte Außenseitergeschichte einer jungen Mannschaft, sondern ebenfalls eine Erzählung einer gescheiterten Existenz. In den wichtigsten Momenten seines Lebens hatte die Hauptfigur Jack Cunningham die falschen Entscheidungen getroffen. Dadurch geriet seine Geschichte erst auf die dunkle Bahn, an deren Ende nur Einsamkeit und Verzweiflung stehen. In seiner Position als Trainer blüht er auf, und bemerkt auch, dass er eine Vorbildfunktion für seine jungen Zuhörer inne hat. Ohne großartig zu spoilern: Ja, seine Alkoholsucht spielt für den Fortgang der Erfolgsstory selbstverständlich eine prägende Rolle! Der Figur wird klar, dass dieses nicht von heute auf morgen verschwindet und Jack zuerst mit sich ins Reine kommen muss. Es wirkt, wie zuvor schon erwähnt, wie eine komplette Aufarbeitung, welche durch den Job als Basketballtrainer ihren Anfang nimmt. Und eines vorab: Der Film hat nicht dieses klassische Happy End, wie man es vermuten könnte. Out Of Play wählt einen Mittelweg. Den absolut richtigen Weg für diese Geschichte! Wir erfahren viel über die Figur, aber irgendwie wird sie auch ziemlich spät innerhalb der Handlung mit mehr Detail versehen. Leider sind die vielen tragischen Ereignisse von Jack Cunninghams Vergangenheit etwas sparsam zusammengefasst. Als Zuschauer ist einem die Trauer der Figur durchaus bewusst, aber filmisch hätte dies trotzdem ein wenig flüssiger erzählt werden können, als mit seichten und kurzweiligen Erinnerungen wo wir schlussendlich ein simples Puzzle zusammensetzen. 

Fazit:

Out Of Play macht vieles richtig, woran andere Sportlerdramen gänzlich oder zu einem gewissen Teil scheitern. Der Film setzt seiner Außenseiter-Geschichte seinen ganz eigenen Stempel auf. Keine Profitruppe und vielmehr durch Taktik geprägt, als andere hochkarätige Filme seiner Art. Hinzu kommt, dass Ben Affleck eine Wahnsinns-Performance abliefert, für eine Figur, welche sehr gut zu seiner aktuellen Situation passt. Es ist nicht diese mustergültige Saga eines Loserteams, die sich durch reine, teilweise unmenschliche, Willenskraft an die Spitze kämpft und gerade dafür kann hat dieser Film Lob verdient. Er bleibt auf den Boden der Tatsachen und bringt mit dem menschlichen Drama (von dem noch etwas mehr Input kommen könnte) zusätzlich viel Emotion mit sich. Hinzu kommt ein Filmende, welches sich absolut nachvollziehbar und richtig anfühlt

MCG-Raiting

★★★★★★★★

7.5 Punkte

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