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"Pandemie": Virus-Thriller in doppelter Geschwindigkeit (REVIEW)

Er kam dieses Jahr in die Kinos, obwohl er schon 2013 produziert wurde. Vereinzelt wurde der Film dieses Jahr in Europa ausgestrahlt, da er aktuell realer den je erscheint. Wer also neben momentanem Lockdown und in Zeiten des Coronavirus einen Film für die Thematik sucht, wird hier ein gutes Beispiel eines Virus-Thrillers finden. Und das obwohl der Film an sich nicht unbedingt eine Perle seiner Gattung ist.

Pandemie Filmbild
Bild: Eine Stadt in Angst. Die koreanische Stadt Bundang im Ausnahmezustand. | Busch Media Group

Das Szenario ist nicht unrealistisch

Wir leben aktuell selbst in einer Pandemie. Auch wenn wir es in unserer Gegenwart mit einem vergleichsweise harmloseren Virus zu tun haben, als in Filmen, ist das Szenario keines was unrealistisch wäre. Ein Killer-Virus könnte uns von heute auf morgen heimholen und zudem weite Teile der Bevölkerung auslöschen. Gott sei Dank hatten wir in unserem Zeitalter noch keinen derartigen Virus, der zugleich tödlich wie auch infektiös ist, sowie in Pandemie oder im koreanischen Originaltitel Gamgi. Dieser Titel bedeutet wörtlich übersetzt "Grippe". Und es ist ja auch nur knapp ein Jahrhundert her, da überrollte ein Grippe-Erreger die Welt. Damals kamen mehr Menschen durch diese Krankheit ums Leben, als im ersten Weltkrieg. Mit viel Faszination und Entsetzen sehen wir im fiktionalen Szenario des Films, wie schnell sich dieser Virus über die Stadt Bundang ausbreitet. Mit dem Ausgangspunkt, einem Container der illegale Einwanderer transportiert, wird gleichzeitig die Brücke zur Bekämpfung/Eindämmung der tödlichen Krankheit geschlossen. Ein Wettlauf gegen die Zeit, der zwar teilweise sehr spannend mit anzusehen ist, aber trotzdem eine zu rasante Entwicklung durchläuft. Der deutsche Titel zum Film ist ohnehin nicht ganz richtig, da sich der Ausbruch nur auf eine kleine Region beschränkt.

Viel zu rasante Abhandlung der Geschehnisse

Eine rasend schnelle Verbreitung ist hier noch untertrieben. Das Virus, um das es hier geht, ist nicht nur eine reine Tröpfen-Infektion, sondern wird auch über die Luft weitergetragen. Zumindest wird es beiläufig erwähnt. Natürlich erfordert es schnelles handeln, aber eine solche unglückliche Verkettung von Ereignissen innerhalb weniger Tage ist dann doch sehr unwahrscheinlich. Zumal die Menschen bedenklich schnell der Krankheit erliegen. Zwar werden hier durch die Regierung radikale Maßnahmen, wie die Abriegelung der Stadt getroffen. Es geht aber weiß Gott viel zu schnell. Das zunächst erschreckend realistische Szenario wird zu einem rein filmischen Vergnügen, dass alle weiteren Geschehnisse im Schnellverfahren abhandelt. Sie sind dadurch nicht wirklich präzise und am Ende wohl selten schlüssig. Wir kennen solche Erlebnisse nun mal nicht, um sie akribisch genau beurteilen zu können, wie sich alles in einer solchen Katastrophe abspielen würde. Aber das filmische Erlebnis wird zunehmend von der Geschwindigkeit der Geschichte beeinträchtigt. Sehr schade, denn eigentlich hatte man zu Beginn beinahe alles richtig gemacht, um den Zuschauer zu fesseln.

Pandemie Filmbild
Bild: In Pandemie geht eine Quarantäne, Isolation und die Suche nach einem Heilmittel. | Busch Media Group

"Pandemie" hat zu viele verschiedene Story-Elemente

Es funktioniert einfach nicht! Ein Familiendrama, die hoffnungslose Suche nach einem Heilmittel, politische Randthemen  und die Isolierung einer gesamten Stadt in einer Geschichte zu verpacken. Selbst für zwei Stunden ein schier aussichtsloses Unterfangen. Selbst die großen Namen dieses Sub-Genres konzentrieren sich zumeist auf eines dieser Themen und greifen die anderen nur als Zusatz auf, um die Geschichte selbst etwas besser erzählen zu können. Hier ist es, und das kollidiert eigentlich schon mit dem vorangegangen Punkt, eine Vielzahl von Geschichten die mit einer abnorm hohen Geschwindigkeit abgehandelt werden. Das die Ärztin Dr. Kim (Soo Ae) im Film häufig auf die Suche nach ihre Tochter ist, spielt dabei wohl die wichtigste Rolle, da dadurch auch erst ein Heilmittel mit ins Spiel kommt. Dennoch gibt es viele zu sehr vorhersehbare Zufälle, die einige der wichtigsten Fragen ziemlich unsanft beantwortet. Ob deren Familiendrama allerdings einen kompletten Film strecken könnte, ist gleichsam auszuschließen. Es bleibt aber das Problem, dass Pandemie nicht unbedingt zu wissen scheint, was er genau in den Vordergrund stellen will. Hierdurch entsteht ein derartiges Chaos, welches durch selbsterklärende Momente meistens seine berechenbare Auflösung erhält. Erschwerend kommt hinzu, dass bspw. die Sorge um das Kind Mi-reu (Park Min-ha) oftmals auch viel Rotation mit sich bringt. Wenn Ji-goo (Hyuk Jang) zu ihr zwei oder dreimal sagt: "Bleib da wo du bist!" Kann man sich wohl denken, was folglich passiert.

Schockierende und rührende Momente

Was Pandemie jedoch wieder gut einfängt sind die erschreckend realistischen Bilder einer Stadt mitten im Zerfall und Zusammenbruch jeglicher Infrastruktur. Dabei vergisst man auch nicht die logischen Handlungen von Panik erfüllten Menschen hervorzuheben: Hamsterkäufe, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Selbstjustiz und und und. Der Ausbruch des fiktiven Virus, welches eine aggressivere Form der Vogelgrippe ist, bringt auch das Tier im Menschen deutlich zum Vorschein. Keiner nimmt mehr Rücksicht auf den anderen und Militär und Staatsoberhäupter wissen nicht mit der Lage umzugehen. Natürlich passiert da im Umkehrschluss vieles, was einen fassungslos macht. Und genau diese Bilder (Einsperrung der Bevölkerung, allgemeine Resignation und Leichenberge) sind der stärkste Befürworter für diesen Film! Zumal ein gleichzeitig sehr rührender, als auch schockierender Moment kurz vor Ende präsentiert wird. Ein Schlüsselmoment im Film, der veranschaulicht wie nah Hoffnung und Verzweiflung beieinander liegen. 

Fazit:

Koreanische Filme stehen derzeit hoch im Trend. Viele sehr hoch gelobte Filme stammen aus dieser Region. Darunter der Oscar prämierte Parasite oder der Mystery-Thriller Burning. Pandemie hingegen ist kein Meisterwerk, sondern eher ein durchschnittlich guter Virus-Thriller, der den großen Namen dieses Sub-Genres nacheifert, aber nicht gänzlich zu überzeugen weiß. Das realistische Szenario, dass uns mit erschreckender Faszination zu Beginn fesselt, wird durch die zu rasante Entwicklung und zu vielen verschiedenen Elementen verunglimpft.

MCG-Raiting

★★★★★★

5.0 Punkte

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