· 

"Petting statt Pershing": Making (unangenehm) Love! (REVIEW)

Kleine Produktionen sind oftmals absolute Filmperlen, die man selten im Kino zu Gesicht kriegt. Die kleine deutsche Komödie Petting statt Pershing ist seit kurzem hierzulande angelaufen. Aber eine Filmperle? Nein, definitiv nicht. Denn dieser Low-Budget-Film ist vor allem eins: Unangenehm!

"Petting statt Pershing" Szenenbild

Deutschland in den 80er

Ja, da sind sie wieder. Die 80er! In Petting statt Pershing rückt das Jahrzehnt der großen Veränderungen wieder in den Vordergrund. Und anders, als man es für eine solch eher kleine Produktion erahnen könnte, sind die 80er durchaus sehr gut eingefangen. Für uns heutzutage unvorstellbar ist der damalige Mode-Trend. Dieser sticht nämlich gleich mehrfach in die Augen. Enge Jeans, farbenfrohe Oberteile und skurrile Ganzkörper-Outfits stellen die Hauptmerkmale des Looks dar. Inszenatorisch gesehen mag das eventuell wenig Aufwand sein, aber man kann nicht leugnen, dass die Produzenten sich hierfür sehr viel Mühe gemacht haben. In Sachen Look tanzt keiner der Charaktere aus der Reihe. Auch das zugehörige Thema ist im ersten Gedankengang nicht schlecht gewählt. Selbstbefreiung, sexuelle Sehnsucht und der Protest gegen ein großes politisches Thema, in diesem Fall die Atomenergie, legen den Grundstein für eine Geschichte, die nach und nach diese Punkte fallen lässt und in eine seltsame Eigenart abdriftet.

Ein wahrlich unangenehmes Leinwand-Schauspiel

Besonders die sexuelle Entfaltung spielt im Film eine große Rolle. Scheiß auf das alte Ehe-Gebilde, wo sich Mann und Frau mit den Jahren voneinander entfremden. Warum muss man sich an einen Partner binden? Dies ist u.a. das Motto des Lehrers und Frauenschwarms Grimm (gespielt von Florian Stetter). Doch gerade sein Verhalten sorgt für pures Chaos. Chaos welches der Film nach gerademal einer Viertelstunde nicht mehr beherrschen kann. Es vögelt kreuz und quer, und dabei leider immer im Mittelpunkt ist Grimm. Doch warum dieser junge, auch eher durchschnittlich attraktive Mann, die Frauen so leicht verführen kann bleibt eine Frage, welche der Film nur unzureichend mit seiner "Anziehungskraft" definiert. Auf Gesamtsicht ist diese Figur ein verpeilter und entwicklungsunfähiger Mann, der zufällig auf die richtigen Frauen trifft. Hinzu kommt die Hauptfigur des Films. Die übergewichtige aber kluge, obwohl wir von ihrer Intelligenz nie so recht etwas zu spüren bekommen, Ursula. Die, und wie kann es anders sein, ebenfalls total auf Grimm abfährt. Hier bricht der Film letztlich auch mit Motto des leichtlebigen Frauenhelden und dies führt so zu manch unangenehmer Szene, welche den Film, trotz knapper 97 Minuten, tatsächlich etwas in die Länge zieht. Ganz besonders die Figur Ursula wird im Film viel zu übertrieben dargestellt, dass Fremdschämen garantiert ist. 

"Petting statt Pershing" Szenenbild

Inspirierender Inhalt oder doch nur Magenkrampf?

Selbstbefreiung! Diese Flamme will der Film bis zum Schluss mit allen Mitteln am brennen halten. Doch dafür gibt es eigentlich keine nennenswerte Entwicklungen der Charaktere. Er geht sogar soweit, einen mehr als schwachen Krimi-Abschnitt in die Komödie einzubinden, welche die Geschichte am Ende noch um einiges negativer wirken lässt. Denn die Grenze zwischen gelungener Satire über viele 80er-Problematiken und einem Jugendrama verschiebt sich von Minute zur Minute in die eine und dann schlagartig wieder in die andere Richtung. Dazu der immer währende Kampf gegen sexuelle Sehnsucht und familiärer Treue. Petting statt Pershing legt sich zu viele Ziele voraus und scheitert damit eine mögliche inspirierende Handlung vor allem für ihre Zielgruppe, nämlich junge Frauen, zu erzählen. Die als geplante "leichte" Komödie wird zur Lachnummer, die sich nur von ihren unangenehmen Szenen ernährt. Wenn das einzig lustige im ganzen Film ein Opa, der ein Mann aus einer vergangen Zeit, mit veraltenden Traditionen und jede Veränderung der Gesellschaft ablehnt, ist das Thema deutlich verfehlt worden. Aber wenigstens hält er die Zuschauer in manchen Szenen bei Laune, bevor man vor lauter Scham den Kinosaal verlässt.

Fazit:

Wenn man Petting statt Pershing in einem Wort beschreiben müsste, wäre das ganz klar: Fremdschämen! Sobald zwei Figuren miteinander "interagieren" wird es sofort unangenehm. Die gesamte Art, ihrer Dialoge und das der Inhalt unter dem großen Begriff der Selbstbefreiung bzw. Entfaltung definiert ist, wird für viele Zuschauer sehr abschreckend sein. Leider ist das Gesamtbild, welches die Komödie hinterlässt, auch nicht würdig unter dem Begriff von Kunstfertigkeit eingebürgert zu werden. Dafür weiß die kleine Komödie von Anfang an nicht wo sie am Ende tatsächlich hin will. Was ist Quintessenz vom Film? Es bleibt ein Rätsel. Lediglich die Inszenierung der 80er Jahre und wenigen lustigen Momente (auch überaus bescheuerten Szenen geschuldet) bleiben im Nachhinein positiv im Kopf hängen.

MCG-Raiting

★★★★★

3.0 Punkte

Kommentar schreiben

Kommentare: 0