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"Pieces Of A Woman": Netflix erster Filmhit in 2021! (REVIEW)

Netflix beginnt das neue Jahr mit einem großen Hit. Der für die Oscar-Saison groß gehandelte Pieces Of A Woman ist gestartet und hinterließ einen bleibenden Eindruck. Tatsächlich so stark, dass man diesem Drama reale Chancen auf eine Auszeichnungen zusagen kann.

Pieces Of A Woman Filmbild
Bild: Die ersten Minuten zeigt eine Hausgeburt bei der einiges schief läuft. | NETFLIX

Bereits der Einstieg ist eine emotionale Achterbahnfahrt

Zwischen Glück und Pech liegt oftmals nicht wirklich viel. Die erste halbe Stunde ist eine emotionale Achterbahnfahrt, da zwar die Vorfreude auf eine baldige Geburt ansteht, zeitgleich die Hauptfigur Martha (Vanessa Kirby) mit den Auswirkungen der Schwangerschaft zu kämpfen hat. Dabei bleiben wir unangenehm nahe bei dieser Szenerie. Wir begleiten die werdende Mutter bei ihren Wehen und dem anschließenden Geburtsvorgang. Die Kamera lässt nur selten davon ab. Dadurch ist die Einleitung des Dramas ziemlich schwer zu ertragen, da einem klipp und klar vor Augen geführt wird, wie es vielen Schwangeren in dieser Zeit ergehen mag. Es ist nichts für schwache Nerven. Hier reden wir zudem von einer Hausgeburt, welche natürlich noch viel mehr Komplikationen birgt, als eine eingeleitete Geburt im Krankenhaus. Wer die Vorgeschichte kennt, also entweder Trailer gesehen oder Kurzinhalt gelesen hat, wird bereits wissen worauf das erste Kapitel am Ende zusteuert. Und trotz diesem Vorwissen ist es mitreisend mit anzusehen, wie die Freude über das neue Familienmitglied immer mehr einem Drahtseilakt gleicht. Der Anfang ist enorm tragisch und legt auch den Grundstein für ein Drama, welches über ein großes Trauma und dessen Folgen berichtet.

Der große Scherbenhaufen

Das eine solche Tragödie ein junges Ehepaar in hohem Maße beeinträchtig ist vollkommen verständlich. Ich denke an keinem zieht so ein schreckliches Ereignis ohne spürbaren psychischen Schaden nahtlos vorbei. Bei Pieces Of A Woman wird der denkbar schlimmste Weg gewählt, den man sich vorstellen kann. Es zerbricht nahezu alles und das passt folglich auch zum Filmtitel selbst. Egal ob das jetzt die Beziehung selbst ist oder das Verhältnis zu Verwandten betrifft. Bis kurz vor Schluss werden wir Zeuge wie die Hauptfigur an dieser Tragödie fast vollständig zu Grunde geht. Der Mittelteil ist ziemlich deprimierend und so emotional geladen, dass es kaum Aufheiterung gibt. Wie denn auch? Bei einer solchen Geschichte ist es entsetzlich schwer sich schnell wieder in die Normalität zurückzukämpfen. Selbst filmtechnisch sollte man sich gut mit so einer Situation auseinandersetzen. Da ist ein klischeehaftes Happy End meilenweit von der Realität entfernt. Der Film macht auch keine großen Zeitsprünge. Seine komplette Geschichte spielt sich innerhalb von einem halben Jahr ab, was natürlich nicht genügend Zeit darstellt, um sich von einem solchen Schock gänzlich zu erholen. Auch der Ausgang der einzelnen Parts (Beziehung, Prozess und Entscheidungen) ist schlüssig und nachvollziehbar, sodass keine Fragen offen bleiben. Was ein bisschen daran stört, ist ein Gerichtsprozess gegen die Hebamme, der sich zwischendurch in die Handlung reinpresst. Bis auf einen tiefgreifenden Monolog der Hauptfigur kommt dabei aber nichts wirklich rüber. Deswegen hätte man sich diesen eigentlich auch komplett sparen können.

Mit Vanessa Kirby steht und fällt der Film

Mit der Hauptfigur steht und fällt jeder Film. So auch dieser Netflix-Streifen. Mit Vanessa Kirby hat man eine gute Wahl getroffen, auch wenn ich hierbei nicht unbedingt von einer Meisterleistung sprechen würde. Sie macht ihre Sache gut, keine Frage, aber im Vergleich zu einem anderen Netflix-Drama mit Oscar-Ambitionen, wie bspw. Marriage Story (mit Scarlett Johansson und Adam Driver), zieht ihre Performance dann doch den Kürzeren. Es gibt ein kleines Problem mit den Figuren bei Pieces Of A Woman. Mit keiner dieser Charaktere fühlt man so richtig mit. Mag vielleicht auch daran liegen, dass nur wenige Menschen eine solche Situation durchstehen müssen. Filmisch gesehen, lassen einen sowohl Martha, als auch Sean (Shia LaBeouf), gefühlstechnisch sehr kalt. Liegt vielleicht auch daran, dass die Stimmung nach der Einleitung deutlich abkühlt und beide schon, zumindest in Gedanken, getrennte Wege gehen. Bei Shia LaBeouf fällt einem zudem auf, dass seine Darstellung meistens nur noch auf Schimpftiraden und den Standard-Obermacker reduziert werden. Dieser Typ kann so viel mehr und der Film bietet für ihn einige gute Ansätze, trotzdem wird am Ende nicht mehr aus seiner Figur gemacht. Ob Vanessa Kirby im Hinblick auf die Oscars eine Rolle spielt, bleibt die einzige Frage, die wir nach dem Film noch haben. Meiner Meinung nach, wäre eine Nominierung verdient. Eine Auszeichnung dagegen halte ich für unwahrscheinlich.

Fazit:

Mit dem ersten großen Netflix Film des Jahres kann man sehr zufrieden sein. Das Drama ist zwar ziemlich deprimierend und traurig, aber die Hintergrundgeschichte kann folglich auch nicht anders erzählt werden. Der Beginn ist bereits eine Augenweide und führt den Film auf seinen Erfolgskurs, der vielleicht noch besser ausgefallen wäre, wenn wir mit den Hauptfiguren etwas mehr mitfühlen könnten. Die Beweggründe verstehen wir zwar, aber aufgrund der etwas kühlen Stimmung bleibt die emotionale Tiefe auf der Strecke. Dennoch würde ich gerade die Leistung von Vanessa Kirby maßgeblich dafür verantwortlich machen, dass Pieces Of A Woman ein gelungener Auftakt für Netflix in 2021 darstellt.

MCG-Raiting

8.0 Punkte

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