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"Project Power": Superheldenkräfte per Pille! (REVIEW)

Netflix versucht sich wieder im Superheldengenre. Nachdem bereits im letztem Monat The Old Guard auf dem Streamingdienst große Wellen geschlagen hat, präsentiert man mit dem neuen Blockbuster Project Power erneut einen Superheldenfilm mit ähnlich schrägem Ansatz. Dieses mal geht es nicht um Unsterblichkeit, sondern um Superheldenkräfte erhältlich per Pille! Ein neuer Ansatz für dieses Genre, auch wenn das Niveau bei Project Power zu Wünschen übrig lässt.

Project Power Filmbild
Bild: Ex Soldat Art (Jamie Foxx) ist den verantwortlichen Drogendealern auf der Spur. | Netflix

Ist die Basis von Project Power wirklich so gut?

Zumindest im Ansatz muss man Project Power eine gewisse Anerkennung geben. Die Idee Superheldenkräfte mit einer Droge zu verbinden, ist schon ziemlich cool (einfallsreich wäre hier eine falsche Formulierung). Zeitgleich (und das kann man entweder positiv oder negativ betrachten) entmystifiziert es das ganze Superhelden-Thema. Wenn man so will, stellt dieses neue Netflix Original sogar eine Parodie auf dieses gesamt Genre dar. Aber vermutlich ist es nicht einmal dessen Intention. Denn eigentlich versucht der Film mit Jamie Foxx sehr ernst zu sein. Leider verpufft die anfängliche Idee in einem drittklassigen Action-Thriller mit einigen schlechten Merkmalen. Dazu gleich mehr. Ein großes Problem, was natürlich eher unbeabsichtigt, die ganze Zeit mit wiegt, ist der Konsum von Drogen. Die Gegenspieler, sowie die Hauptprotagonisten verdanken, und dies ist keineswegs übertrieben formuliert, ihre Fähigkeiten (zumindest in einigen Szenen) der neuen Designerdroge, von der ständig die Rede ist. Von mir aus kann man alle Figuren, die halbwegs auf der guten Seite stehen, als Antihelden bezeichnen. Es klingt aber ziemlich absurd, dass Gut und Böse sich quasi ständig damit zudröhnen, nur um den Gegner schlagen zu können. Ja, man hat sowas bisher in dieser Form vielleicht noch nicht gesehen, trotzdem ist dieses Verhalten der Figuren äußerst bedenklich. Der Lösungsansatz: Bekämpfe die Droge, indem du die Droge nimmst. Irgendwie komisch, oder? Was hierbei allerdings wieder etwas positiv auffällt, sind die verschiedensten Superkräfte. Und da gibt es einige an der Zahl!

Ordentliche Action aber zu simple Struktur

Was man Project Power definitiv nicht abstreiten kann, ist das das Zusammenspiel zwischen der Action und den einzelnen Fähigkeiten, die per Pille erhältlich sind, die durchweg sehr gut in Szene gesetzt werden. Unverwundbarkeit, in Flammen aufgehen oder außergewöhnliche Beweglichkeit gehören hier fast schon zu den "normalsten" Kräften, die im Arsenal zur Verfügung stehen. Dabei tut sich vor allem auch Jamie Foxx Charakter Art zu Beginn schwer, da er zunächst einmal auf diese Pillen verzichtet und so im  1-gegen-1 absolut überfordert ist. Man kann jetzt zwar nicht unbedingt behaupten, dass der Film gänzlich neue Fähigkeiten einführt (man hat die meisten von diesen wohl in irgendeiner Form schon in anderen Filmen gesehen), aber es sieht an dem ein oder anderen Part doch sehr ausgefallen aus.

 

Was allerdings schnell klar wird und womit man sich spätestens in der Mitte wieder auseinandersetzt, ist der "große böse" Gegenpart. Wie so oft steht wieder einmal eine riesige Organisation dahinter, die im Hintergrund die Fäden zieht. Und erneut sucht man, wie so oft, nach dem nächsten Schritt in der Evolution! Bloodshot kann ebenfalls ein Lied davon singen. Bei diesem Actionfilm ist dieser Grundsatz in ähnlichem Maße in die Hose gegangen. Und auch das Konstrukt von Project Power wackelt von Minute zu Minute. Hätte man hier etwas mehr daraus gemacht, als die simpelste Form einer gegenwirkenden Partei zu etablieren, wäre dieser neue Streifen vielleicht sogar ein guter Film geworden. Letztlich allerdings bleibt man wieder beim Schema F des Antagonisten-Handbuchs. Das einzige was sich zumindest ein bisschen davon abhebt, ist eine Geiselnahme, die am Ende etwas mehr damit zu tun hat. Mehr kann man allerdings dazu nicht sagen, da dies schon ein Spoiler wäre. Kurzfazit zur Handlung: Die Story bleibt simpel, durchschaubar und an den meisten Stellen uninteressant. Aber naja, die Action steht nun mal im Vordergrund.

Project Power Filmbild
Bild: Vor der ersten Einnahme der Droge, weiß man nicht was seine Superkraft ist. | Netflix

Große Namen aber keine guten Figuren

Bei Project Power haben wir zwei größere Schauspieler dabei, sowie auch eine Newcomerin. Jamie Foxx (Robin Hood, Django Unchained und Collateral) und Joseph Gordon Levitt (7500, The Dark Knight Rises und Inception) sollten den meisten ein Begriff in der Filmwelt sein. Ebenso mit dabei ist Dominique Fishback, die u.a. in The Hate U Give zu sehen war. Leider fällt die Netflix Produktion unter den Punkt, wo der Name des Schauspielers deutlich mehr Gewicht hat, als seine Darstellung. Keiner kann nicht wirklich gute Leistungen abrufen, was aber vielleicht auch der Tatsache geschuldet ist, dass die Figuren auch nicht besonders einfallsreich geschrieben sind. Man kann bei diesem Actionfilm natürlich keine Tiefe verlangen, aber bei der Rolle Art (Jamie Foxx) baut man eine persönliche Motivation in den Film ein, die den Zuschauer leider völlig kalt lässt. Richtig mitreisend ist dieser Handlungsstrang nicht, er wirkt eher wie ein passend gemachtes Bindeglied, um zumindest den Hintergrund des Plots in einer nennenswerten Form voran zu treiben. Etwas besser ist da die Motivation von Joseph Gordon Levitts Figur, der als Polizist versucht seine Stadt vor der Droge in Schutz zu nehmen. Allerdings greift er dabei auch selbst gerne zu der Pille. Sehr paradox! Newcomerin Dominique Fishback hingegen wirkt im kompletten Film wie ein Fremdkörper. Ihre Figur hätte man schlichtweg komplett streichen können. Und ähnlich wie bei anderen Actionfilmen verzichtet Project Power auf einigermaßen gelungen Nebencharaktere. Die sind ziemlich schnell aus dem Kopf wieder verschwunden und somit auch keine Erwähnung wert.

Handwerklich solide mit kleineren Macken

Jeder Zuschauer merkt sofort, dass hinter Project Power ein sehr ordentliches Budget steckt. Auf dem technischen Level kann der Film gut und gerne mit anderen Sci-Fi Blockbustern in einem Satz genannt werden. Die Effekte sehen im Detail sehr ordentlich und solide aus. Hier und da vielleicht etwas over-the-top und bei manch einer generierten Superkraft auch übertrieben ulkig, aber das CGI-Gewitter erfüllt hier seinen Zweck. Der ein oder andere Moment allerdings widerlegt mit seiner Darstellung die ernste Grundstimmung von Project Power. Das ist aber nicht wirklich schlimm und bleibt tatsächlich auch die Ausnahme. Eine der Superkräfte zum Beispiel transformiert einen Bösewicht sogar in eine hässlichere Form des Hulks. Das kann einem schon zum schmunzeln bringen, da dass wirklich nicht besonders gut ausschaut. Die meisten Superkräfte sind aber ziemlich gut umgesetzt, was die visuellen Effekte betrifft. Einen unsichtbaren Dieb kann man hier als bestes Beispiel nennen, weil dieser enorm gut mit der Umgebung verschmilzt. Alles in allem hat man sich bei diesem Punkt sehr viel Mühe gegeben, leider hat man insgesamt an anderen Stellen ordentlich gespart und sich zu sehr auf einfache Muster fokussiert.

Fazit:

In Sachen Filmen hinkt Netflix weiterhin hinterher was das Top-Niveau anbelangt. Project Power bleibt leider auch nur ein harmloser Versuch sich noch irgendwie im Superhelden bzw. Actiongenre zu etablieren. Dem Film selbst fehlt eine spannende Geschichte, sowie gute Charaktere. Er hat zweifellos einen guten Ansatz, aus dem er allerdings im weiteren Verlauf nichts macht. Der neue Actionkracher des Streamingdienstes mag kurzweilig mit geringem Unterhaltungswert und relativ gutem Handwerk seine Zuschauerschaft finden, bleibt aber auch nur ein ebenso kurzes Sehvergnügen auf eher unterdurchschnittlichem Niveau.

MCG-Raiting    

★★★★★★★★★ 

4.0 Punkte

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