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"Promising Young Woman": Boshaft genial und teuflisch gut! (REVIEW)

Ab morgen erwartet euch der wohl kreativste und interessanteste Thriller des Jahres: Promissing Young Woman. Der Film von Emerald Fennell war für fünf Oscars nominiert und konnte sogar einen gewinnen. Des Oscar gab es für das beste Originaldrehbuch und auch die Perfomance von Carey Mulligan ist aller Ehren wert!

Promissing Young Woman Bild
Bild: Carey Mulligan als Cassandra im Oscar prämierten "Promissing Young Woman". | Universal Pictures

Filminfos:

Kinostart: 19. August 2021

Laufzeit: 118 Minuten

FSK: 16

Genre: Thriller/Krimi/Drama

 

Regie: Emerald Fennell

Cast: Carey Mulligan, Bo Burnham, Allison Brie und Alfred Molina

Story:

In Cassies Leben ist nichts, wie es scheint. Sie ist klug, gerissen und führt bei Nacht, angetrieben von einem Trauma aus ihrer Vergangenheit, ein mörderisches Doppelleben. Abend für Abend besucht sie Bars und Clubs, um sich an Männern zu rächen, die sich an hilflosen Frauen vergehen. Doch eine unerwartete Begegnung könnte ihr schließlich die Möglichkeit bieten, einige ihrer eigenen Fehler aus der Vergangenheit wieder gut zu machen.



"Promissing Young Woman": Mix aus Thriller, Drama und schwarzer Komödie!

Heutzutage ist es eine absolute Seltenheit, dass ihr selbst nach einer halben, vielleicht sogar einer Dreiviertelstunde nicht wisst, was der geschaute Film eigentlich ist. Drama, Thriller, eine bissige Komödie oder nur eine seichte Kriminalgeschichte? Promissing Young Woman ist genau ein solches Werk, was sich nicht hundertprozentig definieren lässt. Die Geschichte ergibt sich erst im Laufe der Zeit und wird dadurch nahezu unberechenbar. In 2021 gab und wird es vermutlich keinen solchen Film mehr geben. Nicht umsonst erhielt man für diese abwechslungsreiche Geschichte einen Oscar für das Beste Originaldrehbuch. Und auch wenn sie zunächst sehr unscheinbar wirken mag, hat es diese Filmhandlung wirklich in sich. Der verwirrende Prolog, in dem der Zuschauer komplett im Dunkeln gelassen wird, entlüftet seine düsteren Geheimnisse aus der Vergangenheit zeitweise nur bruchstückhaft, ohne den "Big Reveal" von der Leine zu lassen. Damit hält sich das Interesse, endlich die Puzzlestücke zusammensetzen zu können, auf einem konstant hohen Niveau. Den Film in ein Genre richtig einzuordnen gestaltet sich daher ungemein schwierig, setzt er sowohl Elemente eines Thrillers als auch einer Komödie mit äußerst schwarzem Humor ein. Hinzu kommt ein tragischer Hintergrund wie man ihn beispielsweise aus klassischen Dramen kennt und einem im Ansatz nachvollziehbaren Rachemotiv, dass aus einem Krimi stammen könnte. Promissing Young Woman ist ein Mix aus all diesen Genres und trotz dem düster-tragischen Schicksal seiner Hauptfigur absolut unterhaltsam, ohne unnötige Längen. Den größten Dank gilt der Frau auf dem Regiestuhl Emerald Fennel und vor allem der Hauptdarstellerin Carey Mulligan, die wahrscheinlich die Perfomance ihres Lebens abliefert.

Carey Mulligans Perfomance ist faszinierend

Carey Mulligan mag für viele erstmal ein weniger bekannter Name in Hollywood sein, spielte sie doch schon in Filmen wie Stolz und Vorurteil, Drive, Shame und Der große Gatsby neben absoluten A-Listern wie Ryan Gosling, Leonardo DiCaprio und Michael Fassbender zahlreiche Nebenrollen. DIE Rolle, für die sie sich den Leuten in Erinnerung spielt, gab es bislang nicht. Bis jetzt! Denn in Promissing Young Woman spielt sich die 38-jährige Britin, die ihre Wurzeln im Theater hat, in das Gedächtnis der Zuschauer. Ihre Figur, genannt Cassandra, besitzt ein sehr launisches Gemüt und scheint egal in welcher Situation immer das letzte Wort zu haben. Meistens sehr unangenehme Sticheleien und Witze jenseits von Gut und Böse. Der Charakter ist so undurchschaubar wie der Film in dem er spielt. Unberechenbar und wegen der kühlen, ja fast schon eiskalten, Eigenart bereits ein Grund sich dieses Oscar prämierte Werk im Kino anzuschauen. Cassandra spielt mit den Männern, aber das Motiv welches dahintersteckt wird erst mit der Zeit gelüftet. Man braucht zwar etwas Geduld, aber dafür kann jeder Moment, jede noch so kleine Szene ein wichtiges Stück in einer Vielzahl von einzelnen Fragmenten sein, welches sich am Ende in eine wunderbar abwechslungsreiche Kette von Ereignissen gliedert, die erschreckenderweise viel Realität widerspiegeln. Denn trotz dieser fiktiven Handlung vergisst man hier nicht, gesellschaftliche Probleme direkt und völlig unverfroren anzusprechen. Das mag zwar an vielen Stellen ziemlich provokant inszeniert sein, passend zur überaus scharfzüngigen Hauptfigur, aber die Wahrheit die dahinter steckt ist tiefgreifender als man es sich zu Beginn vorstellen könnte. Das Herzstück, welches aber jede Szene so bunt, so schrill und so mitreißend gestaltet ist und bleibt Carey Mulligans Performance. Mit ihr steht und fällt der gesamte Film!

Promissing Young Woman Bild
Bild: Cassandra (Carey Mulligan) treibt sich in Bars rum und hat eine eigenartige Methode bei Flirts. | Universal Pictures

Nichts ist wie es scheint!

Filme dieser Art leben von einem WTF-Moment. Promissing Young Woman hat gleich mehrere solcher Momente. Vor allem dann, wenn wir als Zuschauer die grausamen Details von Cassandras Vorgeschichte zu Auge geführt bekommen. Es mögen zwar keine Alltagssituationen sein, aber mit Sicherheit auch keine die vollkommen aus der Luft gegriffen sind. Gerade das macht den Film in seiner Gänze so interessant. Das er trotz seiner verwirrenden und theaterhaften Erscheinung nicht ins Reich der Fiktion verfrachtet werden kann. Es ist eine Geschichte die so nah an der Wirklichkeit ist, dass es einem den Magen rumdreht, wenn man ihn zu Ende geschaut hat. Alle schmutzigen Details die zum Vorschein kommen, könnten so in dieser oder abgeschwächten Form im hier und jetzt spielen und Promissing Young Woman eine Geschichte nach einer wahren Begebenheit sein. Da das aber nicht der Fall ist, darf man erstmal aufatmen, da das Ende einem echt die Sprache verschlagen kann. Dennoch schwimmt der Eindruck stets mit, dass so etwas exakt oder zumindest in abgewandelter Form passieren könnte. Über seine vollen 118 Minuten erlebt der Zuschauer, welcher vollkommen auf die Hauptfigur Cassandra fixiert wird, deren Wechselbad der Gefühle. Von niederschmetternder Resignation, über kurzweilige Freude, bis hin zur eiskalten Rachegelüsten sind eine Menge emotionale Stimmungen dabei. Sie lassen uns auf eine Berg- und Talfahrt mitfahren, an deren Ende niemand gewinnt und viele verlieren.


Fazit:

Wow, was für ein Film! Oscar prämiert und das sogar mit Recht! Schade nur, dass Carey Mulligan leider keinen Goldjungen gewinnen konnte. Promissing Young Woman ist eines der kreativsten Werke seit langem und ein so bunter Mischmasch, wie seine undurchschaubare Hauptfigur! Erdrückend, tragisch, bösartig lustig und alles in allem teuflisch gut. Einfach nur beste Unterhaltung und das ohne ein eindeutiges Happy End! Promissing Young Woman ist schon jetzt einer der besten Filme des Jahres! 

MCG-Raiting

★★★★★★★★★

9.0 Punkte


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