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"Queen & Slim": Die harmlose Variante von Bonnie & Clyde (REVIEW)

"Die Schwarzen Bonnie & Clyde". Dieser Satz bleibt nach dem Trailer zum US-Drama Queen & Slim am besten im Gedächtnis. Im neuen Film mit dem Get Out Star Daniel Kaluuya werden zwei Schwarze mit den Titel gegebenen Vornamen unfreiwillig zu einem Symbol. Doch das Drama bietet vor allem mehr Inhalt für einen rasanten Thriller, als für ein ruhiges Drama.

Ein trauriges (aber reales) Szenario

Leider ist das Thema Gewalt gegenüber schwarzen Bürgern von der amerikanischen Polizisten immer noch eines, welches teilweise ganze Stadteile in bürgerkriegsähnliche Zustände versetzen kann. Auch die fiktive Geschichte von Queen & Slim greift dieses Szenario als Startpunkt der Geschichte auf. Wer den Trailer gesehen hat, der hat letztlich schon den Einblick in die erste Viertelstunde in den Film als grobe Zusammenfassung erhalten. Vielmehr gibt gerade dieser Auftakt nicht mehr her. Braucht er aber natürlich auch nicht. Polizeigewalt gegenüber Schwarzen ist mittlerweile wieder ein sehr bewegendes Thema, dass in letzter Zeit auch mehr Filme wieder als Handlung verwenden. Der letzte größere Streifen aus Hollywood, der diese Thematik mit einer sehr spannungsgeladenen Stimmung inszenierte war Detroit aus 2017, mit Star Wars Darsteller John Boyega. Diesem Thriller lag sogar eine wahre Begebenheit aus dem Jahr 1967 zu Grunde, wo bei einer Polizeirazzia drei afroamerikanische Bürger ums Leben kamen. Bei den anschließenden Unruhen in der Stadt, die davon ausgelöst wurden, starben weitere 40 Menschen. Im letzten Jahr griff The Hate U Give eine ähnliche, auf einem Roman basierende, Thematik auf und wurde am Ende sogar zu einem Geheimtipp unter den Filmkritikern. Queen & Slim erzählt, anders als die beiden genannten Beispielen, eine weitaus ruhigere Geschichte mit zwei Hauptfiguren, die in Notwehr einen Polizisten erschießen und vor Angst flüchten. Die Geschichte spielt in der heutigen Zeit und ist am Ende eher ein halbgarer Roadtrip, als eine in Raserei ausufernde Flucht vor der Polizei.

Das schwarze Pendant zu "Bonnie und Clyde"?

Queen & Slim zielt relativ früh auf den übertriebenen Vergleich zum weltbekannten Verbrecherduo Bonnie Elizabeth Parker und Clyde Chestnut Barrow, die vor allem durch Tankstellenüberfälle und Morde an Polizisten kriminelle Berühmtheit in den 30ern erlangten. Ihre Geschichte endete mit einer wilden Verfolgung mit der Polizei und dem tödlichen Hinterhalt beim Black Lake in Louisiana, wo Bonnie und Clyde getötet wurden. Der etwas verwegene und am Ende sehr übertriebene Vergleich zu diesen Figuren, war letztlich nur Mittel zum Zweck Queen & Slim, also die beiden Hauptfiguren, für die schwarze Bevölkerung zu heroisieren. Leider ist es in dieser fiktiven Handlung absolut nicht nachvollziehbar warum gerade deren Geschichte eine solche Symbolkraft erlangt. Denn, was gerade dadurch sehr in den Hintergrund gedrängt wird, ist die Tatsache, dass es hier um zwei völlig normale Menschen (schlichtweg keine Kriminellen) geht, die in eine problematische Situation geraten und lediglich dieser entfliehen wollen. Mehr nicht! Sie überfallen keine Banken, töten keine Polizisten (außer den Einen, der auf die beiden losgegangen ist) oder helfen ihren Mitmenschen in irgendeiner Form. Daher hat der Film, der "nur" ein Drama ist, wirklich eine Schippe zu viel darauf gelegt, die beiden Figuren als schwarzes Pendant zu Bonnie und Clyde darzustellen. Es wäre weitaus besser gewesen weder den Vergleich zum legendären Verbrecherduo zu ziehen, sowie auch diese übertriebene Symbolik die sich entwickelt als Nebenstrang beizulegen. Denn die Stärken liegen vor allem in den Interaktionen mit den Supportern von Queen & Slim.

Queen & Slim Filmbild
Bild: Queen & Slim bekommen eine Verschnaufpause in einer Bar. | © 2019 Unviersal Pictures

Freiheitsgefühl auf der Flucht

Wer sich auf der Flucht vor dem Gesetz befindet, benötigt eine oder gar mehrere Unterkünfte. Support von der Bevölkerung gibt es für Queen & Slim, die durch ihre Aktion und dank den Medien schnell ins Gespräch kommen, genügend. Dieser Punkt ist um einiges nachvollziehbarer, als die vorher genannte Symbolkraft, die uns der Film Weiß machen will. Es sind vor allem die Interaktionen mit ihren "Supportern", die den höchsten Unterhaltungswert im Film anbieten. Dabei treffen die Hauptfiguren auf die denkbar kuriosesten Gestalten die unterwegs zu finden sind. Natürlich sind die Dialoge, die hieraus resultieren, gepaart mit dem klischeebehafteten Straßenslang, der allerdings an manchen Stellen einige humorvolle Momente beinhaltet. Hinzu kommt ab und an die Naivität von Queen & Slim, die dieses kriminelle Leben so natürlich bislang nicht kannten. Der Film beleuchtet dabei, wenn auch erst im zweiten Drittel, wie die Beiden mit den nun aufflammenden brenzligen Situationen, auf der Flucht vor der Polizei, bewältigen müssen und dabei teilweise (so wird es zumindest des Öfteren dargestellt) mehr Freiheitsgefühl entwickeln als in ihrem bisherigen Leben, über das wir nicht viel erfahren, außer durch zahlreiche Dialoge, die das in einem kurzen Nebensatz erwähnen. Der Punkt, dass jeder Augenblick für die Beiden tatsächlich der Letzte auf ihrer Reise sein könnte, wird dagegen sehr glaubhaft in Szene gesetzt.

Queen & Slim fehlt die Emtion

Außer die hin und wieder fühlende Ausweglosigkeit für Queen und Slim, fehlt die für ein ausgewogenes Drama wichtige emotionale Tiefe der Charaktere. Queen & Slim gelingt es kaum, bis gar nicht, das sich der Zuschauer emotional auf die Hauptfiguren einstellen kann. Wie gesagt, fehlen vor allem die Hintergrundgeschichten, die Personen in ihrem Kern ausmachen und mit der sich dann auch der Zuschauer vermeintlich identifizieren könnte. Das Problem, dass sich zusätzlich nach der Sichtung des Films herauskristallisierte ist das verpasste Potenzial. Queen & Slim hätte mit ein paar wenigen Änderungen sogar als ein besserer Thriller getaugt. Denn für ein Drama sind viele Szenen schlichtweg zu mau und irrelevant für nachfolgende Handlungen. Die Figuren sind nicht gut genug ausgearbeitet (über beide ist kaum etwas bekannt, außer vielleicht Beruf und das sie sich durch Tinder kennengelernt haben) und Gefühlslage ist zum Schluss keine, die man nach einem Drama haben sollte. Vielleicht wäre, wenn schon der gewagte Vergleich zu Bonnie und Clyde gezogen wird, eine rasante Verfolgungsjagd mit der Polizei besser gewesen, als zwei Figuren, die nur auf Abstand gehen wollen.

Fazit:

Für ein Drama, welches ein sehr kritisches Thema auffasst, ist Queen & Slim vielleicht etwas zu normal geraten. Beiden Hauptfiguren fehlt das gewisse Etwas, damit sich der Zuschauer besser mit diesen auseinandersetzen kann. Das Kernelement ist, wie auch schon bei anderen Filmen aus jüngster Vergangenheit, weiterhin ein Ernst zunehmendes Problem. Dem gegenüber steht dieser etwas absurde Vergleich zu Bonnie und Clyde, der einfach nicht zutrifft, für das was der Film letztlich anbieten kann. Die Ideenlosigkeit mit der die Figuren, in dieser für sie unbekannten Situation ist hingegen sehr glaubhaft inszeniert und sorgt sogar für einige lustige Momente. Wer allerdings einen eher aufwühlenden Film, der die Szenerie, welche die Geschichte hier erst in Gang bringt, sucht, wäre mit Detroit und The Hate U Give deutlich besser beraten, als mit Queen & Slim.

MCG-Raiting

 

★★★

 

5.0 Punkte

 

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