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Der "König der Diebe" wird zum "König des Chaos" (REVIEW)

 

Seit 1912 wird der Stoff über den König der Diebe, Robin Hood, in der Filmlandschaft wieder und wieder verwertet. Zuletzt bediente sich sogar Ridley Scott der Geschichte dieser englischen Legende in seiner Version aus dem Jahr 2010. Damals mit Russel Crowe in der Hauptrolle und ebenso wenig erfolgreich, wie aktuell. Knapp zehn Jahr später erhält die ikonische Heldenfigur eine weitere Verfilmung, die sich komplett neu zu definieren versucht. Leider ist diese erneute Interpretation von Robin Hood so gar nicht gelungen:

  

 

Eine Lovestory wie eine Backpfeife

 

Schon alleine der Prolog, indem der Geschichtenerzähler in die Story einführt, zeigt auf, dass der 2019er Robin Hood eigentlich nicht ernst zu nehmen ist. Das große Problem zum Start ist die viel zu schnell aufgebaute Lovestory, die an Kitsch kaum zu übertreffen ist. Weder Taron Egerton und Eve Hewson gelingt es eine gewisse Chemie zwischen den zwei liebenden Figuren (Robin und Marian) auch nur im Ansatz hervorzurufen. In vielen Szenen fühlt sich das ziemlich aufgesetzt an und sorgt dafür, dass einem diese Lovestory nach knapp zwei Stunden komplett egal ist. Sie ist letztlich nur noch eine Grundlage für eine mögliche Fortsetzung, die aller Wahrscheinlichkeit niemals in die Produktion gehen wird. Und innerhalb der Story gibt es viele weitere Probleme:

 

Anspielungen und Referenzen die nicht zu Robin Hood passen

Was einem innerhalb des Films einem viel zu enorm in die Augen sticht sind die vielen Referenzen, die der 2019er Robin Hood verzweifelt versucht mit einzubinden. Das fängt an mit einer Kriegsszene, die aus einem Irak-Kriegsfilm stammen könnte, nur das hier mit Pfeil und Bogen geschossen wird. Un der absolute Hammer, negativ gesehen wohl bemerkt, sind MG-Armbrüste, die es vielleicht in einer harmloseren Form als s.g. Scipios gab, aber mit Sicherheit nicht mit dieser Schnelligkeit ihre tödlichen Geschosse abfeuerte. Es ist eine Montage die so gar nicht in die Szenerie eines Robin Hoods reinpassen will. Zudem geht der Kreuzzug auf dem sich Robin befindet, vermeintlich spurlos vorbei. Diesen Handlungsstrang hatte bspw. der 1991 Robin Hood mit Michael Keaton um einiges realistischer eingefangen, als im jetzigen Streifen. Und wo wir gerade bei Montage sind, geht es zugleich mit einer Anspielung auf die Rocky-Filme weiter. Denn wo ein riskanter Plan aufgestellt wird, braucht man schließlich auch hartes Training, um diesen in die Tat umzusetzen. Und dieses verkommt schon beinahe zu einem lächerlichen mittelalterlichen Fitness-Workout. Dieses bringt uns als Zuschauer vielleicht kurz zum Schmunzeln, aber es vermag ebenfalls nicht einen gewissen positiven Anreiz zu erzeugen.

 

Das einzige was als einigermaßen gelungene Referenz nachhaltig im Kopf hängen bleibt, ist das Aufhängen der Kapuze (Hood), die ähnlich wie bei Superheldenfilmen eine gewisse Art der Anerkennung zum Helden wiederspiegelt. In ein paar Szenen findet diese Referenz Platz und erzielt die gewünschte Wirkung, selbst wenn die Symbolik nicht so anspruchsvoll ist wie ein Batman-Logo am Himmel. Und wir sind natürlich noch nicht am Ende. Im Hauptteil mischt Robin Hood sogar Mittelalter mit Merkmalen oder Filmideen aus dem 20./21. Jahrhundert. Eigentlich klingt dieser Grundsatz ganz interessant, hätte man eventuell bessere Referenzen aus unserer heutigen Zeit verwendet, anstelle von einem Casino. Dies bildet wiederum die Grundlage für eine kurze Sequenz, die mit heutigen Heist-Movies, wie Oceans Eleven vergleichbar ist, aber wie die vorherigen Merkmale einfach nicht ganz in das bisher bekannte Bild von Robin Hood hinein passt. 

 

Bild: Robin Hood (Taron Egerton) während des Kreuzzugs. | © 2018 Studiocanal

 

Ben Mendelsohn ist überqualifiziert und der Rest einfach unter dem Durchschnitt

Ja, er ist eine echte Größe wenn es um Bösewichte geht. Ben Mendelsohn verkörperte u.a. in Filmen wie Ready Player One, Rogue One - A Star Wars Story und The Dark Knight Rises den Antagonisten. Und das immer mit einer gewissen Dominanz, die nicht jeder Darsteller für eine solche Rolle an den Tag legt. In Robin Hood ist seine Präsenz zwar in ähnlichem Maß vorhanden, ist aber größtenteils nicht wirklich etwas was sich von anderen Darstellungen hervorhebt. Er ist so böse, wie er es dem Drehbuch nach sein kann, demnach ist er für diesen Film tatsächlich ein wenig zu überqualifiziert, denn er kann es definitiv noch viel besser! Aber im Vergleich zum kompletten Cast ist er, derjenige der positiv in Erinnerung bleibt. Weder Taron Egerton (dem die Rolle zwar in gewisser Form auf den Leib geschnitten ist), noch Jamie Foxx bieten hier mehr an als möglich gewesen wäre. Es sind nahezu unterdurchschnittliche Leistungen, für die man in der Produktion wahnwitzige 100 Mio. US Dollar in den Sand gesetzt hat. Von Eve Hewsons Marian ganz zu Schweigen, denn diese Figur geht einem einfach nur auf die Nerven. 

 

Action und Humor haben einen gewissen Charme

Selbst wenn schon viel Negatives genannt wurde, gibt es dennoch (wenn auch rar gesät) erfreuliche Szenen. Denn bei aller Kritik, muss man zumindest die Action als einigermaßen gut gelungen anerkennen, trotz der viel zu häufigen eingesetzten Slow-Motion Effekte. Lobenswert hierbei ist, dass Taron Egerton ein für den Film und die Rolle des Robin Hood spezielles Workout durchlief und somit das wahnsinnig schnelle Nachladen beim Bogenschießen erlernte. Legolas (Herr Der Ringe), wäre Stolz auf diese Leistung. Und das Zusammenspiel zwischen Robin und seinem Freund John bietet ebenfalls einige witzige Lichtblicke an und lockert die im Grunde viel zu Ernst geschriebene Geschichte etwas auf. Vielleicht etwas mehr davon hätte den Film qualitativ etwas mehr Würze verliehen. Nun ja, das Gesamtbild fällt aber trotzdem weniger heroisch aus, als bei vorherigen Adaptionen.

 

Bild: Robin Hood (Taron Egerton) in seiner vollen Montur in der Neuverfilmung. | © 2018 Studiocanal

Fazit:

Die Neuauflage von Robin Hood ist an den Ideen der Producer aber sowas von gescheitert. Auch wenn die Idee, diese Legende in einer modernisierten Auflage neu zu erzählen, zumindest im Ansatz ein gewisses Interesse erzeugt, verkommt die 2019er Version zu einem krampfhaften Versuch ein weiteres Franchise in die Wege zu leiten. Aber aufgrund der Anspielungen die nicht funktionieren wollen, einem unterdurchschnittlichem Cast und einer reizlosen Geschichte ist das neue Abenteuer nur noch ein billiger Abklatsch, wo man sich hinterfragen muss warum dieser Film 100 Mio. US Dollar gekostet hat. Irgendwann sollte man auch den Stoff für legendäre Helden einfach mal ruhen lassen, bevor eine Ikone wie Robin Hood zu einer Witzfigur stilisiert. 

 

MCG-Raiting

3.0 Punkte

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