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"Scary Stories To Tell In The Dark": Wenn Geschichten wahr werden (REVIEW)

Halloween steht wieder vor der Tür. Da ist es natürlich kein Wunder, dass sämtliche Horrorfilme rund um den 31.10. für die Kino-Leinwände platziert werden. Mit dabei dieses Jahr ist der Teenie-Horrorfilm Scary Movies To Tell In The Dark mit weitestgehend relativ unbekannten Namen. Am Ende bleibt er ein Streifen, der beinahe zu einer Horror-Parodie ausartet

Lauer Gruselfaktor

Wer ein ordentliches Maß an Grusel für Halloween benötigt, der wird mit Scary Stories To Tell In The Dark zumindest durchschnittliche Kost bekommen. Der Film der mit einer Teenie-Gruppe startet, hat so seine Momente, die für diesen amerikanischen Feiertag, durchaus ihre Wirkung erzielen können. Jumpscares gibt es nicht in rauen Mengen, erfüllen aber, trotz ihrer hier weit ausgedehnten und übertriebenen Länge der einzelnen Schock-Szenen, ihren Zweck. Dennoch hat man selten das Gefühl sich vor den Monstern, die für den Film mit eher kleineren Mitteln ausgearbeitet wurden, wirklich zu gruseln. An manchen Stellen sind diese sogar, ohne zu übertreiben, einfach nur albern. Wenigstens ein paar mal gelingt es dem Film hier und da seinen Zuschauern das Fürchten zu lehren, wenn auch nicht mit dem angestrebten Erfolg. Der Oscar prämierte Regisseur Guillermo del Toro (u.a. Shape Of Water) drückt geringfügig dem Horror-Streifen seinen Stempel auf. Dies wird vor allem durch die erzählerische erste Hälfte des Films deutlich, da man hier sehr viele Erläuterungen einstreut. Manchmal sind diese, nüchtern betrachtet, (für einen Horrofilm) logisch, an manch anderer Stelle allerdings etwas zu daneben. Unabhängig von der eigentlichen Geschichte, deren Hintergrund durchaus einen interessanten Ansatz hat, gibt es für Grusel-Fans im Horror-Genre weitaus bessere Beispiele, als Scary Stories To Tell In The Dark. Das liegt vor allem auch daran, weil sich der Film viel zu oft an genau diesen Beispielen ausgiebig bedient.

Viel zu viele Horrorfilm-Klischees

Egal ob dunkle, heruntergekommene und düstere Villa/Schloss, ein geheimnisvolles Buch (aus dem man auf gar keinen Fall lesen sollte) oder die gängigste Praktik: eine Gruppe so aufzuteilen, dass stets eine Figur alleine umher streift. Diese Klischees kennen wir alle, weil man diese schon dutzende male gesehen und abgespeichert hat. Scary Stories To Tell In The Dark bedient sich nicht nur an einem dieser Klischees, nein, er verwendet sie alle! Und wenn hier die Rede von allen ist, dann ist das letztlich auch so gemeint. Nur absolut selten, bekommt man ein solches Beispiel eines Horrorfilms, der das ganze Repertoire der Horror-Filmklisches, so auszunutzen weiß wie hier. Für manche Zuschauer wirkt das zum Einen dahingehend störend, da man bereits zwei, drei Schritte vorausahnen kann, was da in der nächsten Szene auf einen zusteuern wird. Jegliche Spannung geht da, viel zu häufig, viel zu schnell, verloren. In vielen Momenten denken wir als Zuschauer einfach nur, wie dumm manche Figuren wieder handeln und sich dadurch in Gefahr bringen. Selbst wenn hier, mit Teenies, ohnehin die absolut irrwitzigste Altersgruppe für Protagonisten gewählt wurde, könnte man deutlich mehr von so einer Gruppe erwarten. Nachdenken ist doch Zeitverschwendung, lautet die praktische Devise im Film. Improvisation hin oder her, es wird dem Zuschauer viel zu sehr aufs Auge gedrückt, wie unbeholfen und dumm Figuren in diesem Horrofilm handeln. Und ironischerweise entsteht, vermutlich auch gerade dadurch, sehr häufig gute Unterhaltung.

Unterhaltsame Einzelgeschichten

Es wäre nicht nur hart zu sagen, dass der Film, trotz der vielen Klischees, nicht zu unterhalten vermag, sondern zeitgleich auch komplett falsch. Denn Scary Stories To Tell In The Drank, gelingt es, vielleicht sogar seinen klischeehaften Figuren und Geschichten geschuldet, ein gutes Maß an Unterhaltung an den Tag zu legen. Die Teenies tragen durch ihre sehr naive Haltung und plumpen Aktionen stark dazu bei. Hier versucht man nicht, mit aller Macht eine auf Teufel komm raus witzige Figur zu etablieren. Nein. Hier gelingt das nämlich auch! Merkt euch den von Austin Zajur gespielten Chuck. Der ist für einen Großteil der Gags, die überraschend gut mit der Handlung und vielen Horror-Elementen interagieren, verantwortlich und wird bestimmt auch euch (garantiert!!) viel zum Lachen bringen. Besonders dann, wenn seine Figur selbst in die Bredouille kommt, aber davon müsst ihr euch natürlich selbst ein Bild machen. Aber auch alle anderen, genau so mit Klischees überzogenen Figuren sind nicht nur sympatisch, sondern äußerst unterhaltsam. Zusätzliche Teenie-Probleme würzen die komplette Handlung mit einigen sehr nachvollziehbaren Referenzen ab, sodass die Figuren für den Zuschauer ab und an tiefgründiger werden, als in so manch anderem größeren Horrorfilm. 

Zusammenhalt, Freundschaft und eine Gruppe aus Außenseitern

Der Vergleich mag vielleicht etwas überzogen sein, doch der zusammengewürfelte Haufen aus Scary Stories To Tell In The Dark könnte man mit dem Club der Verlierer aus Es beinahe gleichsetzen. Auch hier folgt die Handlung einer Gruppe, die in ihrer Schule mehr die eigenartigen Außenseiter sind, dennoch auf sich Acht gibt und zusammenhält. Wenngleich nicht mit derselben emotionalen Tiefe, wie bei Es. Trotzdem erkennen wir hier in den Grundzügen dieser kleinen Gruppierung sehr gute Ansätze. Sie sind durch ihre Eigenart nicht die durchschnittlichen Schüler, die sehr beliebt sind. Sie haben keine besonders gehobene Stellung innerhalb ihrer Schule oder ihrer Gemeinde. Sie sind die typischen Außenseiter, die einem schnell auf der Leinwand ans Herz wachsen können. Hierdurch rücken Fehlende Spannung, die wirklich durchschnittliche Abhandlung und klischeehaften Horror-Sequenzen tatsächlich in den Hintergrund. Und am Ende lebt Scary Stories To Tell In The Dark auch von seinen eher ungewöhnlich und unbekannten Darstellern, deren Figuren vielleicht zu plump an die Sache ran gehen, aber definitiv nicht uninteressant, geschweige denn austauschbar erscheinen. Deutlicher formuliert: Hier wurde die richtige Besetzung gewählt!

Fazit:

Das Scary Stories To Tell In The Dark nicht auf einer Top-Liste von Horrofilmen zu finden sein wird, mag vielleicht schon im ersten Abschnitt klar geworden sein. Trotzdem kann man diesen doch sehr kleinen Vertreter (in seinem Genre) nicht zu den Schlechten zählen. Denn dafür gibt es einfach viel zu gute Unterhaltung die geboten wird. Diese ist sogar so ausgiebig, dass wir viele Klischees oder weniger spannungsgeladene Momente, ein deutlich geringeres Gewicht vergeben. Die hier dargestellte Gruppe trägt viel starkes zum Film bei und beweist, dass manche Teenie-Darsteller genauso gut überzeugen können, wie ältere Gardisten in der Filmbranche. Man ist vielleicht nicht begeistert, wenn man den Film gesehen hat, aber mit Sicherheit auch nicht enttäuscht.

MCG-Raiting

★★★★★

6.0 Punkte

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