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"Sentinelle": Der persönliche Rachefeldzug einer depressiven Soldatin! (REVIEW)

Netflix ballert zum Jahresanfang seinen Content wie wild hinaus. Leider gelang dabei, trotz durchaus interessanten Titeln bislang noch nicht der große Wurf. Lediglich der einverleibte Pieces Of A Woman hatte das Prädikat eines guten und soliden Films. Danach verfiel Netflix wieder in die gewohnte durchschnittliche Sparte, in welche nun auch der französische Action-Thriller Sentinelle gerutscht ist.

Sentinelle Film
Bild: Olga Kurylenko spielt "Klara". Eine Soldatin die nach Nizza versetzt wurde. | NETFLIX

Hauptfigur mit interessanter Geschichte

Zunächst sei mal gesagt, dass der Action-Thriller Sentinelle keine völlige Katastrophe ist. Das was den Film einen starken Rückhalt gibt ist vorderster Linie dessen Anfang. Klara, gespielt vom Bond-Girl Olga Kurylenko ("Ein Quantum Trost"), hat auf den ersten Blick deutlich mehr zu erzählen als wildes und sinnloses Rumgeballer. Nach einem blutigen Einsatz in Syrien wird sie versetzt und leidet danach unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Eine Krankheit, die vor allem häufig bei Soldaten diagnostiziert wird, da Tod und Gewalt ständig in deren Alltag zu finden ist. Viele Filme derselben Kategorie würden solche Dinge nur beiläufig erwähnen oder teilweise überhaupt nicht davon berichten. In diesem Netflix Blockbuster zählt diese psychische Belastung der Hauptfigur zum ersten Drittel des Films. By the way das beste vom gesamten Film. Man lernt schließlich mehr über die Protagonistin, was für einen knappen 80-Minüter, in dieser Fülle an Informationen zu ihrem Charakter, eigentlich ziemlich unüblich erscheint. Da das aber als Geschichte bzw. Plot für einen Action-Thriller mit dieser gekürzten Laufzeit wohl doch etwas wenig Hintergrund bietet, muss selbstverständlich ein schlimmes Ereignis die ganze Sache erst so richtig ins rollen bringen. In diesem Fall wird Klaras Schwester nach einer durchzechten Partynacht brutal verprügelt und anschließend vergewaltigt. Ein Verbrechen, welches die Hauptfigur des Films auf einen gnadenlosen Rachefeldzug schickt, welcher sich aber in weiten Teilen im Sande verläuft.

Kein Potenzial für einen starken Action-Thriller

Ein weitestgehend unbekannter Cast war dafür schon ein Anzeichen. Lediglich Olga Kurylenko ist ein bekanntes Gesicht. Die Schauspielerin konnte aber schon in zahlreichen Actionfilmen Erfahrungen sammeln. Dazu gehört u.a. der bereits erwähnte Ein Quantum Trost, aber auch ein Sci-Fi Thriller wie Oblivion und die Actionkomödie Johnny English 3. In den vergangen Jahren war sie zumeist in B-Movies zu sehen, die sich aber hauptsächlich im Action-Genre ansiedeln lassen. Dennoch fehlt neben ihr, als großem Aushängeschild, andere zumindest im Ansatz interessante Charaktere. Diese sind allerdings weder bei den familiären Figuren, wie Mutter und Schwester, als in der Vielzahl von Antagonisten zu finden. Und trotz manch gut aussehender Action-Sequenz verliert sich dieser Film in einem mehr als nur standardisierten Streifen, welche von Netflix in jüngster Zeit auf den Markt geworfen wurde. Leider kommt keiner der besagten Gegenspieler, in diesem Fall bspw. ein russischer Oligarch und seine Schergen, als ernsthafte Bedrohung rüber. Vielmehr wirkt auch diese (für Actionfilme wichtige) Komponente wie gängigstes Schema F. Das hat auch zu Folge das der Mittelteil weniger auf die Action an sich setzt, sondern vielmehr auf Exposition, welche im Endeffekt so oder so wenig markanten Input anbietet. Klara muss sich zwar, mehr als nur einmal mit allen erdenklichen Mitteln, den Weg freikämpfen, aber es kommt dabei relativ wenig Spannung auf. Spannung, die vor allem den Schlussakt noch etwas aufgewertet hätten.

Sentinelle Film
Bild: Klare (Olga Kurylenko) stellt nach einer Verfolgungsjagd einen Drogendealer. | NETFLIX

Abseits des Gesetzes

Das die Hauptfigur schnell darauf zusteuert einfach ihre eigene Agenda zu verfolgen, anstelle von strikten Befehlen ihrer Vorgesetzten zu hören, ist aufgrund der familiären Tragödie im Hauptteil absolut keine Überraschung. Um die Schuldigen zu finden muss eine andere Strategie her. Natürlich abseits des Gesetzes. Im Idealfall würde das dem Actionfilm noch ein wenig mehr Schub verpassen, aber genau hier verspielt man auch den letzten Funken Hoffnung an solider B-Movie Qualität. Das Problem sind hier nicht die Handlungen von der Figur selbst, sondern weitere recht eindimensionale und weniger gut dargestellte Nebenfiguren. Für die Protagonistin haben ihre eigenen, teils brutal vollführten "Ermittlungen, zunächst wenig Konsequenzen. Diese werden erst zum Ende hingegen offen gelegt, da sie ihr praktisch die Rückkehr in ein normales Leben verwehren. Und alles am Ende nur für einen Rachefeldzug, den man kilometerweit gegen den Wind riechen kann. Nach eineinhalb Stunden hat man nicht unbedingt das Gefühl, dass es sich hierbei um einen persönlichen Rachefeldzug handelt. Dafür hat Seninelle einfach zu wenig spannende Vibes vermittelt, die auf den Zuschauer übergreifen sollten. Es bleibt tatsächlich wenig davon im Kopf hängen, außer vielleicht der Gedanke, dass man doch besser auf Atomic Blonde mit Charlize Theron zurückgreifen muss, wenn man deutlich bessere Frauenpower in Action sehen will!

Fazit:

Ein klassischer Netflix-Blockbuster in der letzten Zeit. B-Movie Ware mit wenig Struktur und einem Plot den man schon eine Stunde danach aus dem Kopf streichen kann. Rachefeldzüge sind fast schon das A und O im Action-Genre. Zwar gibt es hier ebenfalls Elemente die zu Beginn für eine kleine Überraschung sprechen, aber der durchaus positive Start verpufft mit dem nachfolgenden Standard-Protokoll. Der Netflix-Actioner wurde heiß umworben mit Werbebotschaften wie "Liam Neeson kann einstecken!". Und am Ende darf man mit Fug und Recht behaupten, dass Sentinelle für einen soliden Actionfilm zu durchschnittlich und für einen guten Thriller zu uninteressant ist!

MCG-Raiting

★★★★

4.0 Punkte

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