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"Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings": Typisch Marvel und trotzdem erfrischend neu! (REVIEW)

Hat sich Marvel weiterentwickelt? Ja und nein! Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings führt die erste asiatische Hauptfigur in sein Universum ein. Ein garantiert unterhaltsamer Actionfilm im typischen Marvel-Bombast, aber auch vielen Facetten, die das MCU auch bereichern!


Filminfos:

Kinostart: 2. September 2021

Laufzeit: 132 Minuten

FSK: 12

Genre: Action/Superhelden

 

Regie: Destin Daniel Cretton

Cast: Simu Liu, Tony Leung Chiu-Wai, Awkafina und Fala Chen

Story:

Shang-Chi (Simu Liu) wächst als Sohn eines chinesischen Geschäftsmannes und einer amerikanischen Mutter in einem abgelegenen Anwesen in China auf. Abgeschnitten von der Außenwelt, kann der Junge nicht behaupten, dass seine Kindheit nach normalen Regeln verlief. Von seinem Vater Wenwu (Tony Leung) erhält Shang-Chi jahrelang intensives Kampfsporttraining, bei dem er erstaunliche Martial-Arts-Fähigkeiten entwickelt. Erst Jahre später erfährt er den Grund, warum er der harten Ausbildung folgen musste...



"Shang-Chi" ist Action auf neuem Level im MCU!

Im erfolgreichsten Filmuniversum der Geschichte hatten wir schon allerhand Action auf der Leinwand gesehen. Alien-Invasionen, Götterkämpfe und zuletzt sogar Spionage-Thrill in Black Widow! Shang-Chi bringt Martial-Arts in das MCU und das ist mehr als nur eine erfrischende Innovation für diese Filmreihe. Das erste Drittel ist Action auf einem neuen, weitaus unterhaltsameren Level, als man bislang in Filmen wie bei den Avengers, Iron Man oder den Guardians gesehen hat. Es fühlt sich nach etwas komplett anderem an! Dabei erfindet man mit den Fights zwar nicht das Rad neu, setzt aber vor allem zu Beginn auf eine Marvel untypische Kampforgie abseits von klischeehaften großen Bildern, was dem Spaßfaktor aber keinesfalls minimiert! Schnitte bleiben zunächst rar, was den einzelnen Kampfszenen enorm gut tut. Auch bei den visuellen Effekten spart man zunächst. Die finden vor allem im finalen Drittel wieder große Anwendung und sorgen letztlich doch für den allseits gängigen Marvel-Bombast! Was dem neuen Marvel-Blockbuster definitiv zu Gute kommt sind zahlreiche Schauspieler mit Kampfsporterfahrung: Dazu zählt eben in erster Linie Hauptdarsteller Simu Liu, der neben seiner Tätigkeit als Stuntman auch in Kampfkünste wie Taekwando und Wing-Chun Erfahrungen vorweisen kann. Aber auch sein großer Gegenpart im Film, sein Vater oder besser gesagt der richtige "Mandarin" gespielt von Tony Leung hat sich in vielen anderen Martial-Arts Filmen Kampfsportarten wie bspw. Kung-Fu angeeignet. Andere Nebendarsteller wie Michelle Yeoh, Meng´er Zhang oder Fala Chen haben teilweise speziell für diesen Film, oder in vergangen Projekten irgendeine Form des Kampfsports intensiv trainiert. Der Cast hat es also trotz weniger bekannter Namen in Hollywood vor allem kämpferisch in sich und trägt maßgeblich zum Erfolg des Filmes bei. Die Kämpfe sind intensiv geführt und teilweise sogar künstlerisch so in Szene gesetzt, dass man kurzweilig denkt man sehe einen vollkommen anderen Film und kein Marvel-Blockbuster. Eine Eigenschaft, die man bisweilen selten in diesem Filmuniversum antrifft.

Marvel ist und bleibt Marvel!

Auch wenn man das Gefühl hat hier einen etwas eigenständigeren Solo-Superheldenfilm zu sehen, kann man es bei Marvel natürlich nicht lassen, einige Querverweise zu anderen MCU-Filmen zu integrieren. Allerdings fällt das bei Shang-Chi weniger auf, als bei seinen Artgenossen. Der deutlichste Querverweis ist natürlich der Fake-Mandarin, den Ben Kingsley bereits in Iron Man 3 verkörpern durfte. Kingsley ist natürlich auch für den ein oder anderen Gag nicht zu schade. Alle anderen Verbindungen zum MCU streut der Film weit über seine Laufzeit als kleine Häppchen, ohne dabei großartig aufzufallen. Er weiß genau was er sein will: Eine eigenständige Story, losgelöst von allem was wir bereits kennen. Dennoch ist Shang-Chi vor allem im Schlussakt wieder das absolut klassische aller Marvel-Fallbeispiele. Irgendwann verfällt jeder MCU-Film in dieses Schema zurück! Es ist wieder dieser oftmals übertriebene CGI-Overkill, der auf der Leinwand zwar immer noch gut aussieht, aber diesen Actionfilm dann doch etwas zu sehr überlädt. Aber das Problem kennen wir ja bereits. Letztlich rezitiert sich der Film in einer Szene kurz vor Schluss selbst, indem er das Geschehene sogar ein wenig aufs Korn nimmt. Apropo Humor: Ein ebenfalls klassischer Sidekick darf bei Marvel natürlich auch nicht fehlen. In Shang-Chi übernimmt das die in den USA sehr beliebte Awkwafina, die ohnehin ein Fabel für abgefahrene Rollen hat. Als Katy gehört sie wahrscheinlich zu den witzigsten Filmfiguren des gesamten MCU. Sie hat wirklich zahlreiche Gags im petto und wirkt dabei weder zu übertrieben noch unauthentisch. Sidekicks waren im Marvel Cinematic Universe nicht immer Glücksgriffe (siehe Darcey Lewis in den Thor-Filmen), hier allerdings schon. Bei weiteren Nebenrollen gibt es wie so oft große Schwankungen, denn da gibt es auch hier sowohl sehr überflüssige Figuren wie ein Razorfist (Florian Munteanu), als auch welche mit interessantem Background wie die Schwester Xialing (Meng´er Zhang). Auch das könnte man, wenn man böse ist, als ein typisches Marvel-Klischee bezeichnen.

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings Bild
Bild: Simu Liu wird als Shang-Chi neu ins Marvel Cinematic Universe eingeführt. | Marvel Studios/Disney

Mein Vater, der Bösewicht! Oder auch nicht?

In Sachen Antagonisten hatte sich Marvel die Jahre über äußerst schwer getan! Da gab es doch relativ häufig ziemlich vergessenwertes Material, was das betrifft. Loki und Thanos mal ausgenommen. Erst in den letzten Jahren gelang es hier und da mit dem bösen Gegenpart zu überraschen. Black Panther gelang es mit einem zutiefst zerrissenen mit Motiven überladenen Killmonger nahezu am Besten. Zu gut durchdachten Bösewichten zählen u.a. auch ein Winter Soldier in The Return of the First Avenger und ein Adrian Toomes in Spider-Man: Homecoming! Der aktuellste aller Bösewichten des MCU ist Wenwu (Tony Leung) alias "der Mandarin" alias der Vater von Shang-Chi! Ihm wird ebenfalls ein starkes Motiv für sein Handeln zu Grunde gelegt, welches man in weiten Teilen menschlich betrachtet, auch absolut nachvollziehen kann. Zudem hat seine Figur sowohl eine einschüchternde Seite, als auch eine die mit väterlicher Fürsorge einhergeht. Wenwu entspricht nicht der typischen Standardformel eines Bösewichts, was ihn umso interessanter macht. Zudem erhält gerade er, deutlich mehr Aufmerksamkeit, als man sonst für einen Gegenpart einräumen würde. Das ist schon fast so auffällig, dass er zum eigentlichen Herzstück des Films mutiert. Tony Leung spielt sich mit seiner Perfomance als Marvel-Schurke tatsächlich ins Gedächtnis des Zuschauers und auch das ist eher eine Seltenheit im MCU! Vielleicht hat man gerade in diesem Punkt endlich verstanden wie der Hase läuft. Kein Bedürfnis die einfachen Klischees zu bedienen, sondern endlich mal mehr Mut für komplexe und vielschichtige Charaktere aufbringen. Das macht Laune auf mehr und zeigt vor allem, dass das MCU noch immer nicht am Ende seiner Kräfte ist.


Fazit:

Ein Shang-Chi ist nichts gänzlich Neues, aber in gewisser Form der frische Wind der dem MCU jetzt gut tut. Top Action und tolle Perfomances von Simu Liu und Tony Leung heben einen als ursprünglich soliden geglaubten Superheldenfilm in überraschende Höhen. Martial-Arts wurde in das Filmuniversum integriert, wohl wissend, dass man hier nichts bahnbrechendes zu erwarten hat. Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings ist hervorragendes Actionkino, mit neuen Seiten eines klassischen MCU-Blockbusters, mit denen man so nicht rechnen konnte.

MCG-Raiting

★★★★★★★★★

7.0 Punkte


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