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"Shazam": Eine enorme Verbesserung für das DCEU (REVIEW)

Es ist der insgesamt siebte Film des bislang so stark kritisierten DC Extended Universe, dass bereits zu seinem Auftakt erhebliche Startschwierigkeiten aufwies. Zu düster, zu drüber und in vielerlei Hinsicht zu versteift wirkten die aktuelle DC-Superhelden-Clique rund um Batman und Superman auf das Publikum. Mit Aquaman tat das angeschlagene Filmuniversum einen sehr wichtigen Schritt und Shazam führt das DCEU endgültig zurück auf die positive Seite. 

 

"Shazam" hat die richtigen Schauspieler gefunden

Mit Zachary Levi als überproportionale und unreifer Superheld mit null Plan über seine Fähigkeiten hat der Film im Grunde die perfekte Besetzung gefunden. Der jugendliche Leichtsinn steht seiner Person enorm gut, und wenn wir mal ehrlich sind in einer gewisser Form auch ins Gesicht geschrieben. Seine Figur, ein großer Tollpatsch mit Superkräften, fügt sich, trotz seines lächerlichen Kostüms, mühelos in die Gesellschaft ein und setzt sich dabei so gut in Szene, dass er, wie man es heute so oder so annehmen mag, die sozialen Netzwerke trendet. Genau so kann man sich das vorstellen, wenn in unserer heutigen Zeit ein Mensch mit übermenschlichen Kräften auf den Plan tritt. Shazam wird, und wie kann es anders sein, im Film zum Hit auf YouTube und nutzt das letztlich auch gnadenlos aus. Für einen Jugendlichen, der er eigentlich ist, und durch den 16-jährigen Asher Angel einen ebenso hervorragenden Darsteller gefunden hat, sind seine Anfänge so naiv und unerfahren wie es nur geht. Dieser Punkt gibt der Handlung einen so realistischen Fortgang, wie wir es aus sieben Jahren des DCEU bislang noch nicht kannten. Zuvor schien jeder Superheld aus dem Franchise sich mit einer unangenehmer Leichtigkeit weiterzuentwickeln, was einige der Filme am Ende eine sehr matte Nachwirkung gab. 

Und wechseln wir zurück auf die böse Seite. Dort haben wir mit Mark Strong als Dr. Sivana einen sehr engagierten Darsteller, der seiner Figur seinen ganz eigenen Stempel aufdrückt, so lange es die Geschichte letztlich zulässt. Denn nicht alles an dem neuen DC-Bösewicht kann im Nachhinein gefallen. Aber allein von dessen Erscheinung ist die Comic-Vorlage überraschend gut getroffen. Und Mark Strongs Erscheinung als Bösewicht passt wie die Faust aufs Auge.

Bild: Shazam (r., Zachary Levi) trifft zum ersten Mal auf Dr. Sivana (Mark Strong) | © 2000-2018 Warner Bros.

Familiendrama als brisanter Nebenstrang

Das typische Superhelden-Abenteuer dreht sich vorwiegend um den Kampf Gut-gegen-Böse. Klar, auch auf Shazam trifft dieses Merkmal zu, doch verbindet er dies sehr geschickt mit der familiären Problematik die der Film mit sich trägt. Was man nicht vergessen darf: Der 14-jährige Billy Batson wird von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weiter geschickt ohne sich irgendwo heimisch zu fühlen. Ein Ereignis aus seiner Kindheit hat seinen gesamten Charakter geprägt und erst bei der Familie Vasquez, die sich aus anderen elternlosen Kindern zusammensetzt, wird Billy fündig. Doch seine Suche nach der verlorenen Mutter verleiht diesem Handlungsstrang eine gute emotionale Tiefe. Auf Billys Suche seiner leiblichen Mutter bringt er ungewollt seine neue Familie in Gefahr, die er nach und nach zu schätzen gelernt hat. Und so kurios das klingt, die Figur des Antagonisten hat einige sehr interessante Parallelen zu Billy Batson. Mit der Geschichte des Antagonisten startet sogar der Film, was auch nicht gerade stilistisch zu einer Origin-Story passt. Aber im Endeffekt fügt sie sich passend in die Rahmenhandlung ein. Shazam verfügt also in kleinen Teilen über eine Theatralik, wie man sie vielleicht nur aus dem ersten Spider-Man wieder erkennen kann. 

 

Die richtige Balance aus Witz und Ernsthaftigkeit

Die Kernthematik, wie sich ein Superheld mit der Erforschung seiner Kräfte beschäftigt, schenkt Shazam die größte Aufmerksamkeit. Dabei entstehen viele - manchmal passend, manchmal unpassende - Momente in dem den Zuschauer vor Auge geführt wird, wie lustig das sein kann. Jugendlicher Leichtsinn fließt hierbei mit ein, was oftmals sehr witzig ist, aber für ein junges Publikum eventuell etwas ungeeignet zu sein scheint. Die Rede ist u.a. von vorsätzlichem Anzünden eines Menschen bis hin zur schweren Körperverletzung. Aber gut es ist ja nur ein Superheldenfilm und der Held des Films ist nun mal kugel- und feuersicher. Und ja, Jugendliche gehen schonmal an Grenzen jenseits von Gut und Böse (wer kennt das nicht), aber es so offensichtlich darzustellen, hinterlässt, wenn man es mal gründlicher hinterfragt, einen faden Beigeschmack. Doch es entlockt den Zuschauern viel herzhaftes Gelächter, welches beim Anschauen des Films natürlich erstmal nicht schwer fällt. 

Doch wer jetzt denkt, dass Shazam ein rein komödiantisches Superhelden-Abenteuer ist, liegt ebenfalls nicht ganz richtig. Denn abseits der sehr amüsanten Superkräfte-Tests bleibt Shazam, wenn es denn die Handlung vorgibt, auch ernst. Hin und wieder schleicht sich zwar ein netter Gag ein, doch wenn die Action losgeht bleibt es grundlegend auch bei den Kämpfen. Zumal auch nicht jeder, der reingeworfenen Sprüche vollends ankommen will. Sobald der Bösewicht mit von der Partie ist, und es wortwörtlich ums Ganze geht, konzentriert sich Shazam eben nur da drauf. Somit weißt der neue Superheldenfilm auch eine gelungene Balance aus Witz und Ernsthaftigkeit auf.

Bild: Freddy Freeman (Jack Dylan Grazer) und Billy Batson (Asher Angel) in seiner eigentlichen Erscheinung. | © 2000-2018 Warner Bros.

"Shazam" versucht in seinem ersten Film zu viel

Der neue DC-Superheld bekommt laut aktuellen Nachrichten ja ohnehin schon einen zweiten Teil. Seine erste Geschichte, die wir momentan im Kino zu sehen bekommen, bleibt nicht so unbeschwert, als sie eigentlich sollte. Shazam beschränkt sich leider nicht auf den Kampf gegen Dr. Sivana. Es ist zwar richtig den Ursprung der Superkräfte in gesundem Maße zu beleuchten, doch wagt das erste Abenteuer des unreifen Helden, am Ende für meine  Geschmack doch etwas zu viel. Die Kräfte die dem Antagonisten zu Verfügung stehen, erscheinen des Öfteren allein schon von den Effekten etwas zu künstlich geraten. Innerhalb der Kämpfe, wird das leider auch nicht besser, vielmehr lässt es das sonst so üppige Szenenbild im Film viel zu übertrieben aussehen. Und auch wenn Mark Strong als Darsteller alles notwendige tut, seine Figur hat trotz allem auch die simpelsten Motive, wie man sie sich nur ausmalen kann und dennoch erhält gerade er auch nach dem Ende noch seinen Auftritt, den wir an dieser Stelle natürlich nicht erwähnen können. Aber dafür, dass wir in den zweieinhalb Stunden bis auf wenige Ausnahmen einen absoluten 0815-Antagonisten zu Gesicht bekommen, mag das nicht ganz ins Gesamtbild hineinpassen. Shazam nutzt im Endkampf sogar die Chance seine eigene Welt in erheblichen Maße auszubauen. Und in gewisser Weiße führt uns der Film auch mit kurzen Sequenzen auf diesen Weg, doch verlässt er dabei seinen einzigartigen Ursprung, der ihm eben jenem Charme verliehen hat. Es ist ein Ereignis das zwar in den Comics in ähnlicher Form auftritt, aber locker in die Fortsetzung noch hätte reinpassen können. Es ist eben, dieser kleine Ticken zu viel.

 

Fazit:

Shazam ist am Ende eine geglückte Abwechslung zur vorherigen Tonalität der DCEU-Filme. Themen, die bislang eher im Hintergrund ihre kurzzeitigen Auftritt inne hatten, sind hier sogar ein Element, dass die Handlung beeinflusst. Ohne gleich maßlos zu werden, ist das neue Superheldenabenteuer amüsant und in selber Konsistenz auch ernst geblieben. Eine reine Komödie bleibt aus, was dem Film enorm gut tut. Zudem hat man mit den Zachary Levi, Asher Angel und Mark Strong leistungsstarke Darsteller, die das Gesamtbild enorm gut abrunden. Doch findet Shazam, bei all seiner Konsequenz, nicht den richtigen Schlussstrich. Für das erste Abenteuer des neuen Helden versuchen die Macher zu viel und schließen die recht simpel gehaltene Geschichte viel zu imposant und gewaltig ab. Dennoch ist  Shazam ein erfreuliches DC-Abenteuer, von welchem wir als Zuschauer, definitiv mehr sehen wollen.

MCG-Raiting

★★★★★★

7.5 Punkte

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