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"Zack Snyders Justice League": Die lang ersehnte Wiedergutmachung! (REVIEW)

Die Justice League 2017 hatte die Hoffnungen auf eine fähige Konkurrenz zu Marvel gewaltig gedämpft. Die Kritik nahm so krasse Züge an, dass sich eine ganze Fanbase zusammentat um für die Originalfassung eines Films zu kämpfen, die praktisch über den Haufen geworfen wurde. Das Resultat ist die diesjährige Neuauflage von Zack Snyder, der damals aus dem Projekt ausschied. Doch wurde der Film den in den letzten Wochen aufgebaute Hype gerecht oder steht erneut eine Enttäuschung bevor? 

Zack Snyders Justice League
Bild: Schon einmal erfolglos im Kino angelaufen. Die "Justice League" ist zurück! | Warner Bros (HBO Max)

Das DC-Superheldenepos das man 2017 erwartet hatte!

Nachdem man in 2017 den ersten Versuch startete, bei dem Zack Snyder aufgrund einer familiären Tragödie von seinem Herzensprojekt ausstieg, kommt vier Jahre später die lang ersehnte Originalfassung inklusive Zusatz! Avengers-Regisseur Joss Whedon stellte die damalige Kinofassung zu Ende und kreierte dabei leider einen phänomenalen Flop. Sowohl Qualitativ, als auch finanziell an den Kinokassen! Der erste Film der Justice League wurde förmlich von allen, seien es eingefleischte DC-Fans oder etablierte Filmkritiker, in der Luft zerrissen. Gegenwind ohne Ende und kaum positives Feedback. Kein Wunder also, dass in der gigantischen Fanbase Stimmen lauter wurden den originalen Cut zu veröffentlichen. Corona machte einer Veröffentlichung in den Kinos einen Strich durch die Rechnung, sodass der Snyder Cut nur via Stream ins Heimkino kommt. Hierzulande erstmal nur bei Sky, später dann zum Leihen/Kaufen und noch ein wenig später als Blu-Ray! Es blieb auch ordentlich viel Material aus dem ursprünglichen Film übrig. Einigen Quellen zufolge soll Whedon lediglich 10 bis 20 Prozent davon in seiner Version genutzt haben. Jetzt bekommen wir also den Film geboten, auf den wir uns eigentlich schon in 2017 so gefreut haben. Damals wurden die Erwartungen schwer enttäuscht und viele Herzen treuer DC-Fans gebrochen. Jetzt ist die Zeit für Wiedergutmachung und eines steht schon nach den ersten Minuten fest: Zack Snyder´s Justice League ist das Superheldenepos, welches DC bislang komplett fehlte! 

Ein Unterschied wie Tag und Nacht!

Das Zack Snyder hier sein Herzensprojekt endlich in voller Größe erschafft, merkt man bereits von Sekunde eins an. Seine Geschichte lässt sich auf dringend benötigte Atempausen ein und präsentiert uns eine überwältigende Liebe zu seinen erschaffenen DC-Filmfiguren, welche in Whedons Version schon von Beginn an fehlte. Egal ob Batman, Wonder Woman oder Superman! Zu all diesen Superhelden baut Snyder eine Rahmenhandlung auf, die zwar viel Exposition verlangt, aber gleichzeitig den Zuschauer in seinen Bann zieht. Trotzdem sollte man sich als potenzieller Betrachter dieses Filmes bewusst sein, dass hier Vorwissen aus dem ganzen Franchise von Nöten ist. Wer also noch keine Bekanntschaft mit dem DCEU gemacht hat, wird nicht unbedingt Spaß an diesem Spektakel haben, geschweige denn sich als Teil davon fühlen. Es ist eben auch eine Antwort an die unzufriedenen Fans, die dafür lange gekämpft haben um dieses Projekt endlich sehen zu können. Deren Wünsche werden zum Besten bedient und Snyders Vision eines Superheldenfilms ist Fan-Service der Superlative! Nicht nur bekommt man fast schon eine vollkommen andere Stimmungslage zu spüren. Die aktuelle Version ist um einiges düsterer, als sie 2017 je hätte werden können. Und zudem ist hier die Ernsthaftigkeit der Geschichte, mit weitaus höherer Tragweite, viel greifbarer umgesetzt. Zwar streuen sich hier und da ein paar plumpe Dialoge mit ein, sind aber weiß Gott nicht so störend wie noch damals bei der Kinofassung. Die Geschichte besitzt eine ungeahnt souveräne Struktur und packende Atmosphäre. Also praktisch genau die Punkte welche Whedons Justice League so schmerzlich vermissen lies. Das Ganze wird abgerundet durch ein einzigartiges 4:3 Format, welche ebenso der Feder von Zack Snyders Interpretation von Superhelden ("groß und gottgleich") entspringt, und einer abgeschwächten Farbexplosion! Weniger bombastisches Rot oder Gelb. Dafür mehr dunkle Farben die der Story deutlich mehr Emotion verleihen. Ein sprichwörtlicher Unterschied wie Tag und Nacht!

Zack Snyders Justice League
Bild: DCs Oberschurke "Darkseid" spielt im Hintergrund ist aber im Film omnipräsent. | Warner Bros (HBO Max)

Die Liebe zu Superhelden und Schurken!

Keine Frage, die Verkörperung des Bösewichts Steppenwolf in 2017 war schwach, ärgerlich und offenbarte schnell die Schwächen des Films. 2021 wertet man diese Figur nicht nur in erheblichem Maße  auf, sondern präsentiert uns auch gleich den Oberschurken Darkseid himself und dessen finsteren Plan. Auf eben jenen wartete man zuvor vergeblich. Sein Auftritt wurde für das Kino rausgestrichen und auf ein mögliches Sequel (welches so wahrscheinlich nun nie kommen wird) verschoben. Schade, denn der Snyder Cut zeigt nun wie man diesen Bösewicht aller Bösewichte im DC-Universum in einem Film hätte etablieren könnte. Ohne viel Screentime ist seine Präsenz all umfassen. Ähnlich wie das Marvel bereits ein Jahrzehnt lang in deren Infinity War Saga nach und nach aufgebaut hatte. Vor allem sein Scherge Steppenwolf beweist in der neuen Version viel mehr Charakter und wird deutlich mehr ernst genommen. Ja, er wirkt sogar teilweise ziemlich furchteinflößend. Deren Gegenspieler, unsere DC-Helden bekamen ebenfalls eine spürbare Aufwertung. Die haben deutlich mehr Tiefe, was wiederum viele zusätzliche Minuten verlangt und den Film so erheblich in die Länge zieht. Und trotzdem kommt es einem so vor als würde die Zeit wie im Flug vergehen. Jeder wirklich jeder Superheld erhält seine Screentime! Wir erfahren von all ihren Motive, ihrem Hintergrund, ja sogar ihren Ängsten oder Alpträumen. Nicht umsonst teaserte man im Promo-Material die überaus spannende Nightmare-Sequenz, wie man sie bereits aus Batman V Superman kennt. Beim Snyder Cut erhält man eine weiteren, recht interessanten, Einblick in diese. Es kommt keiner der Helden zu kurz. Natürlich stehen die drei wichtigsten: Superman, Batman und Wonder Woman zwar im Vordergrund, die neue Version hat aber seine Helden der zweiten Reihe also Cyborg, The Flash und Aquaman ebenso viel Reize angeboten, dass deren Darstellung ebenfalls um ein vielfaches verbessert wurde. Sowohl Superhelden als auch die Schurken punkten in hohem Maße. Gibt es dennoch was zu bemängeln? 

Abzug in der B-Note

2021 ist nicht gleich 2017. An vielen Stellen ist die "neue" Justice League um mehrere Nasenlängen voraus. Worin sie sich jedoch nicht erheblich verbessern konnte ist der überdimensionale CGI-Overkill! Den musste ich schon 2017 kritisieren und auch 2021 bleibt dieser die Kritik nicht erspart. Wir sehen zwar kleinere Verbesserungen wie, in erster Linie, das Design von Steppenwolf. Allgemein allerdings bleibt es bei einem bombastischen Effektmassaker in etwas abgewandelter Form (weniger hell, mehr dunkel). Ein Batman V. Superman ist es nicht, keine Sorge. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass auch der Snyder Cut in seinen fast vier Stunden durch dessen Überstrapazierung von visuellen Effekten auf Dauer ziemlich anstrengend sein kann. Eine kleine Pause zwischendurch kann dabei nicht schaden. Nicht auszumalen, wie diese Version in 16:9 letztlich gewirkt hätte. Hinzu kommen diese absolut unnötigen Slow-Motions. Diese sind nach wie vor extrem nervig und reißen in deren Hülle und Fülle einen derart aus der Szenerie, dass einem zwischendurch der Spaß am Film verloren geht. Ich finde das ziemlich ärgerlich. Lediglich die Flash-Szenen nehme ich da raus, denn da sind diese Effekte die Darstellung einer Superkraft und damit praktisch unumgänglich. Trotzdem folgen solche Szenen immer wieder und ich frage mich was will man damit bitte heutzutage überhaupt noch aussagen? Aber im Endeffekt kein gravierender Schaden, sondern nur Mangel die der Snyder Cut eben nicht verbessern konnte. Hinderlich ist für kurze Zeit auch die Einleitung, sprich der Aufbau dieses Superheldenfilms. Für kurze Zeit kam es mir so vor, als würde mich der Film verlieren. Eine kurze Sequenz gleich zu Beginn von Justice League, wo tatsächlich ein wenig das Interesse verloren ging. Lag vielleicht auch daran, dass die erste Dreiviertelstunde im Endeffekt nicht viel neues Material angeboten hat. In diesen Minuten passiert nicht erheblich viel Neues. An dieser Stelle sieht es fast 1:1 wie die vorangegangene Version aus, nur mit einigen Abwandlungen. Die großen Unterschiede dieser beiden Cuts fallen einem erst zu einem späteren Zeitpunkt auf.

Fazit:

Es ist genau das was die Justice League schon immer hätte sein sollen. Ein Gegenentwurf zu Marvels Avengers-Filmen. Ich weiß man will nicht unbedingt vergleichen, aber Zack Snyders Version ist es tatsächlich gelungen einen ähnlichen hohen Unterhaltungswert anzubieten wie der große Superheldenclash des konkurrierenden Filmstudios! Das ist doch schon mal ein Fortschritt. Apropo Fortschritt: In nahezu allen Belangen ist der Snyder Cut jene Wiedergutmachung auf welche zahllose Fans so lange gewartet haben. Dieser Film ist um Längen besser als die Kinofassung aus 2017. Sie hat eine fesselnde Geschichte, bessere Darstellung seiner wichtigsten Figuren und bietet unschätzbaren Fan-Service der bestmöglichsten Art. Zack Snyder hat sein Versprechen gehalten! Dieser Film ist etwas komplett anderes und der Epos der diese Zusammenführung der DC-Helden schon immer hätte sein sollen, auch wenn es einige Abzüge in der B-Note gibt!

MCG-Raiting

★★★★

7.5 Punkte

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