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"Songbird": So langweilig wie ein Lockdown! (REVIEW)

Die Pandemie ist noch nicht einmal über die zweite Welle hinweg, schon folgen die ersten Filme über Covid! Das Amazon Exlusive Songbird beschreibt ein noch viel schlimmeres Szenario, als wir das momentan auf der Welt erleben. Hier hat das Virus weite Teile der Bevölkerung ausgelöscht und mutierte zu einem echten Killer. In dieser fiktiven Geschichte leben die Menschen seit Jahren in einem harten Lockdown. Als hätte man nicht schon genug von diesem Thema in unserer aktuellen Zeit!

Songbird Filmbild
Bild: Nico (K.J. Apa) ist einer der wenigen Glücklichen die sich im Freien aufhalten dürfen. | LEONINE

Eine lahme Lockdown-Romanze!

Die Geschichte wird aus der Sicht eines Pärchen erzählt, welches räumlich voneinander getrennt leben muss. Körperliche Nähe ist kaum denkbar, trotz der Tatsache, dass Nico (K.J. Apa) einer der wenigen Glücklichen ist, die eine Immunität gegen das mutierte Virus entwickelt haben. Seine Freundin Sara (Sofia Carson) hat weniger Glück und ist dazu verdammt den lieben langen Tag in ihren vier Wänden zu hausen. Das hat jedoch fast gar keine Auswirkungen auf ihre Gefühle. Sie sind verliebt wie am ersten Tag, auch wenn sie sich lediglich durch Kameras oder über das Smartphone sehen können. Die Hoffnung auf eine baldige Zukunft beschränkt sich immer wieder auf das Wort "irgendwann". Irgendwann wird es wieder normal sein. Eine ermüdende Floskel, welche zu unserem Bedauern sogar eine kleine Referenz an die derzeitige Lage in 2021 ist. Natürlich sind wir Meilen davon entfernt ein ähnliches Szenario wie bei Songbird zu erleben, aber im krassen Gegensatz zum Film gibt es in unserer Gegenwart mit einem Impfstoff immerhin Hoffnung auf Besserung. Der Thriller will eben jenes Gefühl der Hoffnung zu Beginn weit hinten anstellen. Es geht hauptsächlich um die Liebesgeschichte der beiden Hauptfiguren und die ist gelinde gesagt ziemlich öde, überschaubar und das komplette Gegenteil von Romantik. Hinzu kommen weitere Plots, die mit uninteressanten Nebenfiguren geschmückt sind. 

Bekannte Namen und wenig Qualität

Wer Songbird auf Prime Video eines Blickes würdigt, wird feststellen, dass hier ein paar bekannte Gesichter dabei sind. Neben dem Shootingstar K.J. Apa und Sofia Carson sind u.a. auch Demi Moore, Alexandra Daddario, Bradley Whitford, Peter Stormare und Craig Robinson in Nebenrollen zu sehen. In Hollywood keine unbeschriebenen Blätter und dennoch spielen die meisten auf dieser Liste recht generische Figuren. Zwar mag ein Peter Stormare mit seiner Erscheinung stets den typischen Bad Guy verkörpern. Hier jedoch ist er weniger überzeugend, als noch in anderen Filmen wie bspw. in Minority Report oder Bad Guys 2. Das liegt aber nicht zwangsweise an ihm selbst, sondern an seiner schlichten Figur. Noch eine Spur darunter ist aber Whitfords Charakter William Griffin. Der spielt einen skrupellosen Geschäftsmann, der seinen Einfluss für alle erdenklichen Tätigkeiten (welche auch nicht erlaubt sind, wegen Infektionsgefahr) ausnutzt. Seine Machenschaften spielen am Ende ebenfalls eine Rolle und man fragt sich am Ende tatsächlich, warum man diesen zusätzlichen Nebenplot mit dieser Figur unbedingt einbinden musste. Das diese Figuren unsympathisch sein sollen ist natürlich klar, aber es macht einen riesigen Unterschied, ob diese mit einer gut dosierten Menge an Hintergründen/Motiven vorgestellt werden oder es sich um absolut eindimensionale Portraits handelt. Letzteres ist hier der Fall! Es wird auch nicht wirklich der Eindruck vermittelt, dass die Nebenfiguren vier Jahre Lockdown hinter sich haben. Richtig überzeugend kommt das von keinem dieser Schauspieler rüber. Lediglich die beiden Hauptdarsteller nehme ich da raus! Die sind in dieser Fülle an bekannten Namen am Ende das einzige Highlight in einem (freundlich ausgedrückt) durchwachsenen Cast.

Songbird Filmbild
Bild: Wer sich infiziert wird ins Quarantänelager gebracht und da ist jedes Mittel recht. | LEONINE

Der erste große Corona-Thriller ist einfach nur öder

Es mag zwar ziemlich gespenstisch sein, wenn man die Hintergründe zur Produktion kennt. Schließlich wurde Songbird während des ersten harten Lockdowns in Los Angeles gedreht. Da stellt sich mir zudem die Frage, wie das vor allem moralisch vertretbar ist. Die Bevölkerung durfte praktisch nicht vor die Tür, während die Crew des Filmes (unter Auflagen) ihrer Tätigkeit ohne weiteres nachkommen konnte. Wenn dabei ein ordentlicher Virus-Thriller rausgekommen wäre okay, aber das ist hier leider nicht der Fall. Trotz einem knappen 90-Minüter ist die Story teilweise so lahm gestaltet, dass einem die Augen relativ schnell zufallen. Also genauso langweilig wie die aktuelle Lockdown-Situation in Deutschland. Mit dem großen Unterschied einer weitaus harmloseren Realität als in der Fiktion. Von einem Thriller kann man definitiv mehr Unterhaltung verlangen. Gerade bei Filmen die sich um ein tödliches bzw. ansteckendes Virus drehen, sollte der  Zuschauer gefesselt oder gar interessiert drein blicken. Songbird nimmt erst (viel zu spät) in seiner zweiten Hälfte etwas Fahrt auf und dort geht es weniger um die Krankheit, sondern vielmehr um illegale Netzwerke die erst durch das ganze Chaos entstanden sind und natürlich die bereits erwähnte lahme Liebesgeschichte. Das Gefühl, dass es hier um Leben und Tot geht, kriegt man hier nicht vermittelt. Was ebenfalls deutlich gegen den Film spricht, ist die Zeit indem er veröffentlich wird. Wir haben die Pandemie noch nicht einmal überstanden, sind sogar noch mittendrin, und sollen uns nun schon Filme über Covid reinziehen. Zwar nur via Stream, aber das reicht ja hier schon. Eine völlig falsche Herangehensweise, aber wer sich noch nicht genug verrückt gemacht hat mit Lockdown und co. bitteschön! Songbird ist dafür prädestiniert.  

Fazit:

Warum jetzt schon Corona-Thriller? Diese Frage stellt sich mir schon seitdem ich den Film sehen konnte. Wenn er zumindest eine im Ansatz packende Story gehabt hätte, wäre es noch sehenswert gewesen, aber Songbird ist so langweilig wie der aktuelle Lockdown. Fast schon einschläfernd. Eindimensionale Figuren, ein lahmer Plot und eben kein beklemmendes Gefühl, was solch ein Virus-Thriller eigentlich erzeugen sollte. Wenn ihr euch einen Film über eine Pandemie oder einen tödlichen Erreger anschauen wollt, empfehle ich eher auf Contagion zurückzugreifen. Mit dem ersten Blockbuster über Covid werdet ihr nur enttäuscht. 

MCG-Raiting

★★★★

3.5 Punkte

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