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"Sonic The Hedgehog": Endlich eine gute Videospiel-Adaption? [REVIEW]

Filmische Adaptionen von Videospielen sind in den vergangen Jahren reihenweise für die Fans und Zuschauer gescheitert. Egal ob eine Lara Croft oder die Verfilmung der legendären Warcraft-Spielreihe. Entweder sind diese Adaptionen sehr mau oder sogar ein Totalausfall, was die Qualität betrifft. Nun versucht sich der berühmte symphytische blaue Igel auf der großen Leinwand. Und soviel sei schon mal vorne weg genommen: Der Gang ist Kino lohnt sich!

Das (geänderte) Sonic-Design

Was schlug der erste Trailer doch für Wellen! Ein völlig vermurkstes Design des blauen Igels im vergangen Jahr, sorgte für enormen Gegenwind bei der ersten Marketing-Kampagne zu Sonic The Hedgehog. Dieser war so heftig, dass sich die Macher tatsächlich dazu durchgerungen haben das Design komplett abzuändern. Mit Erfolg! Der pfeilschnelle Sonic sieht zwar, dementsprechend sehr CGI-lastig aus, präsentiert sich dadurch aber auch mehr dem Videospiel getreu mit größeren Augen und einer optisch viel besseren Mimik, die vor allem auf die junge Zielgruppe ausgerichtet ist. Demnach musste der Film somit die Optik zwischen einer fiktiven und einer realen Welt deutlich differenzieren. Das die fiktive Welt dadurch letztlich zu großen Teilen am Computer entsteht, ist am Ende eine Selbstverständlichkeit, welche man der Sonic-Verfilmung nicht vorhalten kann. Es ist in gewisser Weise auch besser, wenn man als Zuschauer den Eindruck bekommt, dass sich die "normale" Welt in "normalen" Settings abspielt, während die fiktiven Welten sich aus Effekten und einem Greenscreen entwickeln. Für die etwas jüngeren Zuschauer stellt das mit Sicherheit kein Problem dar, zumal man weder mit schnellen Schnitten oder effektvollen Blenden überfordert wird. Hier bleibt Sonic The Hedgehog in den meisten Szenen doch etwas auf den Boden der Tatsachen und spart an den passenden Stellen. Und man muss gleichzeitig anerkennen: Der blaue Igel sieht im Film einfach nur richtig stark aus!

Jim Carrey als Dr. Robotnik

Jim Carrey gehört wohl zu den schrägsten Schauspielern, die in Hollywood zu finden sind. Neben dem ohnehin schon vorlauten und teils naiven Sonic, der bisweilen den recht kindlichen Humor verkörpert, ist es vor allem Jim Carreys Verkörperung des Gegenspielers in Form von Dr. Robotnik zu verdanken, dass diese Videospiel-Adaption im Großen und Ganzen auf der Leinwand funktioniert. In den letzten Jahren ist es dann doch sehr stil geworden um den 58-jährigen Kanadier. Das letzte (größere) Highlight in seiner Karriere war die US-Komödie "Dumm und Dümmehr" und die war dann doch etwas zu überdreht und albern geraten. Mit Sonic erlebt Carrey wohl eine persönliche Renaissance seiner Schauspielkarriere, denn ist erst seine verrückte Ader, die dem bekannten Sonic-Bösewicht seinen Charme verleiht. Ich denke die meisten Zuschauer werden sich insbesondere auf seine Darstellung freuen, vor allem weil alle Lobeswellen über ihn im Vorfeld, absolut der Wahrheit entsprechen. Dabei ist es nicht nur, der etwas stumpfe Humor, den wir von Carrey aus anderen Rollen bereits zu Genüge kennen, sondern seine Zuschaustellung von Dr. Robotniks überlegener Intelligenz und einem breit gefächerten Arsenal an gut durchdachten Sprüchen, die fast jedes Mal ins Schwarze treffen. Wenn Sonic nicht alleine schon ausreicht das Kinoticket zu lösen, dann ist es definitiv Jim Carreys Verkörperung von Dr. Robotnik wert sich diesen Film auf keinen Fall entgehen zu lassen.

Sonic The Hedgehog Bild
Bild: Jim Carrey als Dr. Robotnik mit seinen Gadgets. | © 2019 Paramount

"Sonic The Hedgehog" erfindet die Welt der Videospiel-Adaptionen nicht neu

Natürlich kommt man nicht um den Punkt herum Sonic The Hedgehog in der mittlerweile großen Welt der Videospiel-Adaptionen einzuordnen. Und da muss man deutlich sagen, was die Story des Films betrifft, reißt diese Adaption letztlich keine Wände ein. Diese bleibt vielmehr ziemlich normal und für das eher kindlich umworbene Publikum leicht zugänglich. Für die Altersfreigaebe von 6 Jahren, welche der Film in Deutschland erhalten hat, ist das was man hier zu Gesicht bekommt wirklich im Rahmen seiner Möglichkeiten geblieben. Eine leichte Buddy-Komödie mit einer angenehmen Prise an Action, sowie einer ordentlich Laufzeit für einen solchen Film, machen Sonic The Hedgehog zu einer relativ guten Verfilmung eines beliebten Videospielcharakters. Demgegenüber kommen dann aber auch (leider) viele Nebencharaktere, die sehr blass und eintönig sind (Toms Freundin wäre da ein gutes Beispiel). Alle Figuren rund um Sonic, seinen besten Kumpel Tom Wachowski (James Marsden) und Dr. Robotnik bleiben einfach gestrickt und fügen zwar der Unterhaltung des Films keinen Schaden zu, hätten aber auf Gesamtsicht doch etwas mehr Pepp vertragen können. 

Das Zusammenspiel zwischen den Hauptfiguren allerdings ist hingegen fast makellos. Es gibt Momente die, auf die jeweilige Interaktionen betrachtet, etwas eigenartig oder schräg wirken, sie bleiben aber die Ausnahme. Für die besten Buddys im Business reicht es für Sonic und Jon zwar nicht, und es rührt zweifellos auch nicht zu Tränen bei kleineren emotionalen Szenen, sie haben dennoch eine gewisse Harmonie die für den Großteil der Zuschauer symphatisch sein wird.

Action, Sets und visuelle Effekte

Eine solche Adaption lebt, neben seinen Charakteren, hauptsächlich von seiner Action. Sonic hat vielleicht zu Beginn nicht wirklich viel zu tun. Die Geschichte entwickelt sich aber schnell zu einer rasanten, wenn auch an manchen Stellen etwas unspektakulären Verfolgungsjagd zwischen Sonic und Dr. Robotnik. Dabei gehen Häuser zu Bruch, Autos werden in Mitleidenschaft gezogen und es kommen viele hoch technologische Gadgets zum Einsatz, die übetrieben wirken, dem Videospiel-Bösewichten allerdings gerecht werden. Dementsprechend wird auch bei dieser (für heutige Verhältnisse relativ normale) Big-Budget-Produktion, mit knapp 95 Mio. US Dollar, nicht an visuellen Effekten gespart. Der blaue Igel selbst, stammt natürlich eins zu eins aus dem Computer. Bei genauerem Betrachten, fällt dem geübten Auge auch noch auf, dass Gegenstände mit denen Sonic in Berührung kommt, ebenfalls sehr künstlich erscheinen. Überspielt wird das meistens mit einem cleveren Schnitt. Es bleibt aber nicht unbemerkt. Es mag vielleicht kein großes Manko sein, aber das selbst eine Unterhose beispielsweise via CGI auf Sonics Kopf gesetzt wird, mag dann doch etwas zu viel an computertechnischen Einsatz sein. 

Von den Sets her bleibt der Film ebenfalls ziemlich im Rahmen, ohne groß auffällig zu sein. Hier kommt bei den "anderen Welten" natürlich wieder der Greenscreen zum Einsatz. Die meisten Szenen bleiben aber an simplen Orten wie den Highways von Kalifornien, in einer kleinen Vorstadt oder am Ende sogar in San Francisco. Wenn nicht gerade Sonic gegen Dr. Robotnik kämpfen muss, bleibt das große Effektfeuerwerk erspart. Aber selbst dieses Feuerwerk wird einen nach den eindreiviertel Stunden Laufzeit nicht mehr großartig stören. Wie schon gesagt, wie sehen hier ja "nur" eine Verfilmung eines Videpsiel-Charakters!

Fazit:

In meinen Augen werden hier alle Zuschauer gut bedient. Das zählt für Fans, sowie für das jüngere Publikum, als auch für Leute die mit Sonic im Grunde genommen nichts anfangen können. Die Adaption des blauen Igels ist gelungen und macht auch Laune auf mehr. Und so sollte es doch im Endeffekt auch sein! Wir haben einen starken Sonic mit optimierten Design, einen Bösewicht der eigentlich das etwas größere Highlight darstellt und eine normale Buddy-Komödie, die Spaß macht, aber auch nicht derbe übertreibt. Letztlich ein sehr solider Streifen, mit Mängel die man ihm zwangsläufig nicht so übel nimmt, und der vor allem zeigt, dass Videospiel-Adaptionen auf der großen Leinwand auch funktionieren können.

MCG-Raiting   

 

★★★

 

7.0 Punkte

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