· 

"Soul": Disney beendet sein Filmjahr mit viel Seele (REVIEW

Pixar geht eigentlich immer, oder? Selten wird man bei dieser Sorte von Filmen enttäuscht. Coco, Toy Story, Oben, Wall-E. Nur um mal ein paar zu nennen. Dieses Jahr schickt Disney zum ersten Mal, auch wegen der allgemeinen Situation, ein Pixar-Film direkt auf Disney+. Und der Film mit dem Titel Soul wird seinem Namen absolut gerecht.

Was macht die Seele eines Menschen aus?

Eine schöne Frage und der Film selbst will auch nicht unbedingt eine genaue Antwort darauf geben. Was man zu Soul wissen sollte: Er spielt sich in zwei Realitäten ab. Zum Einen auf der Erde und im s.g. "Davorseits" (Vorstufe des Jenseits). Hauptfiguren sind Joe Gardner (Jamie Foxx) und 22 (Tina Fey), eine Seele die sich noch nicht abschließend entwickelt hat. Ziel ist es letztlich das 22 endlich auf die Erde losgelassen werden kann. Denn Seelen werden nur entsandt, wenn sie ihre Persönlichkeit entfaltet haben. Hierfür wird auch Joe letztlich der unfreiwillige Mentor. Dadurch das wir hier mit zwei vollkommen unterschiedlichen Charakteren konfrontiert werden, gibt es von Beginn an enorm viel Spannung zwischen den beiden. Denn während Joe unbedingt zurück in seinen menschlichen Körper will, hat 22 eigentlich nicht so viel Bock auf die Welt. Am liebsten würde ihre Seele weiterhin im "Davorseits" bleiben. Durch diese abnorm großen Gegensätze erleben die beiden Figuren auch jede Menge kurioses Zeug. So viel, dass am Ende auch eine süße Freundschaft zwischen ihnen entsteht. Es beginnt die Suche nach dem s.g. "Funken". Dem entscheidenden Merkmal, welches 22 für die Welt startklar machen soll. Und es ist mit Sicherheit sehr gut gewählt, dass dieses praktisch nur durch Zufall entstehen kann. Eine Kleinigkeit, die nicht planbar ist. Etwas besonderes, von dem man selber nichts erahnt. Was letztlich auch jede Seele für sich genommen ausmacht, überlasst man am Ende auch dem Auge des Betrachters. Eine hundertprozentige Antwort gibt der Film nicht. Diese Frage kann nur jeder für sich selbst beantworten. 

Lebe für das was du liebst

Die Hauptfigur aus Soul hat bislang nicht all zu viel Erfolg im Leben. Dennoch ist Joe Gardner zweifellos ein glücklicher Mensch, der stets den Glaube an ein neues und besseres Kapitel seiner Geschichte nicht aufgeben will. Seine Liebe, ist die Liebe zur Musik. Die Liebe zum Jazz bzw. Klavierspielen. Deswegen tut er alles dafür, endlich in einem großen Klub zusammen in einer Band zu spielen. Viel Rückendeckung hat er trotzdem nicht. Weder seine Freunde, noch seine eigene Mutter glauben an den Erfolg seiner Wünsche. Was für einen Charakter schon mal einen ziemlichen Rückschlag bedeutet, wenn es nicht mal aus der Verwandtschaft Unterstützung gibt. Aber Joe lässt sich davon keineswegs runterziehen und stürzt sich, trotz der später im Film gezeigten Absagen von anderen Musikern, immer wieder ins Jazz-Getümmel. Es ist eine wirklich sehr gelungene Botschaft, die von dieser Figur ausgeht. Und das obwohl sie, außer seinem musikalischen Talent, nichts besonderes viel zu bieten hat. Joe kann weder mit Geld, eine trollen Wohnung oder seinem Aussehen prahlen, dafür lebt er aber mit Leib und Seele für die Jazz-Musik. Woher diese Liebe für Jazz stammt/herkommt wird im Film später auch erläutert. Dies bietet zudem viele schöne Momente aus seiner Vergangenheit. Soul hat es verstanden wie man die Charaktere vorstellt, sie präsentiert, ihre interessante Vergangenheit erläutert und wie sie sich insgesamt in der kurzen Zeit entwickeln. Auch, wenn das andere Pixar-Filme ähnlich oder teilweise bedeutend stärker dargestellt haben, ist es hier der wichtigste Punkt warum das aktuelle Werk von Pete Docter so angenehm anzuschauen ist. Einfach weil charakterlich alles für einen guten Film stimmt.

Soul Filmbild
Bild: Joe Gardner (Stimme: Jamie Foxx) lebt für die Musik und will endlich seinen Traum erfüllen. | Disney+

Viel Freude aber auch viel Emotion

Man muss sich ja immer noch vor Auge halten, dass Pixar-Filme auch auf jüngeres Publikum abzielen. Deswegen wäre eine gänzlich traurige Geschichte keinesfalls der richtige Weg gewesen. Aber an dieser Stelle schon einmal die Entwarnung, Soul hat neben den vielen emotionsgeladenen Momenten, ebenso viele die für ein herzhaftes Gelächter sprechen. Dafür sorgt das Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren und zwar egal ob jetzt in der realen Welt des Films oder im "Davorseits". Es ist obendrein sogar ziemlich abwechslungsreich, da wir zwischen den Welten förmlich hin- und herspringen. Es wird also nur selten monoton erzählt, was das Storytelling betrifft. Dabei fliegen des Öfteren auch die Fetzen zwischen den Hauptfiguren und meistens wird dies auch äußerst komödiantisch eingefangen. Natürlich sind die Unterschiede groß. Schließlich hat Joe so keine Ahnung von der Welt in der 22 lebt, andersherum ist es selbstredend genauso. Das bietet viel Zündstoff für kleinere aber dafür tiefgreifende Diskussionen über die menschliche Natur. Denn wer das so bislang nicht gekannt hat, der wird zuerst einmal mit der Situation überfordert sein. Besonders wenn es sich dabei um die völlig überfüllte Großstadt handelt. Welcher normale Mensch hat da denn von Anfang schon den Überblick behalten? Das Ganze gipfelt in ein gefühlvolles Finale mit ordentlich Stoff zum Nachdenken. Klar, irgendwie verfolgt jeder Film von Pixar diese Praxis, aber hier hat die Hauptfigur noch einen sehr interessanten Schlusssatz, der schon fast inspirierend auf den Zuschauer wirkt.

Fazit:

Es ist mal wieder genau das, was man von Pixar erwartet. Eine gefühlvoll erzählte Geschichte, mit gut platzierten Witz und sehr tollen Charakteren. Und wer daran keinen Anklang findet, wird vermutlich spätestens mit der musikalischen Zuneigung des Films seine Freude haben. Soul hat, wie es der Titel schon prophetisch verspricht viel Seele und ist ein gelungene Abschluss für Disney in diesem Jahr. Er mag vielleicht nicht der beste aller Pixar-Streifen sein, dafür aber der beste Animationsfilm des Jahres.

MCG-Raiting

★★★★★★★★★

8.0 Punkte

Kommentar schreiben

Kommentare: 0