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Das "Spider-Verse" hat zu viel Power

 

Ja seit den 2000er ist die "freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft" Teil der Kinolandschaft und das mittlerweile mit viel zu vielen Neuinterpretationen. Das ist unter anderem von den Rechten an der Figur (Sony) geschuldet. Nachdem man sich 2016 sogar dazu entschied, die Rechte teilweise an Marvel auszuleihen, bekam Spider-Man den längst überfälligen Auftritt im MCU. Nach Spider-Man: Homecoming allerdings, bekommt die Figur eine weitere Geschichte in Form eines Animationsfilms.  

 

Wer brauch schon Peter Parker?

Knapp ein Jahr vor Kinostart erhielten wir den ersten Trailer in dem wir zunächst nur den vermeintlichen (und einzigen) Protagonisten des Films zu sehen bekamen: Miles Morales, der auch in den Comics in das Outfit von Spider-Man geschlüpft ist. Zwei Trailer später weiß man eigentlich schon einen Großteil der Handlung, die u.a. besagt, dass es gleichzeitig mehrere Universen gibt, wo Spider-Man in verschiedenen Formen Verbrechen bekämpft. Sei es ein etwas älterer und außer Form geratener Peter Parker, eine Gwen Stacy als weiblicher Spider-Man oder eine 1920er Version in Schwarz-Weiß. Im Grunde ein interessantes Konzept mit nahezu unerschöpflichen Möglichkeiten, die der Produktion aber relativ viel Spielraum geben, sodass man hieraus beinahe ein eigenes Franchise machen könnte. Und das könnte im Endeffekt mehr kaputt machen, als das es gutes bewirken könnte. Dennoch gelingt es dem Animationsfilm in den entscheidenden Momenten seinen Hauptcharakter Miles Morales besser in Szene zu setzen, als all die anderen Spider-Man Versionen, die im Film auftauchen. 

 

Kinderfreundlich und einwandfreier Humor

Ja, Humor ist etwas was bei Spider-Man eigentlich nicht fehlen darf und was auch im aktuellen Streifen mithin die beste Eigenschaft ist. Vor allem genau dann, wenn alle andere Spider-Man aus den anderen Universen vorgestellt werden, kommt man um ein herzhaftes Gelächter gar nicht herum. Aber auch abseits versucht man stets einen intelligenten Spruch mit Substanz einfließen zu lassen. Und zu einem großen Teil des Films funktioniert das auch wirklich sehr gut. Dabei bleibt aber alles der Altersbeschränkung entsprechend kinderfreundlich. Vor allem das Zusammenspiel zwischen Miles Morales als Schüler und seinem Mentor (dem gealterten) Peter Parker hat enorm viel Charme. Denn gerade die Tatsache, dass ein Junge im Teenie-Alter, jemanden benötigt der ihm hilft seine Fähigkeiten kennenzulernen, ist so alltäglich wie möglich. Passend letztendlich zum jungen Publikum, denn das könnte sich dadurch wohl in der einen oder anderen Situation mit der Hauptfigur identifizieren. 

Und selbst in den ernsten Szenen sorgt Spider-Man: A New Universe mit seinen so unterschiedlichen Figuren immer etwas auflockernde Scherze mit einfließen zu lassen. Selbst wenn es also zu einem emotionalen Moment kommt, wird der nächste wieder für viel Entspannung sorgen. Es bleibt also durchweg immer ein Lacher übrig, der die Szene abrundet.

 

Bild: Miles Morales vor dem originalen Spider-Man Anzug von Peter Parker. | © 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

 

Ein Cartoon als Film

Das was Spider-Man: A New Universe allerdings in seinem Genre hervorhebt ist, dass er den Sprung, zwischen einem übergroßen Animationsfilm gepaart mit typischen Comic-Effekten nimmt und dies sogar recht ordentlich umsetzt. Eigentlich ist der Film ein Comic, dass in bewegten Bildern dargestellt ist. Und auch der Aufbau des gesamten Inhalts ähnelt stark an ein typisches Superhelden-Comic. Die Figur des Spider-Man geht wirklich sehr gut in der Geschichte auf, die zwar in seiner Gesamtheit nichts herausragendes anbietet, aber absolut im Durchschnitt liegt. Schlussendlich muss es ja auch für Kinder ab sechs Jahren noch verständlich sein, was auf der Leinwand vor sich geht. Selbst wenn dadurch natürlich die etwas ältere Zuschauerschaft nicht sonderlich beeindruckt wird, da alles in der Handlung absolut vorhersehbar bleibt, macht das Gesamtbild rein optisch gesehen enorm viel Spaß. Und hätte man im Schlussteile eventuell einige Kürzungen vorgenommen, wäre das ganze sogar noch besser geworden.

 

Maßlose Action und ein völlig überpowerter Schlussakt

Das große Problem am Film ist sein überdimensioniertes Finale, dass nochmal alles in den Schatten stellen will. Aber so aufwändig auch dieses produziert und dargestellt ist, es hat nicht mehr den Stil aus den 70 oder 80 Minuten davor zu tun. Die Action ist viel zu groß für die eigentliche Geschichte. Sie ist genauso überpowert wie der Bösewicht des Films. Viel zu gigantisch und teilweise erschreckend eindimensional wird der Antagonist des Öfteren zu stark in den Vordergrund gedrückt. Dabei steht auch für so einen jungen Helden, wie Miles Morales, eine viel zu große Herausforderung bevor. Denn dieses mal geht es nicht nur um New York oder um die Erde, sondern um das ganze Universum und das ist schon übertrieben genug. Der Schlussakt zieht sich von einer Action-Matz zur nächsten und überschätzt sich vor allem in seiner Optik, die zuvor noch so einen positiven Eindruck hinterlassen hatte. Die letzte halbe Stunde ist wahnsinnig anstrengend und zieht sich eine beängstigende Länge, die man kaum vermutet hätte. 

 

Bild: Das Spider-Man Outfit von Miles Morales. | © 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Fazit:

Ja, Spider-Man: A New Universe ist ein positives Highlight was Animationsfilme aus 2018 betrifft. Optisch wirklich stark und mit kleineren Eigenschaften, die andere Filme aus Genre vermissen lassen. Die Frage bleibt, ob es wirklich ein eigenes Spider-Man Franchise benötigt, dass als Animation wiedergespiegelt wird. Die Grundlagen wie den typisch stichigen Humor der Spider-Man Filme hat das Abenteuer von Miles Morales definitiv gut zum Ausdruck gebracht. Alles in allem ein gelungener Auftritt, auch wenn man sich mit dem Finale deutlich verzettelt hat.

 

MCG-Raiting

★★★★★★★★★

7.5 Punkte

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