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"The Gentlemen": Die beste Defintion eines Guy Ritchie Films! (REVIEW)

Man kann von Guy Ritchie halten was man will. Seine Filme schlagen dennoch immer große Wellen und sind auf eine verrückte Art und Weise oftmals alleinstehende Filme, die man so in der Form kaum mit anderen vergleichen kann. Sein neuer Actionfilm The Gentlemen ist wieder einer von genau dieser Sorte und qualitativ sogar einer seiner besten Werke!

Die Darsteller laufen zur Höchstform auf

Hauptdarsteller Matthew McConaughey hatte zuletzt nicht mehr die großen Treffer im Kino gelandet. Der 50-jährige Amerikaner war zuletzt im glücklosen Beach Bum zu sehen, von dem die Kinogänger leider weiten Abstand hielten. Doch 2020 startet er wieder durch und zeigt aus welchem Holz er geschnitzt ist. Als Drogenbaron mit britischer Attitüde glänzt er auf ganzer Linie, und das stets in einem sündhaft teuren maßgeschneiderten Anzug. Er protzt nur so mit seinem ergaunerten Vermögen. Doch nicht nur er, sondern auch fast alle anderen sorgen in selbem Maße für die gehobene Qualität von The Gentlemen bei. Ein verschlagener Hugh Grant, ein gemäß seiner ehemaligen Serie (Sons Of Anarchy) kompromisslose Charlie Hunham, ein durchtriebener Henry Golding, eine autoritäre Geschäftsfrau in Form von Michelle Dockery mit dem Hang alle Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und die Krönung des Cast ein überaus cooler und Fäuste schwingender Colin Farrell mit unmöglich auffallenden Outfits. In der Besetzung passt von vorne bis hinten wirklich alles. Coolness-Faktor 100% und dennoch sind alle Figuren sehr phantasievoll interpretiert. Und das teilweise eine Spur zu krass.

 

In der Gesamtbesetzung herausgestochen hat jedoch Colin Farrell mit seiner Figur Coach. Die wohl schrillste Figur in einem ohnehin sehr schrägen Cast, wo tatsächlich jeder Einzelne darauf bedacht ist seinem Gegenüber die Show zu stehlen. Aber sobald Coach den Raum betritt oder den Mund bewegt, zieht das sofort die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf diese Figur. Sein großer Vorteil sind natürlich dessen Outfits: Denn der Mix zwischen stylischem Anzug und sportlichem Flair im britischen Style sticht einfach so deutlich hervor, dass alles andere in diesem doch sehr extravaganten Film (was die Outfits angeht) nur noch "normal" auf einen wirkt. Und selbst wenn man die stylischen Outfits ausblenden würde, gelingt es in The Gentlemen seine Zuschauer, mit durchweg unterhaltsamen Dialogen, bei der Stange zu halten. Egal wer mit wem in einer Szene spricht, die Dialoge beinhalten geistreiche Anfeindungen und verbale Attacken auf hohem Niveau. Eben wie es sich für Briten gehört, wenn man den unbedingt passenden Maßstab berücksichtigt. 

Chaotische Erzählweise und unberechenbare Figuren

Was The Gentlemen neben den stylischen, sowie gleichfalls sehr schrägen, Outfits und Figuren hat, ist eine Geschichte, die zwar relativ humoristisch inszeniert, aber zu keiner Sekunde langweilig ist. Grund dafür ist eine Art Bandenkrieg um eine geheime Marihuana-Plantage im Wert von mehreren Millionen Pfund. Erst mag es um den reinen Verkauf davon geht, doch als der Deal platzt, beginnt das Händeringen, welches in einem überlangen Flashback dargestellt wird. Die gesamte filmische Geschichte spielt demzufolge in der Vergangenheit und wird von zwei Nebenfiguren erzählt. Teilweise werden hier Details gekonnt verändert oder angepasst, sodass zwangsläufig auch nicht hundertprozentig klar ist, ob bereits gezeigte Szenen tatsächlich so passiert sind oder durch die Feder des Erzählers verschönert wurden. Je nach Loyalität sinkt hier mal mehr und manchmal weniger die Glaubwürdigkeit, was zum Einen viel häufiger Szenen sehr lustig gestalten, zum Anderen eine gewisse Verwirrung mit sich trägt, die dem Film aber keinesfalls schadet. Apropos Loyalität! Denn die wird im Film von jedem Charakter sehr unterschiedlich interpretiert, sodass es für den Zuschauer kaum möglich ist, das nächste Kapitel auch nur im Ansatz vorauszuahnen. Die Geschichte bleibt genauso unberechenbar wie seine Figuren. Hier ist Guy Ritchie, trotz dem einkalkulierten Chaos, ein ziemlich guter Griff geglückt mit The Gentlemen. Sowohl Protagonist, als auch Antagonist, sind nicht wirklich als solche vollends zu definieren. Letztlich vermag es die Geschichte seine Charaktere soweit auszuweiten, dass sich dementsprechend mehr herauskristallisiert als das viel simple Gut-gegen-Böse Gehabe. Die Figuren haben allesamt verbrecherische Macken und sind bereit unvorhersehbare Risiken einzugehen um an ihr Ziel zu gelangen. Eine gute Basis für jeden Gangster!

The Gentlemen Filmbild
Bild: Das Objekt der Begierde in "The Gentlemen" ist eine Marihuana-Plantage. | Universum Film (LEONINE)

Geballte Action mit viel schwarzem Humor

Ein Action-Krimi mit FSK 16 muss abliefern. Und genau das tut The Gentlemen! Der Gangster-Krieg im Film bietet nicht nur eloquente Macho-Sprüche, sondern ein nicht weniger unbedeutendes Maß an Brutalität. Hier gibt es alles, was man sich von einem Actionfilm nur wünschen kann. Wilde Schlägereien, Schießereien, eine Verfolgungsjagd und einige sehr schräge Todesszenen. Alles in einem guten Durchschnitt und gesunder Länge, wenn auch mit der Tendenz zur Übertreibung. Hinzu kommt das fast jede Szene, egal ob Ruhephase oder Action, mit irgendeinem schwarzen Spruch gesalzen wird. Und diese passen, wie es für den Film am besten zutrifft, wie die Faust aufs Auge.

Ein reines Action-Spektakel ist The Gentlemen nicht, aber trotzdem sollte jeder Fan des Genres auf seine Kosten kommen. Denn Action gibt es neben den vielen schwammigen und einschüchternden Dialogen zu Genüge. Dabei sind viele der Actionszenen auf die jeweiligen Stärken jedes einzelnen Charakters zugeschnitten. Es gibt natürlich nicht nur die typischen Gangster, die stets mit einer Schusswaffe hantieren. Nein, es gibt auch die gängigen Schläger, die lieber die Fäuste verwenden, wenn es denn die Situation zulässt. Die Figur von Charlie Hunnam beispielweise greift auf beides zurück und lässt sowohl Fäuste, als auch Schießeisen sprechen. Coach (Colin Farrell) hingegen ist passionierter Boxer und schlägt des Öftern auch nur mit bloßen Händen zu, ohne zusätzliche Vorteilsbringer. Aber auch er versteht sich bestens aufs Schießen. Der neue Film von Guy Ritchie hat somit eine gewisse Ausgewogenheit was die Action betrifft. Zudem werden die Ruhepausen zwischen den Kampfphasen mit enorm viel Witz gefüllt, wenn auch die meiste Zeit ziemlich tief unterhalb der Gürtellinie.

Fazit:

Wer Filme von Guy Ritchie kennt und selbst nur die kleinste Sympathie für diese hegt, wird mit The Gentlemen genau auf das Richtige stoßen. Mit diesem Krimi/Actionfilm projiziert Ritchie ein gleichsam unterhaltsames, als auch abenteuerliches Machwerk, was durch sein selbst auferlegtes Chaos vielmehr Inhalt bietet, als andere Filme mit wesentlich mehr Struktur. Was zudem ins Auge springt ist die Liebe zu einprägsamen Outfits, die am Ende sogar eine Oscar-Nominierung verdient hätten. The Gentlemen ist ein mit viel Fantasie inszinierter Gangster-Streifen mit großem Unterhaltungswert und die wohl beste Definition eines Guy Ritchie Films.

MCG-Raiting 

 

★★★ 

 

8.0 Punkte

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