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"The Kitchen - Queens Of Crime": Das furchtbarste Mafia-Trio aller Zeiten! (REVIEW)

Es gibt sie eigentlich kaum noch! Gangster-Filme, die sich rein auf die Mafia oder andere kriminelle Gruppen beziehen, sind heutzutage rar gesät. Da trifft es doch doppelt gut, dass inmitten der Entwicklung von erhöhtem Aufkommen an weiblichen Hauptrollen, ein Film wie The Kitchen sein Weg auf die Leinwand findet. Nun ja, es war vielleicht ein Versuch wert, aber es mangelt von vorne bis hinten an guter Qualität.

The Kitchen - Queens Of Crime Szenenbild
Bild: Ein weibliches Mafia-Trio in Hells Kitchen (v.l.: Elisabeth Moss, Melissa McCarthy & Tiffany Haddish) | © 2000-2019 Warner Bros.

Absolut unglaubwürdige Erzählweise bei "The Kitchen"

Wie wird ein gängiges kriminelles System in seinen Grundfesten erschüttert? Geht es nach dem neuen Streifen der Regisseurin Andrea Berloff, so hieße das: die Männer werden erwischt, gehen in den Knast und die Frauen übernehmen alle Geschäfte. Zunächst sei gesagt: Ja, die Frauen, welche zu diesem Jahrzehnt in jedem Fall auf die Einkünfte der Männer angewiesen sind, müssen etwas tun. Das es hier selbstverständlich zu einer moralisch sehr bedenklichen Entscheidung kommt ist zwar ein interessanter Ansatz. Dieser wird aber so schnell ad acta gelegt, dass man den Gedanken überhaupt nicht revue passieren lassen kann. Der Reiz der Geschichte verliert sich gleich in seinen ersten zehn Minuten, indem die Frauen im Grunde viel zu schnell in den Besitz ihrer Macht kommen. Das mag nicht zwangsläufig daran liegen, dass die Geschichte unglaubwürdig ist, sondern vielmehr zu Beginn eine äußerst schwachsinnige Erzähldynamik hat. Es gibt zu große Zeitsprünge, welche dem Film schnell einen faden Beigeschmack geben. Hinzu kommt das sich diese Dynamik irgendwann im zweiten Drittel verliert und den Film auch langatmig werden lässt. Selbst für eingefleischte Cineasten wird dies spätestens nach einer Stunde bereits zuviel des Guten sein. Der knapp 100-minütige Mafia-Thriller, wenn man ihn den tatsächlich so nennen mag, fühlt sich wie ein zweieinhalbstündiges Drama an, welches schlicht nicht zum Ende kommt. 

Hauptfiguren ohne Autorität

Es kling eigentlich schon wie ein schlechter Witz, Schauspielerinnen einzusetzen, die es zuvor nur gewohnt waren in Komödien oder Dramen mitzuspielen. Keine der drei Hauptfiguren macht den Eindruck als könne sie die kriminellen Geschäfte steuern, geschweige denn diese überhaupt von ihren inhaftierten Männern übernehmen. Geschuldet ist das vor allem zwei Faktoren: Zum Einen der genannte Punkt, dass die Schauspielerinnen noch in keinem derartigen Film agiert haben. Melissa McCarthy und Tiffany Haddish vorne weg genommen. Denn genau deren beiden Figuren (Kathy und Ruben) steigen zu den größten Motherfuckern im Business auf. Really? Aber richtig nachvollziehbar ist das nicht. Die eine ist eine Mutter von zwei Kindern, die kaum die Eigenschaften dafür hat eine grimmige Chefin von Schlägern und Attentätern zu sein. Die andere ist teilweise ungewollt witzig und kaum ernst zu nehmen, teilweise schon wegen ihrem arroganten und zickigen Verhalten, ebenfalls als Chefin krimineller Machenschaften ungeeignet. Einzig die Figur von Elisabeth Moss (im Film spielt sie die zunächst zurückhaltende Claire) macht die passendste Entwicklung für eine echte Gangster-Braut durch. Das wird in gleich mehreren Szenen, wo die anderen beiden Figuren sich im Hintergrund halten, sehr deutlich. Doch sie spielt im letzten Drittel fast gar keine Rolle mehr, weswegen alle Last auf den Figuren von McCarthy und Haddish liegt. Wenn man kriminelle Gruppe im Film unterwandern oder von zuvor recht schwachen Charakteren übernehmen lassen will, braucht es starke Figuren mit gewissem kriminellen Merkmalen und diese fehlen bei The Kitchen einfach.

The Kitchen - Queens Of Crime Szenenbild
Bild: Hier bereits die neuen Bosse in Hells Kitchen. Claire, Ruby & Kathy. | © 2000-2019 Warner Bros.

Wie sieht es mit passenden Schauplätzen aus?

Zumindest Hells Kitchen Ende der 70er fängt dieser Film einigermaßen gut ein. Sogar der absolut stereotypische Saal eines italienischen Mafiosos fand seinen Einsatz innerhalb der Story. Und der Teil ist, entgegen dem bisher genannten sehr negativen Aspekten, tatsächlich endlich mal was positives. Vielleicht gerade weil es so herrlich stereotypisch und gleichzeitig in gewollter oder ungewollter Manier selbstironisch wirkt. Ein italienischer, etwas älterer Mann mit schwarzem Smoking und dem typischen Akzent gehört einfach in jeden Mafia-Film! Gut, dass man es hier nicht verhunzt hat, aber seien wir auch mal ehrlich: Viel falsch machen kann man bei so einem durchschnittlichen Set letztlich nicht. Die grundsätzliche Prämisse für die Unterwelt von Hells Kitchen ist aber allgemein gut eingefangen. Denn diese Welt spielt sich nunmal nicht in den glänzenden Bezirken einer Stadt ab, sondern in eingeengten und verdreckten Gassen, mit vielen toten Winkeln, in denen jeder normaler Mensch ein unangenehmes Gefühl bekommt.

Nicht witzig, nicht spannend - nichts halbes, nichts ganzes

Wenn man ruhig erzählen will, dann hätte The Kitchen lieber die moralische Bedenken, die mit den vielen kriminellen Entscheidungen innerhalb des Films einhergehen, besser beleuchten, oder ihnen zumindest mehr Relevanz geben sollen. In vielen Momenten in denen der Film verzweifelt versucht witzig zu sein, scheitert er. Das es natürlich sehr schwarzer Humor ist, wird schnell klar, aber auch das funktioniert in den allerwenigstens der Szenen. Ist er wenigsten packend? Nein, auch hier verfehlt der Thriller auf ganzer Linie. Es wird viel zu offensichtlich wer welchen Plan verfolgt. Der Pate würde für dieses Mafia-Trio, ihren Entscheidungen und Plänen wirklich jedes Mal eine Träne verdrücken. Wo bleibt das manipulative, das unberechenbare? Es fehlt hier einfach komplett!

Fazit:

Ein Frauen-Trio in der Mafia, das auf ganzer Linie scheitert. The Kitchen versäumt es eine gute Idee umzusetzen, starke Figuren zu darzustellen und eine packende Geschichte zu erzählen. Es ist alles vorhanden, was man für einen solchen Film braucht. Er hat die passende Prämisse, weiß sie aber nicht so recht zu nutzen. Viele verspielte Gelegenheiten sorgen für das passende Chaos, welches vor allem wieder von Melissa McCarthy ausgeht, welche eine Figur verkörpert, wo einfach nicht in diese Welt zu passen scheint. Man kann hier viele weitere negativen Punkte aufführen, doch um es auf den Punkt zu bringen: Dieser Film ist unterdurchschnittlich und verfehlt alle Eigenschaften die ein Film für dieses Genre vorweisen sollte.

MCG-Raiting

★★★★★

3.0 Punkte

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