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"The Suicide Squad": Comic-Wahnsinn par excellence! (REVIEW)

Die Produktionsgeschichte zur "neuen" Suicide Squad wäre bereits dafür geeignet einen eigenen Film darüber zu machen. Schließlich stand James Gunn auch nur für einen kurzen Zeitpunkt zur Verfügung. Nachdem dieser nämlich zwischenzeitlich bei den konkurrierenden Marvel Studios rausgeworfen wurde, erhielt er prompt die Chance von DC seine Vorstellung einer Suicide Squad auf die Leinwand zu zaubern. Er bekam absolut freie Hand von Warner Bros und das Ergebnis ist der Hammer!

Ist "The Suicide Squad" das Action-Highlight des Jahres?

Es ist zwar erst August, aber James Gunns Suicide Squad hat die Messlatte für kommende Actionfilme in 2021 hoch gelegt. Seine Neuinterpretation des Selbstmordkommandos ist, nach aktuellem Stand, DAS Action-Highlight des Jahres. Dabei lässt der Regisseur von Guardians Of The Galaxy schon zu Beginn die Fetzen fliegen. Bereits in der ersten Viertelstunde wird klipp und klar vorgegeben, wo man mit The Suicide Squad hinwill. Der erste große Kampf entbrennt am Strand einer fiktiven südamerikanischen Bananenrepublik namens Corto Maltese und nach den ersten Minuten ist klar: Nicht alle werden diesen Strand lebend verlassen. Nicht umsonst ließ Gunn schon beim Marketing zum Film verkünden: "Don´t get too atteched" sinngemäß übersetzt "gewöhnt euch nicht zu sehr an sie". Dies gilt dem eigentlich vollkommen überfüllten Cast. Die Squad besteht nämlich aus insgesamt 16 Mitgliedern, welche entweder von Anfang an dabei oder im Laufe der Geschichte noch rekrutiert werden. In gewisser Weiße orientiert sich Gunn sowohl an Filmen wie Guardians Of The Galaxy und einem Klassiker wie Das dreckige Dutzend. Ein Mix aus heutigem Superheld-Kitsch, einem 70er Jahre Kriegsfilm und einer Gruppendynamik, welche man nur aus vergangen Western noch kennen könnte. Die Gruppe selbst besteht aus Einzelgängern, Fanatikern, Verrückten, eigenartigen Kreaturen und dem ein oder anderen Arschloch. Doch dazu gleich mehr. Zuerst steht die Action klar im Fokus und jeder neue Fight lässt The Suicide Squad immer mehr nach einem völlig überzogenen Gemetzel aussehen, welches allerdings sehr comichaft, sprich, fast schon ziemlich albern wirkt. Häufig fällt mit der Anfangsszene am Strand schon der Vergleich mit Der Soldat James Ryan. Und auch dieser Vergleich ist nicht übertrieben, zumindest was dessen Brutalität angeht. Im Oscar prämierten Kriegsdrama, welches zu Zeiten des D-Days spielt, werden Menschen beim Angriff auf die Normandie (also auch am Strand) teilweise völlig zerfetzt und verunstaltet. Und genau so etwas erwartet euch gleich zum Start bei The Suicide Squad. Natürlich etwas weniger realistisch, dafür aber extrem ziemlich läppisch mit ordentlich schwarzem Humor in Szene gesetzt. Aber so krass und in einer solchen Größenordnung hat das in 2021 bislang kein Actionfilm auf die Leinwand gebracht.

Farbenfroh und verrückt: Der Cast als Herzstück des Films

Eine solche Vielzahl an Charakteren geht meistens schnell nach hinten los. Nicht so in The Suicide Squad. Hier gelingt der Drahtseilakt zwischen wichtigen und unwichtigen Charakteren, ohne das es zu sehr gequetscht oder unschlüssig wirkt. Dabei setzt James Gunn auf eine schnelle Einführung und ein im Superheldenfilm selten genutztes filmisches Stilmittel. Statt eine geradlinige Handlung, wird hier mit Rückblenden bzw. einzelnen Kapiteln gearbeitet. So hangeln wir uns von der brutalen Einleitung zurück in der Zeit der eigentlichen Rekrutierung und Briefing eines Teams (Squad), ehe man sich erneut im "hier und jetzt" wiederfindet. Ein gewagtes Manöver, dass aber in den mehr als zweieinhalb Stunden erstaunlich gut greift. Für den Film selbst halten zudem Figuren der DC-Comics her, die nicht gerade zu den bekanntesten, geschweige denn beliebtesten Figuren gehören. Nun ja, letztlich sind es alles im Grunde Bösewichte, aber nicht gerade die Sorte Bösewichte die häufig von sich Reden macht. Eher die Art, welche mit ihren Plänen scheitern oder kaum Ernst zu nehmen sind. Das beste Beispiel darunter ist ein Polka Dot Man (David Dastmalchian), über dessen Fähigkeit bunte Punkte zu verschießen man sich auch ausgiebig im Film lustig macht. Oder ein Peacemaker (John Cena), der eine ziemlich kranke Vorstellung von Weltfrieden verfolgt.

Es wirkt beinahe so als hätte James Gunn in die allerletzte Schublade des DC-Universums gegriffen und dabei willkürlich die absurdesten Charaktere für diesen Film verwendet. Ich meine, habt ihr jemals etwas von Savant (Michael Rooker), Javelin (Flula Borg), TDK (Nathan Fillion) oder Weasel (Sean Gunn) gehört? Da müsste man schon ein Hardcore Comicfan sein, um all diese Namen zuordnen zu können. Und genau so jemand ist James Gunn, weshalb er genau solche Figuren unbedingt auch mal auf die Leinwand bringen will, egal wie lange oder kurz die einzelnen Auftritte auch sein mögen. Hinzu kommt, dass auch bereits etablierte Figuren wie Captain Boomerang (Jai Courtney), Harley Quinn (Margot Robbie), Rick Flag (Joel Kinnaman) und Amanda Waller (Viola Davis) zurückkehren und dabei weitaus besser funktionieren, als noch im gescheiterten ersten Versuch der Suicide Squad in 2016. Es gelingt über weite Strecken die recht einfach gehaltene Story durch die im Vordergrund befindenden Squad-Mitglieder mit sehr viel Leben zu füllen. Ein Kniff, der in Anbetracht dieser Besetzung eigentlich fast unmöglich zu meistern war. 

The Suicide Squad
Bild: Polka Dot Man, Peacemaker, Bloodsport und Ratcatcher 2 stehen klar im Vordergrund des Films. | Warner Bros

Die Squad und ihre Entwicklung!

 Bereits die ersten Einblicke zu The Suicide Squad machten klar, wo man hin will. Zu einem brutalen und manchmal deutlich über die Strenge schlagenden Actionfilm. Dabei vergisst Gunn nicht die ein oder andere kuriose Wendung oder Einzelgeschichte mit einzubringen. Ob das jetzt die tragische Vergangenheit von Polka Dot Man und Ratcatcher 2 (Daniela Melchior), die Erpressung von Bloodsport (Idris Elba) oder ein kompletter Nebenplot der mittlerweile nicht mehr wegzudenkenden Harley Quinn (Margot Robbie) ist. Die Hauptfiguren erleben eine ganze Menge und den allermeisten gelingt sogar eine echte Entwicklung. Den größten Sprung macht Bloodsport, welcher zu Beginn erst noch als gaunerhaftes Arschloch definiert, um dann im Laufe der Zeit zu einer starken Führungspersönlichkeit wird. Hinzu kommt seine in einigen Szenen aufkeimende Rivalität zum ähnlich porträtierten Peacemaker. Diese Rivalität besteht zumeist aus scharfen und sarkastischen Dialogen bis hin zu einem Duell der besseren Kills ihrer Gegner. Allein diese Szene beschreibt auch gut welche Art von Humor hier in Szene gesetzt wird. Es ist eben nicht dieser zarte, jugendliche Humor alla Marvel, sondern teilweise ziemlich schamlos und makaber. Eben ganz im Sinne eines James Gunn. Viele weitere Lacher gehen dann noch auf das Konto des dümmlich wirkenden King Shark, im Original gesprochen von Actionstar Sylvester Stalone. Dessen einziges Motiv besteht praktisch nur darin, dass er Hunger hat und nicht weiß wer seine Freunde sind. Vielleicht eine der verrücktesten Figuren, die man in diesen Film reingeschrieben hat. Aber davon haben wir ohnehin eine ganze Menge! Dabei geht es in Folge der vielen blutigen Kämpfe auch darum, dass sich die aus Schurken zusammengewürfelte Squad zu einer Einheit formt. Eine Einheit, die tatsächlich die Welt retten soll oder es zumindest versucht. Das wir als Zuschauer am Ende mit Figuren und einzelnen Schicksalen mit fiebern ist für einen Film dieses Ausmaßes quasi lebensnotwendig. Und genau dieses Element scheint in einem ähnlich guten Maßstab wie bei den Guardians Of The Galaxy voll aufzugehen.

DC traut sich wovor Marvel sich fürchtet

In einer Hinsicht ist DC mit The Suicide Squad dem Marvel-Universum voraus. Er ist unglaublich konsequent, was den Tod von Charakteren betrifft. Während sich das MCU bei diesem Punkt scheut bzw. zurückhält, will James Gunn eben auf jene Unvermeidlichkeit einiger Opfer sogar explizit hinweisen. So kann man in der neuen Suicide Squad die Hierarchie so zusammenfassen, dass von Kanonenfutter bis tragischer Heldentot nahezu jedes Opfer im Film vorhanden ist. Wenn ihr im Vorfeld (also vor dem Gang ins Kino) tippen müsstet, wer lebt und wer stirbt, wage ich die Annahme, dass die wenigsten von euch bei diesem Film eine Punktlandung treffen. Hier macht man aus der Titel gebenden Gruppe genau jenes Kommando, was praktisch unausweichlich zu zahlreichen Toten führen muss, aufgrund einer schier unmöglichen und gleichsam tödlichen Mission. Ein Punkt, welcher auch die vorherige Interpretation von David Ayer niemals ganz erfüllen konnte. Zugegeben, bei ihm hat sich letztlich auch das Studio so sehr eingemischt, dass dieses erste Projekt des Selbstmordkommandos voller Superschurken zum Scheitern verurteilt war. Ein Problem was James Gunns Neuauflage in keiner Sekunde der Produktion widerfahren ist, da er schließlich die Geschichte komplett frei gestalten konnte, eben ohne den Eingriff von Warner. Er zieht seine Linie, seine Vorstellung, der Suicide Squad gnadenlos durch und nimmt keine allzu große Rücksicht auf das was auf der Leinwand passiert. Es ist ein brutales, spektakuläres und blutiges Gemetzel, was allerdings ziemlich comichaft in Szene gesetzt wird. The Suicide Squad ist eine überraschend kraftvolle Comic-Verfilmung für Erwachsene und damit eben jenes Action-Chaos, dass sowohl DC als auch Marvel seit Jahren fehlt.


Fazit:

James Gunn und die Comics. The Suicide Squad hätte kein anderer Regisseur mit einer so großen Detailliebe auf die Leinwand zaubern können wie er. Seine Neuauflage des Selbstmordkommando hat alles, was der Vorgänger vermissen lies und noch so viel mehr. Viele comichafte Figuren, eine brutale Handlung und Kämpfe die man nicht hätte besser inszenieren können. Es ist eine Comic-Verfilmung par excellence: Drüber aber unfassbar konsequent und mit so viel schwarzem Humor versehen, dass zweieinhalb Stunden wie im Flug vergehen. The Suicide Squad ist das unangefochtene Highlight des Sommers und vielleicht sogar der beste Actionfilm in 2021!

MCG-Raiting

★★★★★★★★★

9.0 Punkte


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