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"The Tomorrow War": Viel WUMM, wenig WOW! (REVIEW)

Ursprünglich fürs Kino gedacht, ist The Tomorrow War nun lediglich ein Streamingstart vergönnt. Amazon hatte sich das Sci-Fi Actionabenteuer mit Chris Pratt ungefähr 200 Mio. Dollar kosten lassen! Die Erwartungen waren dementsprechend hoch und für die meisten Zuschauer ist der Film wohl nicht mehr als ein ernüchterndes Filmerlebnis.


Filminfos:

Prime-Start: 2. Juli 2021

Laufzeit:

FSK:

Genre: Sci-Fi/Thriller

 

Regie: Chris McKay

Mit: Chris Pratt, Yvonne Strahovski und J.K.Simmons

Story:

Die Menschheit befindet sich in Gefahr. Ein Alienangriff droht, sie auszulöschen. Soldaten aus der Vergangenheit sollen in den Krieg ziehen, um Welt zu retten. Die Wissenschaft sieht sie als letzte Hoffnung für das Überleben der Menschheit...



"The Tomorrow War": Viel Ideen - wenig Initiative!

Alien-Invasion und Zeitreisefiasko. In diesen Worten lässt sich die Story hinter The Tomorrow War gut und vor allem schnell zusammen fassen. In diesen Sub-Genres der Science Fiction hatten zahlreiche Filme bereits ihren großen Auftritt. Darunter der Kult-Klassiker Independence Day oder ziemlich Art verwandt zum aktuellen Beispiel: Edge Of Tomorrow. The Tomorrow War nimmt sich viele solcher Einzelfilme zum Vorbild und verbindet deren relevantes Thema. In Sachen Aliens ist der künstlerischen Ader des Erschaffers praktisch keine Grenze gesetzt, weshalb auch im neuen Streifen mit Chris Pratt eine übermächtige Lebensform sich zum Ziel setzt, die Erde anzugreifen. Der Grund: Nahrungssuche! Das ist tatsächlich schon alles, was die Begründung der Alien-Invasion angeht. Dennoch sei gesagt, dass die Aliens hier sich erheblich von anderen Klischeebildern einer außerirdischen Lebensform abheben und im Detail gar nicht mal so verkehrt ausschauen. Das traurige dabei, ihnen wird durch den eher rückständigen Antrieb auf der Suche nach einer passenden Nahrungsquelle, ein wenig zu sehr die Intelligenz genommen. Diese Spezies kann weit entfernte Planeten bereisen, aber hat nur diesen einen simplen Antrieb. Etwas dünn, aber das kann man bei dem großen Actionspektakel was hier auf euch wartet, gerne mal hinten anstellen. Allgemein nimmt es The Tomorrow War auch nicht unbedingt genau mit Logik und spielt dann doch zu sehr mit den kaum bekannten Fakten von Zeitreisen bunt herum. Auch hier sind der eigenen Fantasie keine Grenzen gesetzt, weshalb die Menschen aus der Vergangenheit plötzlich zu Soldaten in der Zukunft werden, aber deren Eingriff eigentlich nichts bewirkt. Sie kämpfen in einem Krieg, der in ihrem hier und jetzt noch nicht ausgebrochen ist, aber in 30 Jahren die Menschheit fast vollständig auslöscht. Allein dieser Grundgedanke mag zwar ein tolles Konzept für einen richtig guten Sci-Fi Actioner sein, allerdings verspielt der Film von Minute zu Minute seine Chancen!


Chris Pratt alleine reicht nicht!

Das erste große Problem liegt schon am Hauptdarsteller selbst. Chris Pratt wirkt in diesem doch eher ziemlich platten Film sogar etwas unterfordert. Ein Tomorrow War ist leider kaum vergleichbar mit einem Guardians Of The Galaxy oder einem Jurassic World, wo er im Grunde auch zu den Highlights im jeweiligen Film gehört. Im neuen Amazon Original jedoch soll er die Schwächen, und davon gibt es im Cast leider zu viele, mit seiner durchaus lockeren Art ausgleichen. Der Schuss ging hier nach hinten los. Zwar sorgt er mit seiner Lässigkeit und Führermentalität für ansatzweise gelungene Abwechslung, allerdings kann dies nicht über die Unausgewogenheit der Stimmungslage hinwegtäuschen. Denn was als düsteres Untergangsszenario beginnt, wird schnell zu einer drittklassigen Actionkomödie mit einem Charakter wie Charlie (Sam Richardson), der durch unglaublich schmerzhafte One-Liner jede Ernsthaftigkeit einer Szene in Frage stellt. Weitere Nebenfiguren brauchen zudem keine weitere Erwähnung, weil es sich hierbei hauptsächlich um "Kanonenfutter" handelt. Hin und wieder bekommt man bei der Sichtung auch das Gefühl, dass The Tomorrow War nicht unbedingt zu wissen scheint, was er im Kern sein will. Ein apokalyptisches Szenario mit wenig Hang zu humoristischen Einlagen oder tatsächlich eine Actionkomödie mit zahlreichen Alien-Fights. Und da reicht es einfach nicht aus, dass ein Chris Pratt als Dan Forester die Hauptrolle als Familienvater spielt. Er bekommt einige Gegenparts zur Seite gestellt, welche sowohl für den gesamten Film, als auch für die Geschichte wiederum eine ziemlich präsente Rolle einnehmen. Dazu gehört Romeo Command, gespielt von Yvonne Strahovski und der bärtige Außenseiter-Haudegen und Vater-Figur James Forester, gespielt von J.K. Simmons. Beide, auf ihre jeweils eigene Art, heben die Qualität enorm. Strahovski in Form einer dramatischen aber wichtigen Background-Story, welche man hier nicht mal weiter ausweiten kann, aus Spoilergründen. Und J.K. Simmons, da ihm, im Gegensatz zu anderen Nebenrollen, deutlich mehr gelingen mag (auch auf der humoristischen Ebene)! Kurz gefasst: In der Besetzung gibt es Licht und Schatten, wobei Letzteres leider ein wenig mehr überwiegt.

The Tomorrow War Chris Pratt
Bild: Dan Forester (Chris Pratt) und sein Team kämpfen in der Zukunft gegen eine Alien-Invasion. | Prime Video

Action-Spektakel zu gut fürs Heimkino!

Was sich hingegen deutlich hervortut und für den Film spricht ist seine pure visuelle Kraft. Denn die ist viel zu gut für das Heimkino! The Tomorrow War lebt von seiner Action und meine Güte, in diesem Ausmaß gehört so ein Film, auch trotz seiner Mängel, auf die große Leinwand. Dabei wirkt der Film an wenigen Stellen überhastet und zerschnitten, vielmehr legt er Wert darauf, immer klar darzustellen wie der Mensch gegen die übermächtigen Alien-Invasoren anzukämpfen hat, auch wenn ihm da häufig die Mittel ausgehen. Da fliegen sprichwörtlich die Fetzen und zwar nicht gerade selten, weshalb ein FSK-16 mit Sicherheit auch ausschlaggebend für den Film war. Zwar mag der Plan, so viele Menschen aus der Vergangenheit wie möglich in die Zukunft zu schicken, um den Krieg zu schlagen, den man faktisch nicht gewinnen kann, wie eine monströse Zeitverschwendung klingen. Aber die vielen Aufeinandertreffen der verfeindeten Spezies, in dieser Vielzahl, macht aus einer ziemlich lahmen und plumpen Geschichte ein Action-Highlight, wo man auch schnell mal einfach nur den Kopf ausschalten will. Die Action wirkt in jeder Sekunde und kann in unverschämter Lässigkeit mit anderen Filmen aus dem Sci-Fi Genre locker mithalten. Wie schon erwähnt, für das Heimkino ist The Tomorrow War einfach ein Ticken zu gut, was seine Technik (Kamera, Schnitt, Effekte) angeht. Es ist kaum zu erahnen, wie gigantisch dieser Film auf den Zuschauer hätte wirken können, wenn das ein oder andere äußerst störende Element ausgebessert oder gar komplett rausgestrichen worden wäre. Am Ende rettet die schiere Bildgewalt vom neuen Amazon Original dem "Krieg von morgen" den Hals und kann zumindest über weite Strecken von knapp 140 Minuten für gute Unterhaltung sorgen. Mehr ist allerdings nicht drin!

Fazit:

The Tomorrow War bleibt einiges schuldig und könnte die Erwartungen mancher Filmfans herb enttäuschen. Das 200 Mio. teure Prime Video Experiment hat einen guten Ansatz für einen soliden Actionstreifen mit Sci-Fi Elementen, macht aber etwas zu wenig aus eben jenen. Es hätte deutlich mehr sein können, als das ständige hin und her zwischen sinnlosen Gag und zügellosem Alien-Fight. Eine völlige Katastrophe bleibt jedoch erspart, da dieser Blockbuster aufgrund seiner Optik fast schon prädestiniert für die großen Lichtspielhäuser ist. The Tomorrow War macht Spaß für Zwischendurch, mehr aber auch nicht. Kurze und schnelle Kost!

MCG-Raiting

★★★★★★

5.0 Punkte



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