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"The Climb": Freundschaft für immer! (REVIEW)

Hat irgendjemand was in Deutschland mal von dem Kinostart von The Climb mitbekommen? Die kleine Komödie von Michael Angelo Covino wurde erstmals im letzten Jahr im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes auf der Leinwand präsentiert. Im Frühjahr diesen Jahres, genauer gesagt Anfang Mai, sollte der Film an den Start gehen. Der neue Termin ist nun Mitte August. Was der Film kann und warum die Lobeshymnen aus den USA für The Climb, eventuell etwas übertrieben sind, erfahrt ihr in dieser Filmkritik. 

The Climb Filmbild
Bild: Freundschaft durch Dick und Dünn? Kyle und Mike sind beste Freunde. | Prokino Filmverleih

Eine eigenartige Freundschaft

Die beiden Hauptdarsteller, zeitgleich Regisseur und Produzent, Kyle Marvin und Michael Angelo Covino haben mit The Climb in gewisser Weiße auch ihre reale Freundschaft filmisch reflektiert. Dabei sollen die meisten Szenen, die man im Film präsentiert bekommt, so oder in ähnlicher Form sich tatsächlich abgespielt haben. Was davon stimmt und was nicht, wird im Vorfeld allerdings nicht erläutert. The Climb erzählt seine Geschichte in Kapiteln und enthält eine recht eigenartige Geschichte zweier bester Freunde. Eigenartig in dem Sinne, dass viele Handlungen von vornerein eher gegen die Freundschaft der beiden sprechen. Klar, vieles wie bspw. das der eine mit der Verlobten des anderen eine Affäre hat, mögen sich im realen Leben hin und wieder auch leider so abspielen, trotzdem wirken manche der Szenen zu sehr aus der Luft gegriffen, als das sie sich so in dieser Form in der realen Geschichte zugetragen haben. Ein Großteil von The Climb ist wohl schwer vorstellbar, geschweige denn unglaubhaft. Und sollte das so sein, würde jeder mit normalem Menschenverstand, diesen "besten Buddy" schlichtweg fallen lassen, bzw. die Freundschaft beenden. Das hat nicht unbedingt was mit Treue oder Loyalität zu dem jeweils anderen zu tun, sondern ist an vielerlei Stellen nichts handfestes, was man mit einem "normalen" Verhältnis gleichsetzen kann. Und wenn es sein sollte, dass die filmische Szenerie zu 100% (oder einem ähnlich hohen Anteil) mit den realen Geschehnissen der Hauptdarstellern übereinstimmt, muss man sagen: Chapeau! Viele Menschen könnten diese Art von Freundschaft heutzutage mit Sicherheit nicht führen.

Irgendwie cringe, aber irgendwie auch komisch

Ihr kennt es mit Sicherheit auch. Ihr erlebt bestimmt viele Szenen aus den unterschiedlichsten Filmen, wo ihr euch für die Figuren fremdschämt, aber zeitgleich auch darüber lachen könnt. The Climb ist genau diese Sorte von Filmen. Man kann vor lauter cringiness einfach nicht wegschauen, und trotzdem gut darüber lachen ohne sich dabei schlecht zu fühlen. Der Film hat zahllose Momente, wo wir eventuell auch so in der Realität erlebt haben, und vielleicht gerade deshalb lauthals mit lachen können. Michael Angelo Covino hat eine riesige Bandbreite an solchen Szenen im Film eingebaut, bei denen man einfach nur mit dem Kopf schütteln will, aber sie im Endeffekt auch äußerst witzig findet. Wenn eine Komödie diese, doch eher sehr schwierige, Vorgehensweise angeht und meistert, ist der Unterhaltungswert enorm hoch. So auch bei The Climb. Diese waghalsige Aufgabe, an die sich nicht viele Komödien in der heutigen Zeit herantrauen, wertet das Gesamtprodukt in hohem Maße auf. Der Film ist eine spaßige Angelegenheit, fußt aber auf einer Handlung, die wie bereits erwähnt, häufig an den Haaren herbeigezogen wirkt. Gerade diese Übertreibungen, sofern es tatsächlich Übertreibungen sind, haben einen markanten Stellenwert und besitzen auch oftmals eine ungewöhnlich unberechenbaren Tiefe, mit welcher man, bei genauerem Betrachten, viele Referenzen einer freundschaftlichen Beziehungen finden kann.

The Climb Filmbild
Bild: Die Hochzeit in "The Climb" verläuft nicht ganz nach Plan. | Prokino Filmverleih

Lange Szenen (One-Shots) als Verstärkung

Was einem mit Sicherheit sofort ins Auge sticht, sind die langen Sequenzen des Films. Es wird einem schnell klar, dass diese als One-Shot inszeniert sind. Die Kamera fungiert dabei entweder als vorausschauender Fahrer, bspw. in der langen Eröffnungsszene, welche mittlerweile auch das Hauptplakat widerspiegelt. Oder einfach mal eine Thanksgivingfeier komplett von außerhalb des Gebäudes aufnimmt, um so auch jedes kleine Gespräch im Hintergrund festzuhalten. Oder einem Umzuglaster zu verfolgen, bei der der umziehende Protagonist schlicht nur drei Häuser weiterzieht als zuvor. Ob das jetzt nur aus Kostengründen so gemacht wurde oder tatsächlich ein größerer Zweck dahinter steht, ist erstmal nebensächlich. Fakt ist, diese Art der Inszenierung passt für diesen Film, wie die Faust auf Auge. Pausen gibt es letztlich nur bei den einzelnen Übergängen bzw. Kapiteln, die gut und gerne auch einmal mehrere Monate, sowie Jahre überspringen. Dies mag dann zwar häufig etwas zu sprunghaft sein, hat aber auch den Vorteil, dass The Climb eben nicht zu sehr in die Länge gezogen wird. Mit knapp unter 100 Minuten Laufzeit ist er eigentlich sogar perfekt in seinem Rahmen geblieben. In dieser Hinsicht muss man den Film loben, da solche langen Szenen bei der Produktion in jeder Sekunde richtig dargestellt werden müssen, sonst beginnt man schnell wieder von vorne. 1917 kann da ein gutes Lied davon singen, da wurden nämlich sogar ein paar ungeplante Szenen einfach mit in den offiziellen Film reingenommen. Ich denke auch bei The Climb hat sich die ein oder andere Szene hereingeschleust, wo man im Vorfeld nicht geplant hatte. 

Aus dem Auge des Betrachters

Das The Climb kein reiner Mainstream ist, sollte bereits in den ersten Minuten des Films klar sein. Der Film ist nicht für die breite Masse gedacht und eher etwas für Fans des Art House Kinos. Man merkt das vor allem daran, dass die unterschiedlichsten Betrachter des Films auch die unterschiedlichsten Eindrücke sammeln. Klingt erstmal nicht schlecht, aber zu viel Meinungen in zu großer Variation machen den Film für viele einfach nicht zugänglich. Das Prädikat zu besitzen, dass der Film nur für eine sehr kleine Zielgruppe an Kinogängern gedacht ist, kann man für den falschen Ansatz halten. Es war aber womöglich gar nicht anders durchsetzbar für diese Art von Film. Selten in diesem Jahr, und da muss ich jetzt einmal meine eigenen Eindrücke aus dem Kino mit einfließen lassen, war, dass die Zuschauer (und das obwohl durchweg viel gelacht wurde und man nicht den Eindruck hatte, dass der Unterhaltungswert miserabel ist) nach dem Film so völlig unterschiedliche Kritikpunkte hatten, obwohl sie alle denselben Film gesehen haben. Keiner hat The Climb am Ende so recht für gut befunden, geschweige denn als Meisterwerk betrachtet (ich am Ende letztlich auch nicht), und trotzdem waren allesamt gut mit dem Film unterhalten. Es ist sehr schräg das am Ende viele Besucher nicht so recht beschreiben können, warum der Film denn jetzt gut oder schlecht war. Und ich denke, dass diese Problematik leider auch dem Film deutlich schlechter rüberkommen lassen, als dass er eigentlich ist. Klar, jeder Kritiker oder Besucher hat seine eigene Meinung. Man kann selten bei Filmen objektiv bleiben. Jede Review ist eigentlich schon subjektiv. Aber zum Schluss gibt es genauso viele schräge Kritikpunkte, als schräge Momente im Film. 

Fazit:

Die kleine Komödie/Tragikomödie The Climb folgt nicht den gängigen Praktiken des Genres. Und irgendwie ist gerade der Punkt, der am meisten gegen diesen Film spricht, auch seine große Stärke. Der Cringe-Faktor ist unsagbar hoch, aber dies macht eben auch den Charme dieser kleinen Produktion aus. Die Story, die in weiten Teilen das "echte" Leben repräsentieren soll, wenn auch mit vielen sehr eigenartigen Abwegen, ist in seiner Erzählstruktur leider weniger unterhaltsam und wirkt teilweise eher zusammengedichtet. Dennoch schafft es der Film mit sehr langen Einstellungen selbst die unbedeutendsten Dialoge humorvoll einzufangen und trotz seiner Schrägheit die Zuschauer gut zu unterhalten. Leider ist er für viele schwer wieder darzulegen und wohl zu sehr abhängig davon, was jeder Einzelne aus dem Film mitnehmen kann.

MCG-Raiting    

★★★★★★★★ 

6.5 Punkte

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