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"The Midnight Sky": Ein ernüchternder Weltuntergang! (REVIEW)

George Clooney vor und hinter der Kamera. Und ganz ehrlich so hat man ihn noch nie gesehen. Langer weißer Bart und in einem Film mit Weltuntergangsszenario. The Midnight Sky ist der letzte große Netflix-Blockbuster in diesem Jahr und wurde natürlich hoch beworben vom Streaming-Giganten. Doch ob sich das am Ende ausgezahlt hat? 

The Midnight Sky Wallpaper
Bild: George Clooney ist die Hauptfigur des Films, in dem es kaum noch Menschen auf unserem Planeten gibt. | Netflix

Im ewigen Eis gefangen!

Die Welt ist untergegangen. Das wieso, weshalb, warum, wird in The Midnight Sky nie richtig erläutert. Man befindet sich also mit George Clooney bereits auf einem fast menschenleeren Planeten. Im Grund sind es in diesem Sci-Fi Drama zwei große Hauptplots. Eine Geschichte spielt sich auf der Erde ab und die andere im Weltall, nahe des mittlerweile erforschten Jupitermond K23. Auf diesem soll zudem auch menschliches Leben möglich sein. Der Film beschäftigt sich also nicht wirklich mit einem Weltuntergangsszenario, sondern vielmehr mit der Einsamkeit eines Menschen und zeitgleich die Sehnsucht nach Kontakt. Hinschwerend hinzu kommt, dass die Crew, welche die Mission zum Jupitermond K23 durchführte, noch keine Informationen bezüglich des Weltuntergangs besitzt. Ein Plot beschäftigt sich also damit, wie zu dieser Crew wieder Kontakt wiederhergestellt werden kann. Sie müssen ja schließlich über die Geschehnisse auf dem Planeten Bescheid wissen. Und das ist letztlich die Herausforderung, der sich Dr. Augustine Lofthouse (George Clooney) stellen muss. Jetzt könnte man vielleicht annehmen, ein Wettlauf gegen die Zeit an einem der kältesten Orte der Erde besitzt auch spannende Momente, aber dem kann man nur bedingt zustimmen. Auf ein Action-Spektakel wird hier fast vollständig oder zumindest zu großen Teilen verzichtet. Der Film orientiert sich mehr an der Melancholie des Menschen. Diese traurige Stimmung zieht sich wie ein roter Faden durch ganze zwei Stunden. Allein von der Atmosphäre ist diese Netflix Produktion mit einem Film wie Ad Astra zu vergleichen, auch wenn wir uns zur Hälfte des Films tatsächlich nur auf der Erde befinden. Was der Film mit Brad Pitt in der Hauptrolle aber wesentlich besser macht ist eine abwechslungsreiche Story. Bei The Midnight Sky bleibt es kontinuierlich ruhig und ereignisarm.

Mehrere Geschichten in einer

Natürlich passieren auch, hin und wieder Dinge. Das Raumschiff, welches zur Erde zurückkehren will, unter dem Kommando von Sully (Felicity Jones) muss sich von einer brenzligen Situation zur Nächsten kämpfen. Und dabei ist bis zum Schlussakt noch nicht wirklich klar, was sie auf der Erde erwartet. Hier gibt es zumindest einige kleine Actionszenen im Weltall und die sehen optisch auch wirklich gut aus. Erste Sahne möchte man da schon sagen, aber lehnen wir uns mal nicht so weit aus dem Fenster. Auch die Szenerie auf der Erde erzeugt mit gelungen Aufnahmen für beeindruckende Bilder. Die Produktion auf einem Gletscher im Finnland hatte auch von George Clooney all seine körperlichen Fähigkeiten abverlangt. Zweifellos hat man sich ins Zeug gelegt, aber im Umkehrschluss wohl auch übersehen eine interessante Geschichte zu erzählen. The Midnight Sky will natürlich von Einsamkeit und Isolation erzählen, damit lockt man aber nur wenige Zuschauer wirklich aus der Reserve. Keine der Geschichten fesselt einen so wirklich, sodass diese uns so kalt lassen wie das Wetter an den Drehorten. Es gibt wenig emotionale Bindung an die Charaktere, da es grundlegend wenig Emotionen im Film gibt. Höchstens zum Finale gibt es eine gefühlstechnische Regung, die vermutlich auch im Kino gelungen wäre. Rein Optisch hätte man diesen Film auch für die große Leinwand produzieren können! Dennoch ist man nach dem Film nicht sonderlich schlauer und erlebt zwei Storylines, die später zu einer verschmelzen. Für das was am Ende klar feststeht (es gibt eine unspektakuläre aber liebevolle Auflösung) waren aber dementsprechend auch beide Geschichten, auf der Erde sowie auch im Weltall, notwendig. Es hätte aber auch ein Ticken mehr Abwechslung vertragen können. 

The Midnight Sky Filmbild
Bild: Allein für sich. Dr. Lofthouse ist auf einem der letzten noch bewohnbaren Flecken der Erde zu Hause. | Netflx

The Midnight Sky: Eine Sci-Fi Eintagsfliege?

Eigentlich ist es mehr Drama, als das es waschechte Science Fiction ist. The Midnight Sky würde ich das aber nicht all zu übel nehmen. Für einen großen Knall findet man bei einer solch schnörkellosen Erzählweise ohnehin nicht den richtigen Platz. Da bleibt man letztlich lieber seiner Linie treu, auch wenn das bedeutet, den Zuschauer weitestgehend zu ermüden. Die Geschichte macht dadurch auch keine ungünstigen Abkürzungen, die Logiklücken hinterlassen würden. Seiner Struktur bzw. seinem Aufbau bleibt dieses Netflix Original bis zum bitteren Ende treu. Was aber zwangsläufig nicht bedeutet, dass wir es hier mit einem bärenstarken Film zu tun haben. Vom Gegenteil zu sprechen ist ebenfalls nicht zutreffend. Was also bleibt nach The Midnight Sky im Gedächtnis? Hoffnungslosigkeit? Einsamkeit? Oder doch ein kleiner Hoffnungsschimmer? Vielleicht auch alle diese genannten Punkte. Er ist zwar äußerst melancholisch, aber irgendwie verlangt er von seiner Hauptfigur immer und immer wieder aufzustehen und zu kämpfen bis das letzte, noch mögliche, Ziel erreicht ist. Für ein Drama auf einem der abgelegensten Flecken der Erde mit Sicherheit ein würdiges Motto. Denn wer hier aufgibt der ist verloren. George Clooneys Figur mag zwar einsam und isoliert von allen Anderen sein, und doch präsentiert er hier einen mehr als starken Charakter, der trotz all seiner Verluste, bis zum Ende einfach weitermacht. Und hierfür kann man es auch entschuldigen, dass die Astronauten in der anderen mittragenden Geschichte nur ein einziges Mal ihr Raumschiff verlassen.

Fazit:

Er wird kein Sci-Fi Klassiker und mit Sicherheit gehört er auch nicht zu den besten Sci-Fi Filmen in diesem Jahr. The Midnight Sky hat mehr von einem Drama, als von einem spektakulären Sci-Fi Abenteuer. Stört es? Nein, nicht unbedingt. Solange es eine starke, wenn auch an manchen Stellen emotionslose, Hauptfigur gibt und die Botschaft am Ende rüberkommt, ist das Ergebnis zumindest solide. Um die Zuschauer aber vollkommen von sich zu überzeugen, fehlt es doch an den "magischen" Momenten bei dieser Netflix Produktion. Aus diesem Film hätte man deutlich mehr machen können. So bleibt er leider nur eine Randnotiz des ausklingenden Jahres.

MCG-Raiting

★★★★★★★

6.0 Punkte

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