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"The Mule" überzeugt mit ruhiger Ästhetik (REVIEW)

 Er ist wieder da. Als Hauptdarsteller und Regisseur zugleich. Clint Eastwood war als Schauspieler zuletzt nur im 2012 Back In The Game zu sehen. Regier führte Eastwood derweil ziemlich regelmäßig. Und in diesem Jahr folgte nun mit The Mule ein Film der auf einer wahren Begebenheit beruht. Die Biographie über einen alten Mann, der gegen Ende seines Lebens tatsächlich als Drogenkurier arbeitet bietet eine abwechslungsreiche Geschichte mit einigen sehr alltäglichen Problemen.

 

Clint Eastwood passt zu 100% in seine Rolle

Gerade weil Eastwood schon weit über 80 Jahre alt und durch seine enorm ernsten Gesichtszügen perfekt in die Rolle hinein passt, macht es die ganze Geschichte sehr authentisch. Und selbst wenn im Laufe der Handlung der ein oder andere Witz mit leichter rassistischer Tendenz eingestreut wird, so hat die Figur als Großvater kaum einen besseren Schauspieler, wie Eastwood, finden können. Zudem ist seine im Film dargestellte Tochter von Eastwoods eigener Tochter Alison verkörpert, was die Bindung dieser beiden Charaktere noch um einiges stärker auf den Zuschauer wirken lässt. Selbst die Enkelin, die von Taissa Farmiga (The Nun) dargestellt wird, passt ebenfalls gut ins Bild. Die Beziehung zwischen Großvater-Tochter-Enkelin ist das was den Film nachhaltig prägt. Und Eastwood gelingt es, wie so häufig in seinen Filmen, gerade seiner Figur, die innerhalb seines Lebens Arbeit vor Familie gestellt hatte, eine ganz besondere Entwicklung zu geben. Eine Entwicklung die dem Ende hingegen sogar ziemlich nachvollziehbar und eine sehr einfühlsame Nachricht hinterlässt: Familie steht an erster Stelle.

 

Langsam aber keineswegs langweilig

Die Erzählweise von The Mule könnte den ein oder anderen Zuschauer eventuell abschrecken. Denn trotz seiner fast zwei Stunden beschleunigt sich die Handlung eigentlich zu keinem Zeitpunkt. Sie bleibt ihrer Hauptfigur entsprechend stets ruhig und unkompliziert. Wer Eastwood kennt und seine Filme gesehen hat, wird auch mit The Mule zurecht kommen. Die Geschichte die hinter diesem Film steckt, hätte bei einem anderen Regisseur mit Sicherheit leicht für einen Action-Thriller missbraucht werden können. Zu seinem eigenen Vorteil verzichtet The Mule auf großkalibrige Actionszenen. Und trotz seiner vielleicht etwas ruhigen Ästhetik bleiben die einzelnen Kapital dennoch sehr unterhaltsam, sodass die Zeit wie im Flug vergeht. Eigenartig ist dabei nur, dass er trotz seinem langsamen Erscheinungsbild sogar eine gewisse Spannung aufbauen kann. 

 

Bild: Earl (Clint Eastwood) am zwangsvollstreckten Arbeitsplatz. | © 2000-2018 Warner Bros.

 

Gesellschaftliche Veränderungen als Hintergrund

Eines der Themen, dass der Film behandelt, wird gleich in der Anfangsviertelstunde präsentiert. Schließlich beginnt Earl im Film selbst als selbständiger und renommierter Gärtner, der durch den Aufstieg des Online-Handels seine Arbeit aufgeben muss. Damit greift The Mule auch abseits seiner Rahmenhandlung gesellschaftliche Veränderungen auf, die noch heute, im Jahr 2019, existent sind. Da es für eine derartige Änderung des Arbeitsfelds (von Gärtner zu einem angesehenen Drogenkurier) zumindest eine Grundlage benötigt, fiel die Wahl auf gerade diesen Umbruch. Dieser fügt sich, im Zusammenspiel mit einem eher rückständig lebenden Mann, sehr gut ins Gesamtbild ein. Es ist zudem das eine oder andere mal auch sehr lustig mit anzusehen, wie Earl sich versucht mit der "neuen" Technik (dem Smartphone) vertraut zu machen. Vielen Zuschauern dürfte das aus eigener Erfahrung natürlich bekannt vorkommen. Mit Sicherheit musste der ein oder andere bereits selbst Vater, Mutter oder Großeltern in die Geheimnisse der Smartphones einweihen. 

 

Eine Botschaft für viel Familienväter

Das was The Mule in seinem Kern allerdings ausmacht, ist seine Eigenschaft familiäre Konflikte zu erzählen. Die Hauptfigur hat sich durch sein anstrengendes Workerholic-Gen selbst ins Abseits gespielt. Dank seinen vielen Fehlentscheidungen, die wir teilweise nur aus Erzählungen der einzelnen Charaktere zu Gehör bekommen, hat sich vor allem die Tochter vom eigenen Vater entfremdet. Und auch als Earl seine neue Tätigkeit aufnimmt, und plötzlich ein gejagter Krimineller ist, entsteht mit seinem Jäger (i. d. Fall Bradley Cooper, als DAA-Agent) eine interessante Parallelität. Die Figur von Bradley Cooper weißt, besonders in einer Szene, einige Merkmale von Clintwoods Figur Earl auf. Dies wird sogar so aufgegriffen, dass eben genau dieser Figur ein Tipp an die Hand gegeben wird, wie er sich seiner Familie, zu der er durch die Arbeit langsam distanziert, verhalten soll. Eine sehr emotionale und vor allem wichtige Botschaft die hier in den Film eingearbeitet wird. Diese Botschaft, sollte man sie zum rechten Zeitpunkt als Zuschauer wiedererkennen, ist eine die sich jeder Familienvater zu Herzen nehmen kann. 

 

Bild: Vater und Tochter auch im Film. Clint Eastwood (r.) mit seiner Tochter Alisson (l.). | © 2000-2018 Warner Bros.

Fazit:

Filme von Clint Eastwood sind im Allgemeinen sehr ruhig. The Mule ist da keine Ausnahme. Dieses Drama versteht es sogar, seine langsame Erzählstruktur zu seiner größten Stärke zu machen. Ruhig und unkompliziert, einfach und einfühlsam. The Mule beinhaltet viele Thematiken die uns, als Zuschauer betreffen könnten. Mit Bradley Cooper, Taissa Farmiga und Alisson Eastwood hat man zudem sehr gute Nebendarsteller, die enorm viel zur Geschichte beitragen. Zu guter Letzt hat The Mule eine besonders emotionale und positive Botschaft an Familienväter.

 

MCG-Raiting

★★★★★★★★★

8.0 Punkte

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