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"The Story Of Fire Saga": Der Ersatzfilm für den Eurovision Song Contest (REVIEW)

Beinahe 200 Mio. Zuschauer schauen jährlich den Eurovision Song Contest. Das ist ein Viertel der Gesamtbevölkerung des europäischen Kontinents. In diesem Jahr findet der größte Musikwettbewerb zum ersten Mal seit seiner Gründung im Jahr 1956 nicht statt. Als Ersatz bietet man stattdessen dieses Jahr u.a. ein Netflix-Original an, der zudem auch vom ESC höchstpersönlich abgesegnet wurde. Mit Will Ferrell und Rachel McAdams hatte man ohnehin eine gut Mischung an Gute Laune parat. Aber am Ende ist der Film doch ziemlich seichte Kost geworden.

The Story Of Fire Saga Wallpaper

ESC - Der Traum aller Träume!

Will Ferrell. Muss man zu diesem Schauspieler noch irgendetwas sagen? Mittlerweile hat er schon Kult-Status erreicht, auch wenn in letzter Zeit nicht mehr die ganz großen Hit auf die Leinwand zaubern konnte. Das er skurrile, ja gar ziemlich absurde und überschriebene Rollen spielen kann, ist mit Sicherheit kein Geheimnis mehr. Aus dem Komödien-Genre ist er praktisch nicht mehr wegzudenken. Irgendwie brauch man hin und wieder seine oftmals zu albernen Figuren auf der Leinwand zur Aufheiterung. Wenngleich er womöglich nicht jedermanns Humor treffen mag, irgendwie mag man ihn in seiner doch eher einfacheren Art als Darsteller. In The Story Of Fire Saga spielt er den isländischen Lars Erickssong, der Zeit seines Lebens immer den Wunsch hatte einmal beim Eurovision Song Contest anzutreten und ihn letztlich auch zu gewinnen. Es ist sein Lebensziel, welches für den kleinen Provinzsänger fast schon einer Herkulesaufgabe gleicht. Zusammen mit seiner besten Freundin Sigrit (Rachel McAdams) hat er eine Band am laufen, mit dem einprägsamen Namen Fire Saga! Ein Duo, welches ihre kuriose Eigenart besitzt, aber selbst in ihrer kleinen Heimat Island ziemlich erfolglos bleibt. Dennoch bietet sich im Lauf der Geschichte den Beiden die Chance ihres Lebens. Hier kommt dem Duo ein überaus unglaubwürdiger Zufall zu Gute. Einer der tatsächlich nicht einfacher hätte geschrieben werden können und beim späteren Song Contest scheinbar überhaupt keine Rolle mehr gespielt hat. Die Begründung (im Film) für die Teilnahme von Fire Saga beim ESC grenzt schon förmlich an Einfallslosigkeit im Drehbuch. Aber wir sehen hier ja eine Komödie! Drücken wir mal ein Auge zu.

Hauptsache schräg: Wird der ESC als Lachnummer dargestellt?

In aller erster Linie will man mit The Story Of Fire Saga die Leute unterhalten. Was man vielleicht bei der Produktion des Filmes weniger im Fokus hatte, war die Tatsache das der ESC im Film dann doch nicht den Stellenwert verkörpert, den er in der Realität inne hat. Womöglich wollte man mit einer gewissen ironischen Unterton an die filmische Handlung herangehen. Allerdings wäre dieser Schuss beinahe nach hinten losgegangen. Häufig wirkt es nämlich so, als stelle man den Contest als überdimensionale Lachnummer dar, bei der nur die verrücktesten Persönlichkeiten auftreten sollten. Bis auf wenige Ausnahmen ist und bleibt es in der realen Welt dennoch ein sehr renommierter Wettbewerb, der natürlich seine Ecken und Kanten hat, aber mit Sicherheit nicht auf Verrücktheit, sondern auf das musikalische Talent und dem Charisma seiner Teilnehmer setzt. Stattdessen hätte man hier zum Beispiel die häufig kritisierte "nachbarschaftsfreundliche Punktevergabe" mit einer unterschwelligen und scherzhaften Anspielung auf den Arm nehmen können. Die Story bewahrt aber zumindest einen Funken Verstand, indem sie eine doch ziemlich sympathische Underdog-Geschichte inszeniert, bei der Island bzw. Fire Saga uns zumindest ein bisschen ans Herz wächst. Denn welcher "neutrale Beobachter" ist schon auf der Seite des hochgepriesenen Favoriten, der sowieso gewinnen wird? In dieser Hinsicht erzählt der Film, trotz einiger Albernheiten, eine im Ansatz sehr unterhaltsame Geschichte, die man auch bis zum Ende anschauen will. Fans von Will Ferrell könnten eventuell sogar begeisternd mitfiebern!   

The Story Of Fire Saga Bild
Bild: Auftritt im Halbfinale. Lars (Will Ferrell) und Sigrit (Rachel McAdams) bereiten sich vor. | Netflix

Musikalische Einlagen sind überraschend gut!

Natürlich dürfen bei einem solchen Film musikalische Einlagen nicht fehlen. Von Bühnenauftritten, Proben, bis hin zu einem fantastischen Song-Along, bei dem sich die Stars zum Besten geben. Hier gibt es zudem eine Vielzahl an Cameos von ehemaligen ESC-Teilnehmern, sowie Siegern aus der Vergangenheit. Zeitgleich sind diese Momente auch eine Hommage an Musiklegenden oder Songs, die ebenfalls eng mit ESC verbunden sind. Da ist gute Laune tatsächlich vorprogrammiert! Das hätte man bei einer solchen Komödie im Vorfeld auch nicht unbedingt erahnen können. Sie sind das wahre Highlight im Film, denn häufig bleiben die Gags ziemlich flach und unterdurchschnittlich. Die Show an sich, ihre Künstler, die Songs und vor allem die von den isländischen Protagonisten Fire Saga sind der Trumpf des Films. Und natürlich hebt man sich den allerbesten Song für den passenden Moment auf, wo auch die Komödie qualitativ ihre besten Minuten präsentiert. Denn neben dem ganzen ESC-Wahn von Lars, fügt man eine Liebesgeschichte hinzu, die sich hier wirklich gut in die Geschichte eingliedert. Sie mag zwar ebenfalls ziemlich stereotypische Szenen vorweisen, ist aber auch nicht zu drüber, sodass sie durchaus ihre Berechtigung im Film besitzt. Und selbstverständlich, man hätte es nicht gedacht, spielt das bei einem der Songs eine sehr tragende Rolle.

Keine Lachorgie! Mehr was für Zwischendurch

Was den Humor betrifft, so sollte man bei The Story Of Fire Saga, seine Erwartungen deutlich herunterfahren. Wie gesagt, da haben die Songs deutlich mehr Qualität inne, als die meisten aller Scherze. Zu oft will der Film einfach nur den öden Slapstick-Moment vorzeigen, anstelle eines flotten und aufs Thema perfekt zugeschnitten Spruch an den Mann zu bringen. Es gäbe doch so viele gute Ansätze, welche man für etwaige Witze über Länder, Teilnehmer oder Songs hätte anwenden können. Hier wäre dann deutlich mehr Substanz dargeboten wurden, als immer nur auf die Schrägheit von Will Ferrell zu setzen. Ja es mag irgendwo zu seinem Charakter dazugehören, aber in dieser Komödie war es dann doch der ein oder andere Ticken zu viel! Es ist aber weiß Gott nicht so, als säße man absolut gelangweilt mit steifer Mine vor dem Fernseher. Man hat auch einige sehr lustige Stellen im Film, welche selbst dem hartgesottenen Filmgänger ein Lächeln auf den Mund zaubern können. Vielleicht nicht zwangsläufig bei Isländern, denn deren Heimat und Kultur wird im Film kräftig aufs Korn genommen. So gesehen kann man sich mit der Komödie gut aufgehoben fühlen. Es ist zweifellos keine schlechte Wahl. Anders betrachtet darf man hier auch nicht wirklich viel erwarten, denn mehr als seichte Unterhaltung für Zwischendurch ist es eben auch nicht.

Fazit:

Der ESC als Film! Es ist keine schlechte Grundidee, nur ob genau diese Art von Film dann die richtige Wahl war kann man für zweifelhaft halten. Fakt ist, im Film kommt das "solide" Grundgerüst des Contest zwischendurch mächtig unter die Räder. Es wird förmlich zu einer Lachnummer degradiert. Zwar mag eine gewisse Selbstironie durchaus nicht falsch sein, man hat es mit The Story Of Fire Saga aber deutlich zu weit getrieben. Der Film rettet sich durch sehr starke musikalische Acts, die den eher durchschnittlichen komödiantischen Part erheblich aufwerten. Am Ende tut der Film keinem weh und es ist auch defintiv kein Stimmungskiller, aber es ist auch nicht mehr als lockeres Abendprogramm, was schnell wieder aus dem Kopf verschwindet.

MCG-Raiting 

★★★★★★★     

 

5.0 Punkte

 

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