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"Thunder Force": Bereits jetzt der schlechteste Film des Jahres? (REVIEW)

Ben Falcone und seine Frau Melissa McCarthy sind für die ein oder andere ernüchternde Komödie der letzten Jahre verantwortlich gewesen. Und irgendwie ist es so ziemlich das Gleiche, nur die Prämisse ändert sich kontinuierlich. Dieses Mal versucht man es als Parodie für einen Superheldenfilm. Für Netflix die wöchentliche Dosis an Content. Leider erneut mit der ernüchternden Gewissheit, dass die Qualität von Woche zu Woche weiter sinkt.

Thunder Force Netflix
Bild: Lydia (Melissa McCarthy) und Emily (Octavia Spencer) gründen die "Thunder Force". | NETFLIX

Filminfos:

Netflix-Start: 9. April 2021

Laufzeit: 105 Minuten

FSK: 12

Genre: Action, Komödie

 

Regie: Ben Falcone

Mit: Melissa McCarthy, Octavia Spencer, Jason Bateman, Bobby Cannavale und Pom Klementieff.

Story:

In einer von Superschurken terrorisierten Welt hat die Wissenschaftlerin Emily Stanton ein Mittel zum Aktivieren von Superkräften entwickelt. Völlig normale Menschen können so über sich hinauswachsen. Als sie unabsichtlich ihre Kindheitsfreundin mit unglaublichen Fähigkeiten beschenkt, tun sich die beiden zu einem weiblichen Superhelden-Team zusammen, und dies genau zum richtigen Zeitpunkt. Sie nennen sich Thunder Force und kämpfen gegen die übermächtigen Miscreants, um ihre Heimatstadt Chicago von einem Schurken, der sich The King nennt, zu befreien.



"Thunder Force": Nur eine weitere Komödie mit Low-Quality!

Kein Genre hatte im letzten Jahrzehnt so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wie die Superheldenfilme. DC und Marvel sind die Vorreiter und zahlreiche andere Ideen kleinerer und mittelgroßer Produktionen versuchten ein Teil vom Kuchen abzusahnen. Dazu gehören auch Parodien. Also eben jene Filme die dieses Genre gehörig aufs Korn nehmen wollen. Netflix hat dafür Ben Falcone und seine Frau, die Schauspielerin Melissa McCarthy auserkoren. Zusammen haben die Beiden schon so manche derbe Komödie auf die Leinwand gebracht. Darunter u.a. Tammy, How To Party With Mom und The Boss. Und all diese Filme haben, neben der Zusammenarbeit des Ehepaares, noch eine weitere Gemeinsamkeit: Richtig miese Filmkritiken! Sie mögen zwar ihre Domäne gefunden haben, allerdings werden die Filme von Jahr zu Jahr schlechter bewertet. Auch Thunder Force ist aktuell auf dem besten Weg dort einen Namen zu machen. Auf IMDb kommt die Superheldenkomödie auf eine Bewertung von 4,4/10 und bei Metacritic schneidet man mit 34/100 sogar noch schlechter ab! Dabei macht der Film von Anfang an unmissverständlich klar, dass er nur für einen Zweck da ist. Nämlich um die Avengers oder die kürzlich neu interpretierte Justice League eine Watschen zu verpassen. Doch der Schuss ging nach hinten los. Nach einem einigermaßen anschaubaren Aufbau der Story, in der die Freundschaft zwischen den Hauptfiguren erzählt wird, folgt die gähnend langweilige Erforschung der Superkräfte. Die Titel gebende Thunder Force wird zudem erst zur Hälfte des Film gegründet. Definitiv kein guter Startschuss und auch danach ist keinerlei Steigerung in Sichtweite!

Derb aber unlustig!

Wer schon einmal einen Film mit Melissa McCarthy gesehen hat, weiß worauf man sich bei Thunder Force einlässt. Derber Humor und ziemlich schräge Momente. In der Vergangenheit hatte die Schauspielerin vor allem mit einer Reihe schwer zu ertragender Komödien von sich Reden gemacht. Wer hofft, dass mit dem neuen Film zumindest eine kleine Abwechslung dargeboten wird, ist schon fehlgeleitet. Denn Thunder Force ist nichts anderes, als alle vorangegangen plumpen und unlustigen Gags wieder aufgefrischt im Superheldenstil! In einigen Szenen ist das sogar so auffällig, dass man übertrieben gesagt von einer dreisten Kopie aus einem ihrer anderen Filme sprechen könnte. Ich erinnere da mal an eine Szene aus The Happytime Murders, in der McCarthy eine Tür auftreten will und dabei einen ihrer derben Sprüche raushaut. In Thunder Force gibt es haargenau dieselbe Szene in etwas abgewandelter Form (beim Hau-den-Lukas und mit einem "jugendfreieren" Spruch). Es ist also nicht verwunderlich, dass so gut wie alle Gags und Kuriositäten innerhalb dieses Films einfach nicht zünden wollen. Vielmehr sind sie einfach nur noch unangenehm und in wenigen Fällen sogar ziemlich widerlich. Als hätte man nicht schon alles gesehen, wird rohes Huhn für ihre Figur zum lebenswichtigen Elixier. Zumindest zu Beginn und am Ende zur Sucht. Denn ohne die tägliche Zufuhr von rohem Huhn würde ihre Superkraft ihren Körper zur Explosion bringen. Klingt doch eigentlich logisch, oder? Hinzu kommen ein Date mit einem halb Mensch halb Krabbe verunstalteten Jason Bateman, völlig missglückte Dialoge mit der Superheldenkollegin (Octavia Spencer) und, wer hätte es gedacht, dem großen Schurken der sich allen Ernstes als "The King" (Bobby Cannavale) vorstellt! Letzterer hat eigentlich nur das Ziel Bürgermeister von Chicago zu werden. Das die Story von vorne bis hinten keinen Sinn macht, brauch ich wohl nicht mehr zu erwähnen. Ich hatte es ja auch nicht erwartet, aber dann sollte wenigstens der Humor die Stärke des Films sein. Und gerade der macht das Seherlebnis noch dreimal anstrengender!

Thunder Force Pom Klementieff
Bild: Die Marvel-Darstellerin Pom Klementieff (am Boden) ist ebenfalls in einer Nebenrolle zu sehen. | NETFLIX

Eine Zufallsansammlung von Actionszenen!

Das man hier nicht mit wuchtigen Actionszenen unterhalten wird, sollte ebenfalls im Vorfeld klar sein. Es ist nicht einmal im Ansatz weder das Niveau von Marvel, DC, noch einer anderen filmischen Superheldenadaption. Es ist letztlich eine alberne Parodie, bei der es so ausschaut als hätte man die erstbeste Szene genommen die ansatzweiße im Kasten war. Das trägt u.a. auch dazu bei, dass viele Szenen im Nachhinein nicht viel Sinn ergeben. Bei der ersten "Mission" der Thunder Force lässt das Duo die Einbrecher in einem Laden unbehelligt davonkommen. Warum also feiert die Stadt diese frisch aufgestellte Taskforce zur Verbrechensbekämpfung? Die große Werbebotschaft, welche der Film letztlich auch schnell selbst rezitiert, ist folgende: Zwei Frauen in ihren 40ern bekämpfen die unerwünschten und gefährlichen Miscreants! Eine davon ist sogar ein bekanntes Gesicht aus dem Marvel-Universum. Pom Klementieff welche bei den Guardians Of The Galaxy als Mantis zu sehen ist, schlüpft hier in einen antagonistischen Nebenpart. Eine Handlangerin des fanatischen und als Bürgermeister kandidierenden King. Oh Verzeihung, ich meinte: "The King"! Sie sorgt für einige Kämpfe zwischen Gut und Böse. Die Thunder Force bekommt durch sie alle Hände voll zu tun, auch wenn sie in klischeehafter Manier am Ende doch nur die am Boden liegenden Superhelden verschont, um (aus welchem Grund auch immer) plötzlich zu flüchten. Immerhin endete diese Szene mit dem bereits im Trailer gezeigten Bus-Wurf, welcher sein Ziel nur um wenige hundert Meter verfehlt.

Auf eine Kampfchoreographie hat man hier gänzlich komplett verzichtet und praktisch irgendein plumpes Handgemenge, sowie zufällige Glücksgriffe wie bspw. ein stinkendes Superheldenkostüm als Ablenkung oder eine unabsichtliche Berührung der Mülltonne dazugefügt. Der Gag mit dem stinkenden Kostüm findet, unter dem Vorwand gegen die allseits bekannten und auf Hochglanz polierten Marvel-Outfits zu schießen, sehr häufig seine Anwendung. Allerdings verfehlt auch diese Schelle ihr Ziel, da mit Sicherheit keiner die Frage nach schweißgebadeten Kostümen gestellt hat. Thunder Force wirft das einfach in den Raum ohne großartig darüber nachgedacht zu haben, dass wir das als Zuschauer gar nicht so recht wahrnehmen können. Einfache Schweißflecken zu zeigen, hat wohl am Ende das Budget überschritten.

Fazit:

Erschreckend unlustig und viel zu ideenlos. Von mir aus darf man das Superhelden-Genre parodieren, kein Problem! Wenn allerdings so ein uncharmanter Murks dabei rüberkommt, lasst es doch einfach bitte! Netflix tut sich mit diesem Film definitiv kein Gefallen und erreicht bereits im April seinen Tiefpunkt in Sachen Filme (in diesem Jahr)! Thunder Force ist ziemlich schwacher Content und zeitgleich die perfekte Definition einer Komödie mit Melissa McCarthy. Derber und auf die Spitze getriebener Humor, der allerdings wenig Grund zum Lachen liefert, sondern einfach nur unangenehm zum Anschauen ist. Es ist vielleicht noch zu verfrüht zu sagen, dass man hier den schlechtesten Film des Jahres abgeliefert hat, aber Thunder Force in 2021 dieses Rang abzulaufen wird ziemlich schwer sein!

MCG-Raiting

★★★★★

2.0 Punkte

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