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"Togo": Ein tapferer Hund trotzt der weißen Hölle (REVIEW)

Abenteuerfilme mit Hunden sind immer so eine Sache. Zwar ziehen sie eine breite Masse (für alle Altersklassen geeignet) an, im Hinterkopf bleibt aber stets schlechte Publicity, wegen dem speziellem Training welches die armen Tierchen speziell für den Film durchlaufen müssen. Für das Abenteuer in Alaska, welches zudem auf einer wahren Begebenheit beruht, liegen keine negative Berichte von derartigen Dressuren vor und hinzu kommt, dass Togo sogar ein guter Vertreter seines filmischen Genres ist.

Togo Filmbild
Bild: Seppala (Willem Dafoe) mit dem Unruhestifter Togo auf dem Arm. | Disney

Eine wahre Heldengeschichte

Im abgelegenen Dorf Nome, welches sich in Alaska befindet, bricht 1925 eine Diphterie-Epidemie aus. Viele Kinder des kleinen Städtchens erkranken und sind dem Tode nahe. Auf rasche Rettung kann man aufgrund der isolierten Lage nicht hoffen. Die einzige Chance sind Schlittenhunde, die ein heilbringendes Serum befördern müssen. Unter ihnen befindet sich auch der Titel gebende Togo, welcher bei den Seppalas aufwächst. Die heldenhafte Tat zur Beschaffung des Antiserums, dass sich im tausend Meilen entfernten Anchroage befindet, geht als der s.g. Serum Run To Nome in die Geschichte ein. Mit Temparaturen von bsi zu Minus 50°C, Sturmböhen mit 100 km/h Geschwindigkeit und schwierigen Wegverhältnissen gelang es Leonhard Seppala (im Film gespielt von Willem Dafoe) mit seinem Hundeschlitten und weiteren s.g. Mushern (Führer eines Hundeschlittengespann), dass Serum sicher nach Nome zu befördern. Sein Leithund Togo war dabei oftmals der ausschlaggebende Punkt, dafür dass Seppalas Gespann wahnsinnige Distanzen und die verschiedensten Probleme überwinden konnte.

 

Im Film wird die Geschichte sowohl linear, als auch in einzelnen Flashbacks erzählt, wo zunächst erläutert wird, dass der Hund Togo ein riesiger Unruhestifter war und sein Herrchen mehr als nur einmal zur Weißglut getrieben hat. Willem Dafoe macht hier wiedermal eine sehr gute Figur und verkörpert den Schlittenführer mit seiner ohnehin sehr starken Präsenz, welche wir aus anderen Filmen von ihm zu Genüge kennen. Die Bindung die er hier verkörpern muss, zwischen Mensch und Hund ist keine Einfache, doch dem mittlerweile 64-jährigen gelingt das ohne große Mühen. Allein dafür ist der Film schon eine Empfehlung wert, da man selten bis gar nicht von diesem Schauspieler enttäusch wird. 

Abenteuer in der "Weißen Hölle" von Alaska

Abenteuerfilme leben in gewissem Maße auch von einer spannenden Handlung. Nicht selten geht diese bei derartigen Filmen häufig komplett flöten. Bei Togo darf man beruhigt sein, trotz einer anfänglich ruhigen Erzählweise, kann die Geschichte den Zuschauer in seinen Bann ziehen. Das liegt nicht nur an den gut geschriebenen Figuren, wie Leonhard Seppala und seiner Frau, sondern vor allem durch die Landschaft. Alaska ist ein raues Pflaster, was das Wetter und den Überlebenskampf angeht. In Zusammenspiel mit einem Wettlauf gegen die Zeit wird die meterhohe bedeckte Schneelandschaft zu einer Todeszone für Mensch und Tier. Zu einer wahrhaftigen weißen Hölle! Ein Abenteuer wirkt auf den Zuschauer erst dann wie eines, wenn sich die Protagonisten vor allem durch unwirkliche Gegenden kämpfen müssen und sich am Rande der totalen Erschöpfung befinden. Diesen Punkt erreicht Togo sehr oft, wenn auf Dauer auch etwas zu abwechslungsarm. Doch der beständige Kampf um jede Meile hat durchaus auch seine spannenden Momente, wo vieles auf der Kippe steht. Vor allem dann, wenn das ungeheuer wichtige Serum, zum Höhepunkt des Films, auf dem Spiel steht. 

Bild: Leithund Togo führt den Schlitten durch die kalte Wildnis von Alaska. | Disney
Bild: Leithund Togo führt den Schlitten durch die kalte Wildnis von Alaska. | Disney

"Togo" ist kinotaugliches Material

Disney hatte in diesem Jahr u.a. auch Ruf der Wildnis in die Kinos gebracht. Ein Film, der mit der Übernahme von 20th Century Fox zu einem weiteren familienfreundlichen Abenteuer für Disney wurde. Leider war diese Romanadaption eines Klassikers von Jack London, in keinster Weiße ein Hingucker. Das bestätigten sowohl die meisten Kinogänger als auch die Kritiker gleichermaßen. Besonders CGI-Hund "Buck" trug in hohem Maße zu einem Kinoflop bei. Der 100 Mio. teure Abenteuerfilm scheiterte, wenn auch zusätzlich begünstigt durch die Corona-Krise und den einhergehenden Kinoschließungen, auf ganzer Linie. Togo hingegen, hat bei weit weniger Budget, viel mehr Eindruck gemacht. Zumal es sich hier wieder um echte Hunde handelt, anstelle von Computeranimierten. Nun ja, völlig ohne Effekte, geht es auch bei Togo nicht. Besonders die Szene mit dem gefrorenem See sollte da deutlich zu Schau stellen, dass man auch hier nicht ohne Greenscreen und übermäßigen Einsatz von CGI auskommt. Hin und wieder sieht das auch bei Togo etwas zu künstlich aus, aber man übertreibt es definitiv nicht! Vielmehr hätte man die beiden Filme im Grunde auch tauschen können. Togo wäre der weitaus bessere Kinofilm gewesen, als Ruf der Wildnis. Und bei diesen gewaltigen Unterschieden, vor allem was die Produktionskosten betrifft, soll das schon etwas bedeuten.

 

Der große Pluspunkt den Togo hat, ist eben diese unglaublich wahre Geschichte, bei der es um mehr geht als nur Abenteuerlust. Sobald eine filmische Handlung sich auf reale Geschehnisse bezieht wird die gesamte Struktur durchweg interessanter, als bei einer Romanadaption. Mit dem Hintergrund zu wissen, dass all diese Ereignisse so, oder in ähnlicher Form, stattgefunden haben, fesselt es einen als Zuschauer um so mehr. 

Fazit:

Togo ist ein guter Start für Disney+. Tatsächlich sogar besser, als so manch ein Artgenosse auf der Kinoleinwand. Eine unglaublich wahre Geschichte trifft eine unwirkliche Landschaft, sowie einen hervorragenden Willem Dafoe, der seiner Figur wiedermal eine starke Präsenz verleiht. Der tierische Protagonist des Films, Togo, wird heroisiert, teilweise etwas zu sehr. Auch wenn sich dadurch einige Stellen im Film im Kreis drehen, kann die Geschichte packen und besitzt mehr als nur eine spannende Szene. Eine Empfehlung für jeden der mit Disney+ warm werden will!

MCG-Raiting

 

★★★

 

7.5 Punkte

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