Jahresrückblick 2020: TOP 10 Filme

2020 neigt sich dem Ende hinzu und als Filmkanal sollte man das nochmal Revue passieren lassen. Es mag vielleicht Kino technisch nicht sonderlich viel los gewesen sein. Viele große Blockbuster sind aufs nächste Jahr verschoben, einige die sich dennoch getraut haben sind, auf dramatische Weiße an den Kinokassen gefloppt und wieder andere waren wohl für die breite Masse einfach nicht interessant genug. Trotz all dieser Widrigkeiten bin ich der Meinung, dass 2020 auch viele gute Filme präsentiert hat. Sowohl fürs Kino, als auch fürs Streaming. Auch meine Liste umfasst tatsächliche viele unterschiedliche Genres in diesem Jahr. Bei manchen Filmen hatte allerdings die Kino-Atmosphäre gefehlt.

 

Was hier noch anzumerken ist: Das ist meine Liste und natürlich alles subjektiv von mir betrachtet. Ich habe für dieses Ranking alle Sichtungen einfließen lassen, egal ob Kino, Netflix, Prime oder Disney+. Und auch wenn sich am Ende hauptsächlich Kinofilme in den Top 10 befinden, waren vier dieser zehn Filme bei mir nur im Heimkino möglich. Und einer dieser Filme ist das einzige Streaming-Original. Das Ranking richtet sich sowohl auf meine Meinung, als auch auf das Ranking dieser Website und beschreibt den aktuellen Stand der Dinge. Ich habe dieses Jahr natürlich nicht alle Highlights sehen können. Filme wie bspw.: David Copperfield, The King Of Staten Island oder Vergiftete Wahrheit habe ich bislang noch nicht gesehen.

 

Bevor ich aber mit den Top 10 starte, findet ihr hier noch ein paar Filme die es ganz knapp nicht in dieses Ranking geschafft haben:


Honorable Mentions

  • Der Schwarze Diamant
  • Der Unsichtbare
  • Der Fall Richard Jewell
  • Die Weite der Nacht
  • Bombshell
  • Tyler Rake - Extraction
  • Corpus Christie
  • Monos
  • Sonic The Hedgehog
  • Togo - Der Schlittenhund


Aber kommen wir nun zu den Top 10 des Jahres. Und ich muss sagen von Platz 10 bis Platz 4 fiel mir es sehr leicht meine Top-Filme 2020 auszuwählen. Dabei gibt es einen bunten Mix aus Drama, Komödie, Thriller und Science Fiction. Ich glaube dieses Jahr hatte wirklich, trotz der zahllosen Ausfälle und Verschiebungen, einen sehr bunten Mix und einige kleine, sowie auch große Filmperlen hervorgebracht.


Platz 10: Out Of Play

Out Of Play Plakat
© Warner Bros. Pictures

MCG-Raiting: 7,5

Genre: Sport/Drama

Laufzeit: 109 Minuten

FSK: 12

Es war der perfekte Film für Ben Affleck. Der Schauspieler findet sich seit Jahren auf einer wiederkehrenden Abwärtsspirale. Der Schauspieler hatte häufig mit dem Alkohol zu kämpfen. Tatsächlich hatte die Filmrolle in Out Of Play auf keinen Anderen so gut gepasst wie auf Ben Affleck. Denn es geht um den Kampf zurück ins Leben. Eine überraschend gut funktionierende Parallele zur Realität. Das Sport-Drama bot neben seiner schauspielerischen Glanzleistung zusätzlich eine interessante Auseinandersetzung mit einer Sportart, die man doch eher selten in Filmen antrifft. Dabei geht es nicht um eine Profimannschaft, sondern nur um ein High School Team. Der Film beschreibt ein Team im Anfangsstadium, wo Taktik und Spielweise erst erlernt werden muss. Es ist eine Außenseitergeschichte, die allerdings für seine Verhältnisse auf klischeehaftes Ende vollkommen verzichtet. 



Platz 9: Soul

Soul Plakat
© Disney/Pixar

MCG-Raiting: 8,0

Genre: Animation

Laufzeit: 100 Minuten

FSK: 0

Pixar ist eigentlich immer einen Blick wert. Es gibt kaum schlechte Filme aus deren Feder. So auch der diesjährige Soul. Dieser Film verzichtete, aufgrund der Pandemie, sogar bei uns und vielen anderen Ländern auf einen Kinostart und wurde direkt auf Disney+ verlegt. Es ist Animationsfilm der seinem namensgebenden Titel sowas von gerecht wird. Er hat sehr viel Seele und obendrein auch eine überaus symphytische und schöne Geschichte, die in zwei Welten spielt. Dabei spricht Jamie Foxx die Hauptrolle. Soul mag zwar nicht zu den allerbesten Pixar-Filmen der Geschichte gehören, dafür ist er dieses Jahr der beste Animationsfilm den man sehen kann. Im Jahr 2020 quasi außer Konkurrenz. Da gab es zwar nicht viele Animationsfilme, aber diejenigen die liefen, besitzen eindeutig nicht die Qualität dieses Filmes.



Platz 8: Knives Out

Knives Out Plakat
© LEONINE

MCG-Raiting: 8,0

Genre: Krimi/Komödie

Laufzeit: 132 Minuten

FSK: 12

Tatsächlich findet dieses Jahr auch ein Krimi seinen Platz in den Top 10. Knives Out ist zweifellos DAS Glanzstück von Rian Johnson in den letzten Jahren. Diesem Film gelang es einen so breiten Cast eine Stimme zu geben, dass der Zuschauer fieberhaft auf die Auflösung hofft. Die war zwar nicht unbedingt die große Überraschung, dafür überzeugt dieses, zumindest in weiten Teilen, fesselnde Kammerspiel mit seinen skurrilen Persönlichkeiten und einem Daniel Craig, den man nur zu gerne als ermittelnden Detektiven wieder sehen möchte. Wenn er denn schon als Bond aufhört, dann wäre ein neues Franchise wie dieses von Johnson angestrebte die perfekte Anlaufstelle für ihn, auch wenn die eigentlichen Stars des Films von der unglaublichen Ana de Armes und dem unberechenbarer Chris Evans verkörpert werden.



Platz 7: The Gentlemen

The Gentlemen Plakat
© LEONINE

MCG-Raiting: 8,0

Genre: Action/Thriller

Laufzeit: 113 Minuten

FSK: 16

Wenn jemand mit Guy Ritchie Filmen anfangen will, so kann man mit gutem Gewissen The Gentlemen als Vorführwerk empfehlen. Dieser Film riecht förmlich nach der Handschrift des Briten. Erzählweise und Charaktere haben so viele Facetten und Motive, dass wir bis zum zweiten Drittel nicht unbedingt wissen, wie die Szenerie aufgelöst wird. Dabei setzt Ritchie auf einen ziemlich ausgewogenen Cast mit Matthew McConaughey an erster Stelle, sowie Hugh Grant, Colin Farrell und Charlie Hunham in der zweiten Reihe. In dieser Zusammensetzung war nicht unbedingt von einem Erfolg auszugehen, aber The Gentlemen hat nahtlose Übergänge von Action in schwarzem Humor, dass es kaum möglich ist hier in Langeweile zu geraten. Zudem glänzt dieser Streifen vor allem durch seinen britischen Style, der dem Zuschauer praktisch aufs Auge gedrückt wird.  



Platz 6: Jojo Rabbit

Jojo Rabbit Plakat
© 20th Century Fox/Disney

MCG-Raiting: 8,5

Genre: Komödie (Satire)

Laufzeit: 108 Minuten

FSK: 12

Ist es lustig, über Adolf Hitler und die Nazizeit zu scherzen? Wenn es so satirisch eingefangen wird wie bei Jojo Rabbit in diesem Jahr, ist die Frage leicht zu beantworten: JA! Taika Waititi höchstpersönlich schlüpft dabei in die Rolle des Diktators, der als imaginärer Freund für einen Jungen dargestellt wird. Roman Griffin Davis ist mit seiner Rolle als Jojo sogar eine der Neuentdeckungen des Jahres. Hinzu kommen phantastische Performances von Scarlett Johansson und Sam Rockwell die dem Film sowohl einen ziemlich dramatischen, als auch abgehoben komödiantischen Unterton beimischen. Politische Korrektheit legen wir hier einfach mal bei Seite. Diese Komödie, die ebenso als Drama gut funktioniert, ist ein Film zum genießen und von vielen teilweise zu ernst aufgenommen. Satire ist und bleibt nun mal Satire.



Platz 5: Just Mercy

Just Mercy Poster
© Warner Bros. Pictures

MCG-Raiting: 8,5

Genre: Drama

Laufzeit: 137 Minuten

FSK: 12

Ich hab viele Justiz-Dramen in den vergangen Jahren gesehen, doch kein hat mir so viel Substanz beim Ansehen abverlangt wie Just Mercy. Allein das Thema "Unschuldig im Todestrakt" würde ausreichen einen ganzen Film mit Inhalt zu füllen. Doch darauf beschränkt sich dieses Drama nicht. Unfaire Gerichtsprozesse, Rückschläge und zahlreiche rassistische Gegenschläge fordern dem Zuschauer viel ab. Dem normal Denkenden stößt die damalige Auffassung der Justiz übel auf, denn der Film beruht auf einer wahren Geschichte und will auch auf die Auswirkungen über die Haftbedingungen im Todestrakt aufmerksam machen. Jamie Foxx spielt dabei den zu unrecht beschuldigten Häftling, dessen Leidensweg wir bis zum Schluss verfolgen und uns zu Tränen rührt. Der stets solide auftretende Michael B. Jordan verkörpert hier den Anwalt, der sich trotz aller Widrigkeiten für die Gerechtigkeit alles aufopfert. Es ist eine mitreisende Geschichte, mit vielen traurigen Missständen die tatsächlich heute noch Realität sind.



Platz 4: Tenet

Tenet Plakat
© Warner Bros. Pictures

MCG-Raiting: 9,0

Genre: Thriller/Science-Fiction

Laufzeit: 150 Minuten

FSK: 12

Christopher Nolan ist einer dieser Regisseure, der aus der Menge mit seinen Werken heraussticht. Für mich hat er eine einzigartige und unverkennbare Handschrift und mit Tenet ist ihm genau das erneut gelungen. Einen Film wie diesen, gibt es (zumindest nach aktuellem Stand) kein zweites Mal. Er widmet sich einem Thema, fernab jeglichen Gesetzen der Physik und das macht ihn so interessant und fesselnd. Man versucht zu verstehen und bleibt doch am Ende mit viel Fragen zurück, wie das ganze logisch begründbar ist. Ein Film, wo man noch zwei bis drei Stunden danach mit Freunden diskutieren kann. Ich persönlich halte es zwar nicht für den besten aller Nolan Filme, dafür aber als das größte Spektakel des Kinojahres 2020. Und spätestens hier sollte allen Zuschauern klar sein, dass Robert Pattinson ein wirklich hervorragender Schauspieler ist und es ihm immer wieder gelingt selbst als Nebendarsteller die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.



An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass die Top 3 des Jahres für mich persönlich auf fast einem Level stehen und die Platzierung sich äußerst schwierig gestaltete. Das Rennen um meinen ersten Platz hat sich dadurch sehr knapp gestaltet und die Filme liegen wirklich nur um eine Haaresbreite auseinander!


Platz 3: Little Women

Little Women Plakat
© Sony Pictures

MCG-Raiting: 9,0

Genre: Drama/Romanze

Laufzeit: 135 Minuten

FSK: 0

Selten hatte eine Romanverfilmung bei mir geschafft gut anzukommen. Little Women wurde zahlreich verfilmt und eigentlich hatte ich vor der Sichtung von Greta Gerwigs Adaption wenig mit dieser Geschichte anfangen können. Dann hörte ich den Cast und war davon schon im Vorfeld überzeugt, dass hier eine Filmperle garantiert ist. Saoirse Ronan ist allen voran einer meiner Lieblingsschauspielerinnen und hat mich bislang in noch keinem Film enttäuscht. Auch in Little Women ist sie faszinierend stark, wobei Florence Pugh meiner Meinung nach noch einen Ticken besser im Film agiert. Das romantische Drama war eine Achterbahnfahrt der Gefühle und hinterließ einen bleibenden Eindruck. So sehr, dass dieser Film meiner Meinung nach die Oscars hätte dominieren sollen. Greta Gerwig hat sich durch die Neuverfilmung von Little Women endgültig in mein Gedächtnis gespielt und ich kann es kaum abwarten, bis sie für einen neuen Film wieder hinter der Kamera steht.



Platz 2: Niemals selten manchmal immer

Niemals selten manchmal immer Plakat
© Universal Pictrues

MCG-Raiting: 9,0

Genre: Drama/Romanze

Laufzeit: 102 Minuten

FSK: 6

Auf dieser Liste traut sich dieser Film womöglich am meisten. Trotz eines etwas sperrigen Titels, darf man sich hier nicht abschrecken lassen. Niemals selten manchmal immer spricht in der Filmwelt für ein absolutes Tabu-Thema: Einer Abtreibung. Dieses Drama rüttelt einen auf und macht einen auch lange nach der Sichtung über dieses Thema nachdenklich. Was zusätzlich dafür spricht sind zwei bärenstarke Newcomerinnen wie Sidney Flanigan und Talia Ryder, die in den kommenden Jahren wahrscheinlich noch häufiger auf sich aufmerksam machen werden. Das komplette Szenario von zwei sehr jungen Frauen, von denen eine in die Stadt reißt um eine Abtreibung machen zu lassen, ist ein Sinnbild für ungewollte Schwangerschaften und der Problematik eben jener Frauen, die sich nicht bereit dazu fühlen eine Mutter zu sein. Viele Szenen sind äußerst unangenehm, aber beinhalten so viel Wahrheit, dass es sich wie ein Schlag in die Magengrube anfühlt.



Und jetzt zur Nr. 1! Der Top-Film des Jahres stand für mich bis zuletzt nicht von vorne herein fest. Dennoch hielt ich bis in den Sommer hinein für sehr wahrscheinlich das dieser Film am Ende diese Liste einführte. Nachdem ich noch zwei weitere Filme auf dieser Liste erst spät im Jahr sehen konnte, wackelte dieser Platz. Am Ende hat mir eine erneute Sichtung des Films im Heimkino klar gemacht, dass dieser Film das Rennen als bester Film des Jahres (zumindest aus meiner Sicht) gewinnt.


Platz 1: 1917

1917 Plakat
© Universal Pictrues

MCG-Raiting: 9,0

Genre: Kriegsdrama

Laufzeit: 119 Minuten

FSK: 12

Das erste Mal im Kino war 1917 einfach nur Gänsehaut pur. Die absolut perfekte Inszenierung für ein Kriegsdrama. Dabei ist die Mission innerhalb des Films weiß Gott kein kriegerisches Spektakel. Sam Mendes hat zusammen mit der Kamera-Legende Roger Deakins einen Film geschaffen, der als One-Shot eine unglaubliche Wirkung allein durch dessen Bilder geschaffen hat. Niemals war man, als Zuschauer, so nah am Kriegsgeschehen dran, wie bei 1917. Da die Kamera stets den beiden Hauptfiguren folgt, werden wir quasi als Dritte Person mitten in den Kampf hinein geworfen. Dabei darf man die Leistung von George MacKay nicht außer Acht lassen, der seine Aufgabe meisterlich erfüllt hat. Der Film hat vollkommen zurecht drei Oscars gewonnen und verfehlt auch nicht im Heimkino seine anziehende Wirkung. Für mich ist es der Film in 2020, wo am nächsten an einem Meisterwerk dran ist. 



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