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"Unhinged": Russel Crowe im Beast-Mode (REVIEW)

Unhinged wäre wohl kaum auf der Leinwand erschienen, wenn nicht Russel Crowe fett auf den Vorschaubildern inszeniert wird. Nun stellt dieser sehr simple Actionfilm in den aktuell schwierigen Zeiten, eines der größten Highlights aus Hollywood dar. Der Film ist knallhart, schnell erzählt, aber teilweise auch schnörkelloser Durchschnitt. Aber wer über dessen Einfachheit hinwegsieht, kann auch seinen Spaß mit Unhinged haben.

Ein harmloses Hupen als Auslöser

Die hier zu Grunde liegende Geschichte ist schnell zusammengefasst. An einem stressigen Tag der Hauptfigur Rachel (Caren Pistorius) hupt diese den Vordermann an. Es ist die falsche Entscheidung, denn dieser Autofahrer entpuppt sich als Zeitbombe. Und allein ein Hupen inklusive die Uneinsichtigkeit von Rachel, dass man mit diese Form einer Geste schnell unsympathisch auf Andere wirkt, löst hier eine Hetzjagd quer durch die Stadt aus. Und das wars. Das ist der komplette Inhalt, welches die Story bei Unhinged auslöst. Kurz und knapp und viel zu einfach! Zwar suchen die Gegenspieler, zumindest einer von ihnen, zunächst den Dialog, wobei es am Ende nur ein Monolog von Russel Crowe wird, der über achtsames Verhalten im Straßenverkehr aufklären will. Zuvor hatte der Film vor der Eröffnung schon in selbst generierten Nachrichten-Ausschnitten veranschaulichen wollen, dass die Leute in den USA immer aggressiver beim Autofahren werden. Unfälle, Provokationen und und und. Abgesehen davon, dass die Einleitung relativ wenig Einfluss hat, ist sie mit einigen Minuten auch viel zu lang geraten. Unhinged hat mit einer Laufzeit von knapp 90 Minuten bereits eine kurze Spannweite und verschwendet dennoch gute drei Minuten mit solchen Ausschnitten aus Nachrichtensendungen, von denen der "normale" Betrachter sowieso schon genügend Meldungen aus der Realität kennt. Aber gut. Leider ist das auch nicht alles, was in diesem Action-Thriller stört. Denn nicht nur der lapidare Grund für die Geschehnisse stellt ein Problem dar, sondern auch die komplette Geschichte, die ohne größere Überraschungen schnell erzählt und absolut durchschaubar bleibt. Ein genialer Actionfilm ist das ganze natürlich nicht, man muss hier definitiv den Kopf abschalten. Trotzdem hätte man bei Unhinged deutlich mehr erwarten kann, als diese gewöhnliche Action-Storyline.

Russel Crowe ist das Kinoticket allein wert

Man konnte seinen Augen nicht trauen als man den ziemlich mollig wirkenden Russel Crowe das erste Mal im Trailer zu Unhinged gesehen hat. Der Schauspieler selbst hatte in der Vergangenheit des Öfteren für Rollen entweder extreme Muskelmasse antrainiert oder wie hier für Unhinged etliche Kilos zugenommen. Respekt dafür! Und irgendwie scheint der sehr stabile Russel Crowe, dessen Rollenname im Film nie so recht ans Tageslicht kommt, mit der aktuellen Statur äußerst bedrohlich zu wirken. Eben wie es für die Filmfigur gedacht ist. Man kann jetzt nicht sagen, dass er in seiner neuen Rolle vollkommen brilliert, aber er ist der Mittelpunkt im gesamten Film, bestimmt die Handlung, das Geschehen und die Figur hinterlässt, trotz der Lappalie im Straßenverkehr, eine Blutspur quer durch die Großstadt. Zwar muss man hier deutlich kritisieren, dass der Trailer zum Film bereits wahnsinnig viel vom Film Preis gegeben hat und bis auf wenige Ausnahmen auch jedes Opfer bereits angeteasert wurde, aber die Taten des unbekannten Mannes verfehlen nicht ihre Wirkung. Die Altersfreigabe von FSK 16 ist mehr als gerechtfertigt! Das große Problem an dem hervorstechenden Russel Crowe sind die weniger gut dargestellten Protagonisten, mit denen man eigentlich mitfiebern sollte. Aber das passiert irgendwie nicht. Die Hauptfigur Rachel (Caren Pistorius), eine völlig überforderte alleinerziehende Mutter mit einer eigenen Rechtsberatung, ist zunächst die planlose Randnotiz des Films, steigert sich dem Ende hingegen zumindest ein wenig. Ihr Sohn Kyle (Gabriel Bateman) ist ebenfalls nicht gerade ein überzeugendes Argument im Cast, genauso wie etliche Nebenfiguren, die aber auch nicht wichtig für die Handlung sind. Aber dafür dominiert Russel Crowe mit seiner ohnehin mächtigen Präsenz die gesamte filmische Handlung so sehr, dass er für sich genommen, schon den Kauf des Tickets wert ist.

Unhinged Russel Crowe
Bild: Der irre Autofahrer ohne Namen verfolgt die überforderte Rachel quer durch die Stadt. | LEONINE

Blutige Action im Straßenverkehr

An einigen Stellen hält der Actionfilm was er im Vorfeld versprochen hat. Es geht sehr rasant zu und es wird auch verhältnismäßig ziemlich blutig. Wilde Verfolgungsjagden prägen die komplette Geschichte und beenden selbst die Ruhephasen häufig abrupt. Gut so, denn dem Film bleibt als Eineinhalbstünder auch nicht wirklich viel Zeit viele Erklärungen zu liefern. Das muss man ihm letztlich auch zu Gute halten. Trotz der merkwürdigen Einleitung lässt man wenig Minuten verstreichen bis es so richtig zur Sache geht. Action satt wäre etwas übertrieben, aber die Szenerie erfüllt hier ihren Zweck. Im unübersichtlichen Verkehrsnetz der Großstadt wird die Hetzjagd gleichzeitig auch zur Irrfahrt für beide (Protagonist und Gegenspieler). Der irre Verfolger ohne Namen muss dementsprechend auch zu anderen Mitteln greifen, um die verängstigende Rachel aus der Reserve zu locken. Die Kontakte von ihr bieten für den Verfolger die perfekte Angriffsfläche und das übermächtige Erscheinungsbild von Russel Crowes Figur scheint für seine Opfer ein nahezu unmöglich zu besiegender Feind zu sein. Dieser sucht sich Mitte des Films gezielt auch seine Ziele aus und bestimmt weitestgehend den Fortgang der Handlung, auch wenn diesem beim "großen Finale" ein sehr klischeebehafteter Fehler unterläuft. Dennoch sind die wechselnden Szenerien zwischen Autobahn, Vorstadt und Psycho-Terror im eigenen Haus ist im Ansatz gut gelungen und versprechen vor allem für Actionfans die gewünschte Unterhaltung.

Unhinged: Ein Kino-Blockbuster?

Ist Unhinged ein Film, der unbedingt ins Kino kommen müsste? In völlig normalen Zeiten, fernab einer weltweiten Krise, hätte man mit Sicherheit auf "Nein" plädiert. In Zeiten vor Corona, wo Kinofilme eine Rarität sind, ist so ein einfacher Actionstreifen tatsächlich, man höre und staune, eines der größeren Highlights im Programm. In der Normalität hätte es wohl ausgereicht diesen Film, der wirklich nichts besonderes darstellt, als Direct-To-DVD zu veröffentlichen. Vielleicht waren aber auch die mehr als 30 Mio. US Dollar an Budget ebenfalls ein Punkt, welches für einen offiziellen Kinostart spricht. Er wird aber, gerade durch diese heikle Zeit, wo vor allem die US-Kinos stark beeinträchtigt ist, nicht allzu viel Umsatz an den Kassen umsetzen. Derzeit ist aktuell nur der halbe europäische Markt die Geldquelle für Filme. Und wie wir alle wissen, sind dort die Zahlen, auch ohne Corona, seit Jahren rückläufig. Unhinged wird kein finanzieller Erfolgt. Dessen kann man sich eigentlich schon sicher sein. Er ist am Ende ein zweitklassiger Kinofilm, der auch schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwindet. Trotzdem sei gesagt: Unhinged ist trotz seiner Einfachheit eine gute Anlaufstation für den ersten Kinogang nach dem Lockdown!

Fazit:

Man hätte mehr erhoffen können von Unhinged. Trotzdem spricht auch einiges für diesen rasanten Actionfilm. Hirn aus und rein, ist hier die Divise. Der Film überrascht zwar nicht, hat aber doch die ein oder andere Spitze an Gewalt, in welcher vor allem einer voll und ganz überzeugt: Russel Crowe. Der ehemalige Gladiator ist das Highlight im Film (war auch nicht anders zu erwarten). Wie geschrieben, er für sich genommen ist das Kinoticket wert. Alles andere bleibt häufig unter dem Durchschnitt. Die Story bleibt durchschaubar, Nebenfiguren irrelevant und von der Qualität her, hätte hier ein DVD-Release ausgereicht. Da wir allerdings in schweren Zeiten ohne großen Kino-Blockbustern leben, ist Unhinged vielleicht der Film, der die erste Anlaufstelle für den ersten Kinogang nach den nationalen Kino-Schließungen im März darstellt. 

MCG-Raiting    

★★★★★★★★★★ 

5.0 Punkte

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