· 

"Venom 2: Let There Be Carnage": Ein blutarmer, aber unterhaltsamer Symbionenten-Clash! (REVIEW)

Sonys neuer Kassenmagnet Venom ist zurück! Nach gigantischem Erfolg in 2018 folgt jetzt die Fortsetzung mit einem kultigen Bösewicht der Comics. Carnage ist da, hat aber mit seiner Vorlage wenig zu tun. Venom: Let There Be Carnage wird seinem Vorgänger gerecht, ohne dabei maßgebliche Verbesserungen vorzunehmen.


Filminfos:

Netflix-Start: 21. Oktober 2021

Laufzeit: 97 Minuten

FSK: 12

Genre: Action/Science-Fiction

 

Regie: Andy Serkis

Cast: Tom Hardy, Woody Harrelson, Michelle Williams und Naomie Harris

Story:

Nach dem Triumph über Riot haben sich Eddie Brock und sein außerirdischer Parasit auf einige Verhaltensregeln geeinigt. Während Venom am liebsten durchgehend Bösewichte verspeisen würde, möchte Eddie nun unbedingt seine Karriere als Journalist wieder in Gang bringen. Da kommt ihm der Serienmörder Cletus Kasady, der mit Eddie über seine Opfer sprechen will, gerade recht. Als Kasady sich bei seiner Hinrichtung in den brutalen Carnage verwandelt und überall für Chaos sorgt, muss Venom einschreiten.



"Venom" bleibt auch im zweiten Film relativ harmlos!

Mit der abschließenden Ankündigung am Ende des ersten Teils stand Carnage als neuer Symbionten-Bösewicht fest. Daher war die Vorfreude groß, dass im Sequel eventuell ein FSK 16 angestrebt wird. Doch Pustekuchen! Auch der zweite Venom-Film blieb bei seiner Strategie und behielt sein FSK 12. Sony minimiert also erneut sein Risiko und verzichtet auf das groß angekündigte Gemetzel durch den neuen Schurken, welcher in diesem Fall von Woody Harrelson verkörpert wird. Der hat zwar bereits einiges an Erfahrung an psychotischen Charakteren, aber dazu kommen wir gleich noch. Zunächst soll es noch um den Film selbst gehen. Nachdem Teil 1 in 2018 rund 856 Millionen an den weltweiten Kinokassen einspielte, war die Planung an einer Fortsetzung schon in trockenen Tüchern. Auch das man den größten Widersacher Carnage in das neu geschaffene Universum eingliedert, war bereits vorgesehen. Das Problem dieses neuen Sony-Filmfranchise ist und bleibt die Sache mit der Altersfreigabe. Ein Venom und ein Carnage in einen Film aufeinander treffen zu lassen, ohne das wirklich Blut fließt oder gar zu sehen ist, passt einfach nicht ins Bild. Jeder Zuschauer braucht da letztlich nur eins und eins zusammenzuzählen und wird feststellen, dass auch die Fortsetzung die Story rund um die Symbionten definitiv nicht so ernst nehmen wird. Venom 2 ist sehr ähnlich was die Grundstimmung anbelangt. Irgendwie will man ernste Stimmung verbreiten durch einen gefährlichen Gegenspieler, verschätzt sich aber dabei so stark, dass nicht mehr als eine überproportionierte Actionkomödie rauskommt. Der Film flüchtet sich also ein wenig in eine Art Selbstironie, indem folglich nur ein unterhaltsamer Actionstreifen das Ziel ist. Eine abwechslungsreiche Geschichte zu gestalten und dabei einen echten Wow-Effekt erzeugen zu wollen, war wohl nie ein Ansatzpunkt.

Klassischer Actionblockbuster: Unterhaltsam und sinnfrei!

Anstelle des Wow-Effekts bleibt sich Venom wohl seiner Linie treu. Story technisch darf man hier natürlich keine Perle erwarten! Das war selbst beim ersten Film nicht der Fall. Das Sequel ist reinstes Mainstream-Blockbuster-Kino, welches wenig Wert auf eine Geschichte oder eigene Handschrift legt, sondern einfach nur zur kurzweiligen Unterhaltung dienen soll. In diesem Punkt sind sich die meisten einig: Venom will mit Action entertainen und seinem Humor den Zuschauer bei Laune halten. Wie bereits im ersten Teil verzichtet man hierfür auf eine lange Laufzeit, was man nur positiv hervorheben kann. Der aktuelle Sony-Blockbuster geht runter wie Wasser und ist sogar noch eine ganze Viertelstunde kürzer als sein Original in 2018. Was ebenfalls sehr positiv zur Geltung kommt, ist verbessertes CGI! Venom: Let There Be Carnage hat sich in diesem Punkt deutlich verbessert und sieht in weiten Teilen sehr solide aus, auch wenn die Kämpfe zwischen den Symbionten auf Dauer etwas unübersichtlich ausschauen. Vor allem mit dem Design von Carnage könnten bei der Sichtung Probleme auftreten, denn sein Tentakel-Fight wird von mal zu mal übertriebener. Das minimiert auch ein wenig den Unterhaltungswert, wenn zum wiederholten Mal dieser Symbiont wild mit seinen Armen, Beinen, was auch immer, die Leinwand komplett einnimmt. Nichtsdestotrotz kommen die Kämpfe keinesfalls zu kurz. Eine lange Aufwärmphase lässt man im zweiten Teil praktisch weg. Zwar gibt es hier und da Szenen welche zumindest etwas an Exposition liefern sollen, diese werden aber häufig schnell durch eine neue Actionszene unterbrochen. Wer will denn schon auch dieses ewige Beziehungschaos zwischen Eddie Brock und Venom mit anhören? Für eine kurze Zeit fühlt sich der Film sogar an wie eine Romcom, bis er sich doch wieder besinnt und den Symbionten-Clash ins Rollen bringt.

 

Um es kurz zusammenzufassen: Viel Action, wenig Sinn.

Venom 2 Let There Be Carnage
Bild: Carnage (Woody Harrelson) sorgt im neuen Venom-Abenteuer für jede Menge Chaos! | Sony Pictures

Die Carnage-Story juckt niemanden!

 

Was zweifellos auf der negativen Seite steht ist die Backgroundstory von Cletus Cassady (Woody Harrelson). Für diese Figur, den psychopatischen Serienmörder, interessiert man sich praktisch gesehen nicht. Eine so durchaus prägende Comic-Figur wird heruntergefahren auf einen zwar sehr spaßigen und überdrehten Woody Harrelson, allerdings mit einem Background der nicht langweiliger hätte gestaltet werden können. Man sah sich nicht einmal dazu gezwungen, die Story von Cletus Cassady in Rückblenden zu inszenieren. Stattdessen wird seine ganze Lebensgeschichte reduziert auf ein chaotisches Kindergekritzel in roter Farbe. In gewisser Weiße in der gezeigten Szene eventuell nachvollziehbar, aber keineswegs ein Augenöffner. Hinzu kommt, dass hier auch ein Love-Interest mit Francis Barrison alias Shriek (gespielt von Naomie Harris) angekündigt wird, aber in diesen Film zu sehr reingestopft wirkt. Diese zusätzliche Geschichte hätte man selbst für diesen doch eher kurz gehaltenen Actionfilm vollkommen außen vor lassen können. Vor allem weil uns auch die Figur von Shriek ebenfalls kaum bis gar nicht interessiert. Es passt einfach nicht in diesen schon sehr chaotischen Plot rein, außer als Vorbereitung auf das große Finale, indem man sich (zumindest in der deutschen Synchro) sogar eine Anspielung auf Game Of Thrones nicht verkneifen kann. Dennoch würde ein Abstrich dieses Nebenplots, für den sich absolut niemanden juckt, und einen weitaus größerer Fokus auf Carnage selbst, der Fortsetzung enorm gut tun. Damit hätte man den Schurken weitaus besser in Szene setzen können und ihm vielleicht sogar mit deutlich besserem Background auf Venom treffen lassen. Es muss ja nicht alles nach den Comics gehen und wenn wir das bisherige Material dieses Franchise betrachten, scheint man es ohnehin nicht wirklich genau damit zu nehmen.

Tom Hardy und "Venom" funktioniert nach wie vor!

Das große Plus aus dem ersten Teil ist Tom Hardy. Nimmt man ihn weg und rekapituliert den gesamten Film, würde das Fazit wohl katastrophal aussehen. Auch in der Fortsetzung macht das Zusammenspiel zwischen dem eigensinnigen Eddie Brock und dem Außenseiter-Symbiont Venom ordentlich Boden gut und bewahrt diesen Film vor einem Desaster. Die Chemie, wenn man es so nennen darf, bestimmt auch die Geschehnisse des zweiten Teils. Und das wiederum in einem solchen Ausmaß, dass man diesen Film immer wieder anschauen kann. Tom Hardy und Venom: Das macht einfach nur Spaß und ist weitestgehend schon fast eine Art Buddy-Komödie. Zwar zünden wie schon zuvor nicht alle Gags, aber für einen Kinoabend mit reichlich Popcorn macht man mit Venom 2 definitiv nichts falsch, solange man akzeptiert, dass hier mit wenig Logik und Verstand agiert wird. Vor allem die Szenen in denen Venom als innere Stimme von Eddie mit absurden Tipps zur Seite steht und teilweise extrem provokantes Zeug von sich hören lässt, heben die Laune des Kinobesuchs. Es wird viel zu lachen geben, wenn auch des Öfteren mit Humor aus unterster Schublade, aber dafür sollte man offen sein. Nach wie vor zeigt sich, dass man mit Tom Hardy als Venom lockere und sehr unterhaltsame eineinhalb Stunden (+ einige Minuten mehr) vor sich hat und auch ein Ticket dafür in Kauf nimmt. Diese Kombination macht irgendwie, trotz des abnorm hohen Trash-Faktors, Freude auf mehr. Und wenn man der Post-Credit-Szene (die hier selbstverständlich nicht gespoilert wird) Glauben schenkt, folgt garantiert noch viel krasserer Marvel-Content als man sich zu Träumen wagt!


Fazit:

Ach ja Venom mal wieder. Wäre Tom Hardy nicht in dieser Rolle, würden sich bestimmt viel weniger Zuschauer dafür finden. Der neue Film ist keine qualitative Aufwertung des Originals. Diese bleibt aber im Ansatz auf ungefähr demselben Niveau, jedoch hat man in Sachen Carnage ein wenig ins Klo gegriffen um ehrlich zu sein. Von diesem Kult-Schurken darf man sich deutlich mehr erhoffen, als Venom 2 letztlich gezeigt hat. Für solides Popcornkino ist er absolut ausreichend. Guter Unterhaltungsfaktor mit Witz, aber auch viel sinnfreier Story. Trotzdem möchte man irgendwie noch mehr von Tom Hardy als Venom sehen!

MCG-Raiting

★★★★★★★★★★

5.0 Punkte



Weitere Filmkritiken:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0