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"Wonder Woman 1984": DCs Power-Amazone geht baden! (REVIEW)

Auch dieser Film ist schwer von der Pandemie geplagt. Mehrmals verschoben und im Endeffekt in den meisten Ländern doch nur als Stream erhältlich. Wonder Woman 1984 sollte eigentlich ein sehr abwechslungsreiches Superheldinnen-Abenteuer werden, ist aber nicht mehr als eine typische Fortsetzung, die seinem Vorgänger nicht das Wasser reichen kann.

Ein völlig verworrener Plot

Keine Frage, der erste Teil, welcher 2017 in den Kinos erschien war ein voller Erfolg! Dabei war die Story eher einfach gehalten und meiner Meinung nach auch nicht wirklich etwas Besonderes. Vor allem im Hinblick auf die bisherigen DCEU-Kinofilme. Keiner davon war mit einer gut durchdachten Geschichte an den Start gegangen. Wonder Woman stellte da natürlich keine Ausnahme dar. Dem Plot konnte man vielleicht sogar wegen seiner normalen Handhabung sehr gut folgen, ohne sich später großen Rückfragen konfrontiert zu sehen. In der Fortsetzung allerdings wollte man zwei, drei oder gar vier Schritte weitergehen. Leider blieb hier ein positiver Effekt vollkommen aus. Die Handlung ist so dermaßen verworren, dass sich das Sequel qualitativ selbst noch weit hinter den 0815-Standardplots des konkurrierenden Marvel Cinematic Universe einsortiert.  Innerhalb des eigenen filmischen Universums mag Wonder Woman 1984 sich von anderen DC-Blockbustern abheben, es mangelt aber an einer gelungenen Umsetzung. Das liegt auch vor allem an einer überlangen Einleitung. Die nimmt nämlich von der ohnehin schon absurden Laufzeit von knapp zweieinhalb Stunden gut die Hälfte bereits in Anspruch. Ein absolutes No-Go! Die typische Superheldenaction wird vorübergehend hinten angestellt, nachdem Diana (Gal Gadot) gleich zum Start ohne Probleme einen Bankraub vereitelt. Es folgen Exposition, Exposition und noch viel mehr Exposition. Der Aufbau der eigentlichen Geschichte ist so behäbig und langatmig gestaltet, dass man ihn als krasses Kontrastprogramm zum stumpfen Batman v Superman definieren könnte. Der hatte zwar seine beiden titelgebenden Figuren erst zu später Stunde aufeinandertreffen lassen, dafür aber wesentlich mehr Tempo an den Tag gelegt. Die Story ergab letztlich nicht unbedingt viel Sinn, war aber bei weitem nicht so träge wie das aktuelle Beispiel im DC Universum.

Gal Gadot und Chris Pine

Wenn es eine Gemeinsamkeit zwischen beiden Wonder Woman Filmen gibt, dann sind es dessen Hauptfiguren. Gal Gadot und Chris Pine waren von Beginn an beim Sequel an Bord! Es war lange ein Geheimnis, wie die Figur von Chris Pine, Steve Trevor, im zweiten Teil zurückkehrt, aber auch hier darf man nicht viel Logik erwarten. Sagen wir es mal so: Das Comeback passt gut in die bereits verworrene Geschichte hinein. Worauf man sich aber definitiv freuen kann ist das Zusammenspiel zwischen Gadot und Pine. Auch wenn es dieses Mal deutlich schnulziger zur Sache geht, verfehlen ihre gemeinsamen Szenen nur selten ihren Reiz. Vor allem deren humoristisch veranlagte Szenen können überzeugen. Die mit eingegliederte Problematik mit dem verschwundenen Steve Trevor, der auf die für ihn futuristisch wirkenden 80er Jahre trifft, sorgt immer wieder für eine angenehme Atmosphäre und einigen gelungene Gags. Darstellerisch gehen sowohl Gadot, als auch Pine, voll in ihren Rollen auf und gleichen dadurch andere deutlich schwächere Szenen wieder aus. Dennoch hinterlässt diese rührende Wiedervereinigung einen faden Beigeschmack, da wir Story technisch schnell zu wissen bekommen, dass es eine Wiedervereinigung auf Zeit sein wird. Geschuldet ist das vor allem einer der beiden Bösewichte. Zu denen kommen gleich. Was ebenfalls nachwirkt ist fehlende Emotionalität. Auch hier kann das Sequel nicht mit seinem Vorgänger mithalten. Den Schlussakt in 2017 hatte ich zwar auch stark kritisiert, doch hatte er auf die Superheldin wesentlich mehr emotionalen Impact, als der jetzige Streifen. Dies mag vor allem am kriegerischen Szenario des ersten Teils gelegen haben. Bei Wonder Woman 1984 macht die völlig verkorkste Geschichte, deren Ausgangspunkt Maxwell Lord (Pedro Pascal) ist, einen gewaltigen Strich durch die Rechnung.

Wonder Woman 1984 Filmbild
Bild: DCs Wonder Woman (Gal Gadot) zeigt von Beginn an, wer der Herr bzw. die Frau im Haus ist. | Warner Bros.

Was ist los mit den Bösewichten?

Müsste man beiden Antagonisten, also Maxwell Lord und Barbara aka Cheetah (gespielt von Kristen Wiig) in einem Wort beschreiben, wäre wohl "unglücklich" die beste Wahl. Deren Auftreten, Erscheinen und Beweggründe sind ziemlich unspektakulär und für den Film selbst folgenschwer gewählt. Von Overacting zu sprechen ist zwar nicht unbedingt fair, aber im Grunde geben deren Figuren auch zweifellos keine andere Möglichkeit her. Dabei sind die Motive erstmal keine überdimensionalen Allmachtsfantasien, wie wir sie sonst kennen. Es geht dabei vielmehr um Anerkennung und Erfolgseifer. Motive die durchaus gutes Potenzial für ordentliche Bösewichte hätten, wenn man sie wohl überlegt einsetzt. Und das war bei Wonder Woman 1984 einfach nicht der Fall. Während sich der zuvor glücklose Unternehmer Maxwell Lord mit seiner neuen Fähigkeit trotzdem immer weiter in die Scheiße reitet und die weitestgehend unbeachtete Barbara ihre neu gewonnene Sympathien durch den Einsatz ihrer übermenschlichen Kräfte gleich wieder verspielt, erkennt man nicht unbedingt eine gute Entwicklung in der der Schurke seinen großen Vorteil aus der Lage zieht. Sie stellen also absolute Stereotypen von Antagonisten dar, nur erheblich uninteressanter. Da ist mir die lange Geheimnistuerei mit dem "wahren Schurken" wie im ersten Teil fast schon lieber. 

Fazit:

Wir haben ihn! Den ersten großen Flop im Blockbuster-Sektor (in 2021). Das Sequel zu Wonder Woman beweist, wie so oft, dass manche Fortsetzungen einfach nicht an ihren starken Vorgänger heranreichen können. Das erfolgreiche Original aus 2017 hat sehr viele Eigenschaften, die das Sequel schmerzlich vermissen lässt. Ein ermüdender Plot, zwei glücklose Bösewichte und eine wahnsinnig langatmige Einleitung haben einen enormen Schaden hinterlassen. Patty Jenkins hat mit der Story in Wonder Woman 1984 ein Trümmerfeld verursacht, welches in einem kommenden dritten Teil sehr schwer zu beheben sein wird. 

 

MCG-Raiting

★★

4.0 Punkte

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