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"Yes Day": Wenn die Kids für einen Tag der Boss sind! (REVIEW)

Was bleibt uns in Deutschland gerade anderes übrig als Streaming? Netflix ballert seine Originals raus wie aus einem Maschinengewehr. Einziges Problem: Die Qualität lässt auch 2021 noch immer zu Wünschen übrig. Mit Yes Day folgt eine Familienkomödie die gleichzeitig einen neuen "Feiertag" erfindet, von dem man nur hoffen kann, dass er nicht zum Trend wird.

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Ja oder nein zum YES DAY?

Netflix erfindet kurzerhand einfach selbst einen neuen Feiertag: Den YES DAY! Natürlich erstmal wieder nur eine rein amerikanische Erfindung. Und hoffen wir, dass es zumindest in solch einem Ausmaß wie im Film auch ein rein fiktiver Feiertag bleibt. Es geht darum einen Tag lang den Kindern praktisch all ihre Wünsche zu erfüllen. Denn auf all deren Fragen oder Vorschläge wird mit einem "Ja" eingegangen. Natürlich mit einigen Regeln wie bspw. "keine Wünsche für die Zukunft"! Und was dabei rauskommt, kann sich wohl fast jeder denken: Chaos pur! Genau darum geht es nämlich. Kinder haben das Sagen und die Eltern werden zu Witzfiguren degradiert. Klingt erst einmal lustig und in vielerlei Hinsicht könnte es das auch sein. Aber lohnt sich die Komödie Yes Day nun eigentlich? Das Konzept für sich genommen bietet hervorragenden Inhalt für eine abgefahrene Achterbahnfahrt eines klassischen 90-Minüters. Doch will der Funke hierbei nicht zu 100 Prozent überspringen. Mit Jennifer Garner hat man zudem eine äußerst bekannte Hauptdarstellerin, die aber etwas unterfordert mit ihrer Rolle zu sein scheint. Der Film selbst hat definitiv nicht die Qualität ein Klassiker in diesem Genre zu werden. Will das vielleicht auch nicht, aber gut die Hälfte des Films füllt sich leider mit gähnend langweiligen Momenten. Es herrscht zwar das pure Chaos, aber es reicht nicht unbedingt den Zuschauer allein dadurch bei Laune zu halten. Ob man denn nun so einen "Feiertag" überhaupt benötigt ist eine weitere Frage, die dieses Netflix Original erst gar nicht beantworten will. Was echt schade ist, hatte es doch für einen kurzen Augenblick einige Probleme zwischen Eltern und Kinder aufgearbeitet. Würde man aus der Sicht des Filmes entscheiden müssen, hieße es ganz klar NEIN zu dieser Sondervollmacht für die Kids. Denn das Resultat sollte jedem bereits von Anfang an klar sein!

Jennifer Garner als Mama-Spielverderber

Jennifer Garner ist eine bekannte Größe in Hollywood. Mittlerweile zwar nicht mehr in so vielen Filmen zu sehen, aber ohne jeden Zweifel die Schauspielerin mit der dieser Film steht oder fällt. Leider gab es bei ihr in jüngerer Vergangenheit wenig hochwertige Filme über die man sprechen kann. Peppermint brachte ihr sogar eine Nominierung bei der Goldenen Himbeere als Schlechte Schauspielerin 2019 ein. In Yes Day gibt es viel mit ihr zu lachen, aber angesichts der vielen eher plumpen Dialoge und schlechten Scherze mit den anderen Figuren im Film wertet dies das Gesamtbild nur geringfügig auf. Als überforderte Mutter allerdings ist sie, zusammen mit ihrem Chaos-Ehemann, der Mittelpunkt für die Sympathie an dieser Komödie. Allgemein sind die Familien-Momente, in der Kinder als auch Eltern agieren (ob ernst oder nicht) die stärksten in dieser schnellen und vor allem strukturlosen Geschichte. Hier fließen auch sehr vernünftige und teils sehr reale Szenerien mit ein, wo bspw. die Mutter ein aufklärendes Gespräch mit ihrer vermeintlich fehlgeleiteten Tochter sucht. Zumal die Charakterwandlung von Jennifer Garners Figur (in den Anfangsminuten dargestellt) absolut nachvollziehbar ist. Von einer abenteuerlustigen und unerschütterlichen Frau zu einer Mutter mit drei Kindern, die auch häufiger NEIN sagen muss. Das die Eltern dann an dem besagten Tag auch etwas verrückt spielen, indem sie mit aller Macht zeigen wollen wie cool sie tatsächlich sind, passt genau so gut in dieses Schema. In dieser Hinsicht macht der Film mit seinen Eltern-Figuren vieles richtig, wären da nicht die teils ziemlich absurden und sehr aufgesetzten Szenen in denen das Chaos vollkommen außer Kontrolle gerät.

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Warum treibt man es immer so ins Absurde?

Familienkomödie haben leider des Öfteren den Hang vollkommen ins Absurde abzudriften. Auch Yes Day verfällt dieser Marotte ziemlich schnell! Spätestens mit seiner in die Länge gezogenen Wasserballonschlacht folgen viele verrückte und nicht allzu realistischen Momente. Es folgen sehr akrobatische und halsbrecherische Szenen, bei denen man zudem auch den berühmtberüchtigten Matrix Slow-Motion Effekt mal wieder ins Lächerliche zieht. Dabei verhalten sich die konkurrierenden Parteien (jedes Familienmitglied bekommt sein eigenes Team bei diesem Spiel) als befände man sich im Krieg. Muss das sein? Dabei ist es nur das altbekannte Capture-the-Flag Spiel mit Wasserballons. War es das Ziel dies so übertrieben wie möglich darzustellen, so ist dies in ausgezeichneter Manier gelungen. Doch für die meisten Zuschauer wird diese Szenerie nur Kopfschütteln verursachen. Auch das Finale des Films neigt größtenteils zur Übertriebenheit. Es gibt zwar diese starken Familienmomente zwischen Mutter und Tochter oder Vater und Sohn, aber bis man dahin gelangt wird zunächst das Haus mit Schaum geflutet. Das dabei fast gar nichts in die Brüche geht, lassen wir ebenfalls mal so stehen. Warum brauchen Komödien immer wieder solche Verrücktheiten um zwanghaft unterhalten zu wollen? Es mag ja kein Fehlverhalten von Filmemachern sein auch das jüngere Publikum unterhalten zu wollen, ich bezweifle allerdings, dass hierfür richtig schräge Ereignisse wie eine Kinder-Abrissparty von Nöten sind. Nicht das die noch ebenfalls auf solche kranken Ideen kommen wie bei Yes Day. Hoffen wir einfach das dieser fiktive Feiertag kein Trend in der Realität wird!

Fazit:

Die stereotypische und kurzweilige Unterhaltung einer Familienkomödie, sie hat einen gewissen Anreiz, ist aber ebenso schnell wieder aus dem Gedächtnis gestrichen, wie sie bei hier konsumiert wurde. Yes Day will natürlich nichts neu erfinden. Dennoch übertreibt es dieser Netflix-Film an extrem vielen Stellen, wo das eigentlich nicht nötig gewesen wäre. Dabei gibt es doch einige sehr emotionale und für das Eltern-Kind Verhältnis sehr wichtige Schlüsselmomente in denen Probleme aufgearbeitet werden. Sie sind leider die Seltenheit und verschwinden schnell in einer Flut von selbst hervorgerufenem Chaos, dass den gesamten Film meistens eher ins Lächerliche zieht, anstatt lustig zu sein. Am Ende ist Yes Day nicht mehr als die wöchentliche Dosis Netflix, die aktuell nichts besonderes anzubieten hat. 

MCG-Raiting

★★★★

4.0 Punkte

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