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"Yes, God, Yes": Beten oder knutschen! (REVIEW)

Streng katholisch sein und trotzdem seine Sexualität ausleben/erforschen. Ein Widerspruch! Zumindest laut der US-Komödie Yes, God, Yes. Dieser Film sollte eigentlich schon Ende 2020 in die Kinos kommen, aber dann: Lockdown 2.0. Nun läuft dieses unterhaltsame und absurde Werk direkt auf Prime Video und was soll man sagen. So unverfroren und frech sind nur wenige Komödie in letzter Zeit!

Endlich mal wieder was abgefahrenes!

Katholische Schulmädchen erforschen ihre Sexualität. Dieser Satz klingt in dieser Zusammensetzung zwar sehr eigenartig, aber stellt trotzdem nichts außergewöhnliches dar. Sie werden zwar anders erzogen, wie wir hier auch das eine oder andere Mal präsentiert bekommen, werden aber auch irgendwann an diesen einen Punkt stoßen, wo die sexuelle Weiterentwicklung unausweichlich ist. Diese Komödie treibt diesen Punkt auf die Spitze. Allein das man diese Örtlichkeit, eine streng katholische Schule, mit einem Thema wie der Sexualität in einem Film vereint, ist die Sichtung allemal schon wert. Man muss ordentlich grübeln bis man hierfür etwas vergleichbares in der Filmlandschaft findet. (Ich habe bis heute keine Antwort darauf) Beide Bereiche, für sich genommen, füllen teilweise schon so manch ein Drehbuch. Aber beides in Einem? Ich will hier nicht unbedingt große Lobeshymnen trällern, aber auch nicht außer Acht lassen, dass man so eine Story selten (vielleicht auch noch nie) auf der Leinwand (oder aktuell nur im Heimkino) gesehen hat. Diese Komödie ist, in einem Wort beschrieben: Abgefahren! Und an nicht wenigen Stellen teilweise schon äußerst schamlos. Dennoch bleibt dieses Amazon Exclusive im Vergleich zu anderen Filmen, die sich sexuellen Thematiken widmen, eher harmlos. Ein gewisses Niveau behält man sich, ohne das wir gleich vor Ekel oder Scham sofort abschalten müssen. Warum denn auch? Yes, God, Yes ist mit weniger als 80 Minuten schnell geschaut und durch die Bank weg mit vielen weit gestreuten Anspielungen sehr amüsant gestaltet.

Unverschämt, frech und indirekt

Über allem schwebt in diesem christlich strenggläubigen Chaos die Fahrt in die Hölle. Masturbieren bedeutet Hölle, Sex vor der Ehe bedeutet Hölle und schon allein angeturnt zu sein: Hölle! Selbstverständlich ist diese Sichtweise sehr eindimensional und wird so in dieser Form hoffentlich nur noch selten praktiziert. Hoffentlich! Es bietet für die fiktive Geschichte aber nahezu perfekte Anreize diese Einbildung ordentlich auf die Schippe zu nehmen. Stranger Things Star Natlia Dyer, die schon zu Beginn die unschuldige und eventuell zu naiv geratene Schülerin zum Besten gibt, legt den soliden Grundstein für ein spaßiges Abendprogramm. Hinzu kommen ein paar andere Gestalten, die sich zum Teil in ihrem Verhalten sehr widersprüchlich zeigen und zeitgleich weiterhin den Schein von katholischen Vorzeigeschülern zu wahren. Der Film zeigt, wenn auch in unverschämter Manier, wie Teenies nun einmal in ihrem Alter so drauf sind. Da verliert man eben schnell mal die Hand (oder gar das Handy mit Vibrationsalarm) in der Hose, wenn ein heißer Kerl im Kirchencamp mit dabei ist. Auf die zahlreich unangenehme Momente, wie sie einem selbst widerfahren oder bereits widerfahren sind, will man hier in keinen Fall verzichten. Ich denke ihr wisst welche Momente damit gemeint sind. Im Film wird das schnell als Perversion oder sündhaftes Verhalten betitelt, was es gleich umso absurder erscheinen lässt. Wenn dann noch mit Anspielungen wie "dem Abnehmen der Beichte" gespielt wird, wo sexuelle Erregtheit mit Ave Maria getadelt wird, dann hat man schon ungefähr eine Ahnung mit was für einem Film man es hier zu tun hat.

Es fehlt noch dieses kleine Etwas!

Yes, God, Yes ist in seinem Genre eine ganz andere Kost und zweifellos auch nicht für Jedermann gedacht. Wem das aberwitzige Konzept (katholisches Kirchencamp und erforschen der eigenen Sexualität) von vorne herein nicht abschreckt, sollte sich unbedingt auf diesen Film einlassen. Wer es vielleicht noch etwas strenger mit Glauben, Religion und katholischer Erziehung sieht, dem rate ich natürlich von dieser Komödie ab. Bissiger Humor und die eindeutige Parodie über Enthaltsamkeit sind Kernelemente dieser kleinen Produktion. Dennoch fehlt ihm zum Schluss das sprichwörtliche Zünglein an der Waage. Zwei, vielleicht drei Szenen die den Film zu etwas Besonderen machen würden. Es ist aber am Ende auch schwer auszumachen, was hier noch gut reingepasst hätte. Vielleicht hätte die gesamte Story noch mehr Zweideutigkeit gut getan, obwohl hier bereits ordentlich Material vorhanden ist. Es gab viele gute Gelegenheiten und doch bleibt ein lang anhaltendes Gelächter irgendwie aus. Schade, denn im Grunde sind es gerade die vollkommen grotesken Szenen die der Komödie ihren Stempel aufdrücken. Und doch will es nicht zu 100% knistern. Schlussendlich ist man relativ gut unterhalten worden und trotzdem bleibt das Gefühl zurück auf etwas besseres gehofft zu haben. 

Fazit:

Katholisches Kirchencamp mal anders. Yes, God, Yes verhätschelt streng gläubige Enthaltsamkeit auf eine beinahe unverschämte aber nicht niveaulosen Art. Wem die ohnehin schon sehr absurde Geschichte gefällt, wird mit den vielen typischen Teenie-Momenten der Notgeilheit gute Unterhaltung finden. Dem Film fehlt zum Schluss allerdings noch dieser magischer Effekt, welcher die Kirsche auf die Sahnehaube setzt. Apropos Sahne: Nach diesem Film werdet ihr das "Sahneschlagen" womöglich für kurze Zeit auch in einem ganz anderen Licht sehen. 

MCG-Raiting

★★

6.5 Punkte

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